Rauschender Applaus : Ein Abend im Glanz des Aachener Vertrags

Rauschender Applaus : Ein Abend im Glanz des Aachener Vertrags

Unter lautem Applaus wurde die zentrale Botschaft des Abends im Namen aller Gäste verabschiedet: Eine Resolution, die der Vorstand der Deutsch-Französischen Gesellschaft Würselen ausgearbeitet hat, soll pünktlich zur Unterzeichnung des Aachener Vertrags die Staatschefs Angela Merkel und Emmanuel Macron erreichen.

Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Erwin Schulz hatte zuvor die Zeilen formuliert, in denen er nicht nur über die „große Freude“ spricht, mit der man im Verein die erneute Zusammenarbeitsbekundung der beiden früheren Erzrivalen in Europa vernommen hat, sondern in der man auch „gegen sich in ganz Europa verstärkende Tendenzen zu egoistischer Abgrenzung, Nationalismus, Populismus und Rassismus und für Kooperation, Respekt, Humanität und Frieden“ ein Zeichen setzt.

Traditionell feiert die Gesellschaft zum Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags am 22. Januar 1963 einen Abend des gegenseitigen kulturellen Austauschs im Alten Rathaus. Durch die Bekanntgabe der Vertragerneuerung, die auch noch im nahegelegenen Aachen stattfindet, sollte der Abend eine besondere Note erhalten.

Zahlreiche Gäste fanden den Weg ins Zentrum der Düvelstadt, um nicht nur Auszügen aus dem originalen Abkommen zu lauschen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen der damals komplizierten politischen Situation zu werfen. Das Vorlesen des Vertrages in Deutsch und Französisch stelle hierbei ein „Experiment“ dar, erklärte Schulz, der damit zeigen wollte, wie viel die Gäste über die andere Sprache verstehen können. Zur Auflockerung zwischen der trockenen „Politiksprache“ strahlten die Klänge von „La Famille“, die sich als Band der gesamteuropäischen Musik verstehe, für diesen besonderen Anlass aber ihre schönsten bretonischen Folklieder im Gepäck hatte.

Ellen Thielen-Vafaie zeigte sich selbstverständlich mehr als erfreut über diesen Anlass. „Dass dieser Vertrag 'Aachener Vertrag' heißt, da sind wir einfach stolz drauf. Schon lange fördern wir den Kontakt mit unseren Abenden und der passenden Musik“, so die langjährige Vorsitzende des Freundschaftsvereins.

Einblicke ins Original: Evelyne Leloup-Franken (links) und Ellen Thielen-Vafaie zitierten Passagen aus dem ursprünglichen Elysée-Vertrag, der am Dienstag in Aachen erneuert wird. Foto: Christian Ebener

Ein ähnliches Gefühl herrsche auch in der bretonischen Partnerstadt Morlaix. Für Schulz hat dieses neue Bekenntnis „nicht nur eine bilaterale, sondern auch eine multilaterale Ebene. Wir müssen die deutsch-französische Freundschaft pflegen, aber auch einbetten ins europäische Projekt“, mahnte er. Daher sehe er die Unterzeichnung in Aachen – statt in einer der beiden Hauptstädte – als fantastisches Signal. Aachen liege nicht nur im Herzen Europas, sondern strahle ebenso hinüber in die Niederlande und Belgien. Im Sinne dieser Brückenbindung war es den Veranstaltern sehr wichtig, die Band „La Famille“ begeistern zu können, so Thielen-Vafaie und Schulz. „Musik baut Brücken!“, bestätigte Bandleiterin Helga Eißler-Thoma.

Gekonnt führte Schulz durch die Veranstaltung, stets mit der gebotenen Seriosität, aber immer einem lockeren Unterton. Er mahnte an, dass die „Auswirkungen selbstverständlich geworden sind“, man aber stets daran denken müsse, was für ein fragiles politisches Gebilde das Europa der 1960er Jahre im Schatten des Ost-West-Konfliktes darstellte.

Er begeisterte sich in der französischen Variante des Elysée-Vertrags, der durch Evelyne Leloup-Franken vorgetragen wurde, besonders am „Klang dieser wunderschönen Sprache“ und betonte die „Überzeugung der Versöhnung“, die als Modell für die friedliche Lösung vieler Konflikte dienen könne.

So zeigte er sich auch sichtlich überzeugt davon, dass es auf breite Zustimmung im Publikum stoßen würde, wenn seine Resolution im Namen aller Anwesenden an die beiden Staatschefs gehen soll – eine Hoffnung, die natürlich nicht enttäuscht wurde.

Selbstverständlich durfte ein „geselliger“ Teil der Veranstaltung mit deutsch-französischer Verpflegung nicht fehlen, zu der „La Famille“ mit einem zweisprachigen Trinklied überleitete. Ein gelungener Abend im Zeichen der Freundschaft zwischen den beiden Ländern und mit der Hoffnung, dass sie von „langfristiger Wirkung“ sei, wie Thielen-Vafaie eindringlich betonte.

Die Resolution im Wortlaut

Deutsch-Französische Gesellschaft Würselen e.V

Würselen, den 18. Januar 2019

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland,

sehr geehrter Herr Präsident der Französischen Republik,

alljährlich veranstaltet unsere Gesellschaft, die gleichzeitig das Partnerschaftskomitée zwischen der bretonischen Stadt Morlaix, dem Pays de Morlaix und Würselen repräsentiert, eine Gedenkfeier zur Würdigung des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrags, des sog. Elysée-Vertrags vom 22. Januar 1963.

Mit großer Freude haben wir zur Kenntnis genommen, dass am 22. Januar dieses Jahres das Bekenntnis zur Zusammengehörigkeit, zur tiefen Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern und deren Bedeutung für das europäische Einigungswerk durch einen weiteren Vertrag feierlich erneuert werden soll.

In dem Bemühen, die Inhalte des Elysée-Vertrages zu bekräftigen, soweit sie von grundsätzlicher Gültigkeit sind; sie zu modernisieren und anzupassen, soweit dies die heutigen politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen, ökologischen und kulturellen Entwicklungen erfordern, erkennen wir den Willen beider Staaten und ihrer Völker, die gewachsene tiefe Freudschaft auch für kommende Generationen zu festigen.

Gleichzeitig setzen Sie damit ein Zeichen gegen sich in ganz Europa verstärkende Tendenzen zu egoistischer Abgrenzung, Nationalismus, Populismus und Rassismus und für Kooperation, Respekt, Humanität und Frieden.

Dass dieser Vertrag in unserer Region geschlossen und künftig den Namen

Aachener Vertrag tragen wird, erfüllt uns mit Genugtuung und Stolz.

Nicht nur weil unsere Region im Herzen Europas liegt, sondern die Menschen hier auch Europa in ihren Herzen tragen.

Wir, die wir aktiv für das Deutsch-Französische und Europäische Einigungwerk arbeiten, fühlen uns in unserer Motivation bestätigt und bestärkt.

Wir wünschen Ihnen, verehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrter Herr Präsident, ihren Regierungen und Allen, die politische Verantwortung tragen, eine glückliche Hand und Erfolg in Ihrer Arbeit, die Errungenschaften des Elysée-Vertrages zu bewahren und mit dem Aachener Vertrag in eine Zukunft der wachsenden europäischen Integration fortzuführen.

Mehr von Aachener Zeitung