Herzogenrath: Ein Abend, der Erinnerungen wach hält

Herzogenrath: Ein Abend, der Erinnerungen wach hält

„Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Dieses Zitat von Heinrich Heine aus dem Jahr 1821 steht sinnbildlich über der Veranstaltung der Schüler des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath.

Im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen erinnerten sie jetzt an die Bücherverbrennung durch die Nazis. Gestaltet wurde der Themenabend von den Schülern des Literaturkurses der Q1, der Kunst-AG der Jahrgangsstufen 7 bis 9, des Kunstkurses der Q1, des Malereiprojekts unter der Leitung von Barbara Mertens sowie der Klassen 9d, 6a, 6c und des Geschichtskurses der Klasse 9d.

Bei der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 brannten in ganz Deutschland die Bücher vieler Autoren, die auf einer von den Nationalsozialisten verfassten „Schwarzen Liste“ standen. Bei der sogenannten „Aktion wider den undeutschen Geist“ der Deutschen Studentenschaft in Berlin, gefolgt von anderen deutschen Städten, fanden Bücherverbrennungen statt, bei denen Bücher jüdischer, pazifistischer und anderer oppositioneller Schriftsteller öffentlich verbrannt wurden. Es ging dabei um Bücher, die den Machthabern so gefährlich schienen, dass man sie öffentlich verbrannte.

Das Schicksal dieser Schriftsteller reichte in den folgenden Jahren vom Berufsverbot über Verfolgung und Emigration ins Ausland bis zum Tod und zur vollkommenen Vergessenheit. Mit dem Gedenkabend wollen die Schüler die bekannten und weniger bekannten Schriftsteller und ihre verbrannten Bücher wieder in das Gedächtnis der Menschen bringen.

Philosophisch, poetisch und künstlerisch setzten sich die Jugendlichen mit dieser Thematik auseinander, um zu zeigen, dass die Menschen gemeinsam an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, sich für die universellen Menschenrechte und insbesondere für die Freiheit des Wortes einsetzen — die Grundlage jedes offenen kulturellen Dialogs.

Der Abend startete mit einer literarischen Lesung aus verbrannten Werken von Tucholsky, Kästner und Freud. Ein Rundgang durch die Ausstellung der Malereiprojektteilnehmer schloss sich an. Die Neuntklässler beeindruckten mit einem Poetry Slam unter Feuersprüchen. Malereien erinnerten an die verbrannten Bücher. Eine Serie fragte „Was bleibt?!“ und zeigte Installationen, Malereien und Zeichnungen zum Thema. Die Kunst-AG präsentierte die Bilder-Serie „In den Flammen“, die Klasse 6c hatte ein Mobile mit dem Titel „Verbotene Autoren“ gebastelt.

„Vollkommene Leere“ hieß die Installation der Klasse 6a, „Den Flammen übergeben“ eine Reihe von Zeichnungen im Crossover-Verfahren der Kunstkurse der EF. Für eine Rundfunkpräsentation hatten sich die Schüler des Kunstkurses Q1 entschieden. Sie produzierten einen Radiobeitrag über die Bücherverbrennung in Berlin. Zum Ausklang dieses im wahrsten Sinne des Wortes denkwürdigen Abends präsentierte der Literaturkurs Q1 Gedichte.

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