Alsdorf: Ein Abend, an dem sich kaum einer ein Ende wünscht

Alsdorf : Ein Abend, an dem sich kaum einer ein Ende wünscht

Susanne Kaempf lässt tief in ihre Gefühlswelt blicken. „Ich bin so wahnsinnig aufgeregt“, gesteht die Leiterin der Marienschule. Dabei studiert sie immer wieder ihre Kärtchen mit Texten oder tanzt wie ein später Teenie zur Musik mit. Die Chefin der Marien-Realschule hat Doppelrollen zu spielen.

Einerseits moderiert sie, andererseits hat man auf der Theaterbühne „spielende“ Jobs für sie ausgesucht.

Nach dem Umzug der Schule ins Gebäude an der Pestalozzistraße ist alles größer geworden. Auch teils komfortabler. Und an diesem Abend, zur Premiere der großen „K.U.L.Tour“ soll das Publikum einen Querschnitt aus den bisherigen Stücken der Schauspieler sehen. KULT („Kommt und lebt Theater“) ist eine Gruppe, die sich im Jahr 2005 aus Lehrern und Schülern gründete und mit ehemaligen Realschülern besetzt war. So war es ursprünglich. Inzwischen besteht KULT auch aus Familienmitgliedern und Schülern der nachfolgenden Jahrgänge.

Sigrid Rombach, Deutsch- und Sportlehrerin, ist Mitgründerin. Bis heute betreut sie die Gruppe, die einmal wöchentlich probt. Rombach bleibt nach außen gelassen, als die ersten der etwa 100 Zuschauer in die Aula treten. Dann halten sich Susanne Kaempf und Sigrid Rombach im Arm, drücken sich, hoffen auf eine gelungene Vorstellung, während das Ensemble, zu dem die drei 17-jährigen „Küken“ Bjarne Söller, Philipp Frieß und Corinna Spürk gehören, letzte Proben im Hintergrund vornehmen.

KULT hat immer ausgezeichnete Kritiken der Zuschauer erhalten. Warum, das spürt man schon nach etwa 20 gespielten Minuten beim „Besuch in Alsdorf“, einer tragischen Komödie, frei nach Friedrich Dürrenmatt. Die jungen Schauspieler vergleichen das „alte“ Alsdorf mit dem heutigen und erwarten sehnsüchtig eine Multimillionärin. Sie ist in Alsdorf groß geworden und soll dem verarmten Städtchen nun aus der Pleite helfen.

Das Ensemble aus 15 Darstellern spielt die Sequenzen äußerst professionell. Phasenweise mag der geneigte Zuschauer nicht glauben, dass es sich hier Laien handelt. „Eine Stadt zum Leben“, „Der Drache“, „Der Unsichtbare“ und weitere Ausschnitte anderer Stücke kamen zur Aufführung. Dazwischen wird getanzt. So beispielsweise zu Gloria Gaynors „I am what I am“ oder auch „It aint like that“ sowie dem neu aufgelegten „Sounds of Silence““ von der Rockgruppe Disturbed.

Am Schluss eines berauschenden Theaterabends, der sich noch an den beiden darauffolgenden Tagen erweiterte, bekommt das Publikum auch einen Wunsch erfüllt: Kaempf, Rombach und Kollegen haben das Publikum abstimmen lassen, ob als Zugabe „Krabat“ oder Ausschnitte aus der „Endstation“ gespielt werden sollen. Es war die „Endstation“ an einem Abend, an dem sich kaum einer ein Ende gewünscht hat ...

(mas)
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