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Herzogenrath: Eigeninitiative: Mit guten Argumenten gegen die Hetze

Herzogenrath : Eigeninitiative: Mit guten Argumenten gegen die Hetze

Es ist nicht immer einfach, auf plumpe und schnell daher gesagte Parolen zu antworten. Passieren kann es im Bus, auf der Straße, auf dem Sportplatz oder sonst wo. Gute Argumente? Ja — aber diese wollen gut durchdacht sein, um nicht in ein flaches „Thekengewäsch“ abzugleiten.

Der Stadtsportverband Herzogenrath hat sich zusammen mit dem Herzogenrather Bündnis gegen Rechts dieser Alltagsherausforderung gewidmet. In Kooperation mit dem kommunalen Integrationszentrum der Städteregion Aachen wurde nun erstmals auch in Herzogenrath das „Argumentationstraining zum Umgang mit rechten Positionen“ angeboten.

Premiere gut besucht

Kommunikationsberater Dr. Stefan Kirschgens war der Einladung ins Rathaus gefolgt. Das ausgeschriebene Platzangebot für die Premieren war schon nach kurzer Zeit vergriffen. Organisator Manfred Borgs vom Stadtsportverband begrüßte unter anderem Vertreter und Übungsleiter des SuS Herzogenrath, des Frauenkommunikationszentrums, vom „Runden Tisch“ Herzogenrath sowie vom Herzogenrather Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus. Darüber hinaus konnte man mit dem Pädagogischen Zentrum Aachen und der MyPegasus GmbH auch regionale Institutionen für eine Teilnahme gewinnen.

Politikwissenschaftlerin Silke Peters vom kommunalen Integrationszentrum der Städteregion freute sich als Veranstalterin des Projektes über die „Expansion“ nach Herzogenrath. Sie und Manfred Borgs kennen sich seit geraumer Zeit. Während beide Organisatoren Wert auf ein breitgefächertes Angebot im Kampf gegen Rechts legen, liegt Borgs zusätzlich der Jugendsport in Roda besonders am Herzen: „Wir möchten zukünftig auch besonders die Trainer im Jugendbereich ansprechen. Bereits im Kindesalter kann man mit derartigen Parolen in Berührung kommen. Die Übungsleiter müssen daher besonders aufmerksam sein.“

Dass Stefan Kirschgens sich auskennt, merkte man schon im ersten Augenblick. Der sympathische Referent mit belgischen Wurzeln ist niemand, der theoretische Dogmen predigt. Vielmehr schaffte er es von der ersten Minute an, seinen Kurs in der Atmosphäre eines lockeren Gesprächs in der Freizeit zu leiten. Kein Zwang und keine Anklage — trotzdem wurden die richtigen Fragen gestellt und diskutiert.

Eigenreflexion als Mittel

Ganz ohne Theorie funktioniert es natürlich nicht und so nahm sich Kirschgens zunächst die Zeit für ein Brainstorming. Was ist eigentlich „deutsch“? Was ist Nationalgefühl? Was erwartet der Kurs? Wie kann man differenzieren zwischen Hetze und Diskussion? — Diese „Grundlagenforschung“ mündete im wohl wichtigsten Part der Veranstaltung. Eigenreflexion hilft, um bei schwierigen Themen die eigene Meinung zu analysieren und sich gegen plumpe Angriffe zu wappnen. Es gibt natürlich keinen „Knigge“ im Umgang mit rechten Wortsalven.

Kirschgens schaffte es, dass seine Zuhörer künftig mit Intelligenz, Eigeninitiative und Taktik in unvorhergesehenen oder auch wiederkehrenden Konfrontationen bestehen können.

Es gibt freilich kein fest definiertes Ziel. Jede Situation sollte aus der eigenen Position gut durchdacht werden. Wer sich nicht in der Lage fühlt, offensiv den Gegenpart zu übernehmen, sollte es dann auch lieber lassen. Wer wirklich rechts denkt, lässt sich von Fakten nicht beirren. Vielmehr nutzte diese Art der „Kommunikation“ die Schwächen des Gegenüber aus.