Freiwillige Feuerwehr hilft: Egal ob Katze oder havarierte Tanklaster

Freiwillige Feuerwehr hilft : Egal ob Katze oder havarierte Tanklaster

Einsatz für Löschzug 5, die freiwillige Feuerwehr Loverich-Floverich. „Katze in Fenster eingeklemmt“ — ein Notruf, wie er die Männer nicht jeden zweiten Tag erreicht. Dennoch ein Notruf, und auch wenn es „nur“ um ein Katzenleben geht, fahren die Rolltore an der Josefstraße hoch und Löschzug 5 rückt aus.

Retten ist ihre Berufung. Am 29. September Retten sie auf den Tag genau seit 100 Jahren. Nicht die 29 Aktiven, die derzeit in der Feuerwache ehrenamtlichen Dienst tun — natürlich nicht. Einige von ihnen aber sind in dritter oder vierter Generation einer Familie in der Freiwilligen Feuerwehr der beiden Baesweiler Ortsteile aktiv.

Die Katze konnte übrigens nicht gerettet werden. Dazu hatten Brandinspektor Pascal Clermont und seine Kollegen an diesem Tag keine Gelegenheit. „Wir haben das Haus nicht gefunden. Der Anrufer hatte die falsche Hausnummer mitgeteilt.“ Wenig später kam eine Frau aus ihrem Haus gelaufen und rief in Richtung Einsatzfahrzeug: „Ich hab's das wieder abbestellt.“

Clermont schüttelt den Kopf, als er an die Begebenheit zurückdenkt und lacht. „Als wären wir ein Pizzadienst ...“ Manche Einsätze könne man nur mit Humor nehmen, bei anderen Aktionen aber auch am Verstand der Mitmenschen zweifeln.

Ordentlich pampig

Einsatz für Löschzug 5 auf einer Landstraße bei Loverich vor einigen Wochen: Ein Wagen hatte sich mehrfach überschlagen, die Straße musste gesperrt werden. Darüber war ein Mensch, dessen Wohnhaus etwa 150 Meter weiter steht, offensichtlich ordentlich pampig geworden. Wie sie auf die Idee kämen, einfach die Straße abzusperren, hatte er die Einsatzkräfte am Unfallort angepflaumt. Es ist die Kehrseite des Berufes, die leider immer öfter zutage trete. Menschen, die vor der Arbeit der Feuerwehr keinen Respekt zeigen.

Die freiwillige Feuerwehr Loverich-Floverich: 29 aktive Wehrmänner, elf in der Alters- und Ehrenabteilung und acht in der Jugendfeuerwehr. Foto: Freiwillige Feuerwehr Loverich-Floverich/Dirk Beemelmanns

Bis sie die Retter irgendwann selbst einmal brauchen. An jenem Tag war Kandidat 1 nicht der einzige ohne gesunden Menschenverstand. Ob weitere Autofahrer die wegen des schweren Unfalls eingerichtete Vollsperrung als Hürde sahen, die es sportlich zu überwinden galt, ist nicht sicher. Jedenfalls drängelten sie sich an der Sperrung vorbei. „In solchen Fällen lassen wir die Polizei ihre Arbeit machen und konzentrieren uns auf unsere“, erklärt Clermont.

Konzentration auf etwas, das weit weg vom Alltag der meisten anderen Menschen ist. Würde man bei ihnen mitfahren, sagt Oberbrandmeister Marcus Lerschen (42), man sähe Dinge, die man so schnell nicht mehr vergisst. Meist keine schönen Dinge. Feuerwehrmann Benedikt Hilgers: „Ich mache meinen Job, aber ich mache mir keine Gedanken darüber, dass ich Menschenleben rette.“ Helden? Für manche bestimmt. Ganz sicher für die vielen Unfall- und Brandopfer, die sie aus oftmals lebensbedrohlichen Lagen befreien konnten.

315 Taler für eine Brandspritze

Loverich und Floverich hatten einst jeweils eine eigene Löschgruppe. 1993 folgte der Zusammenschluss, und heute bilden die beiden Ortsteile den Löschzug 5 der Freiwilligen Feuerwehr Baesweiler. Die Freiwillige Wehr in Loverich hatten Bürger des Ortes 1918 gegründet, mit den Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg im Hinterkopf. Damals war es immer schwieriger geworden, Brände zu vermeiden oder zu löschen.

Eine Feuerwehr gab es im Ort jedoch vor 1918 bereits. Der Nachweis über eine Anschaffung im Jahr 1823 in der Chronik der Bürgermeisterei Puffendorf, zu der Loverich und Floverich gehörten, ist eines der frühsten Zeugnisse davon. 315 Taler waren damals in eine neue Brandspritze investiert worden. Eine ausführliche Chronik der Jubiläums-Feuerwehr, aus der diese Informationen stammen, hat Leobert Schmitz verfasst.

Sie erscheint im Rahmen der Festschrift zum 100. Geburtstag. Von der Zeit vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr ist darin zu lesen oder vom Einsatz während der Bombennächte im Zweiten Weltkrieg, in denen Brandbomben über den Ortsteilen abgeworfen wurden.

Einsatz für Löschzug 5 auf der B57n: Die Einsatzkräfte werden zu einer „kleineren technischen Hilfeleistung“ gerufen. Angekommen stellen die Männer fest: Meldung und Lage decken sich nicht. Ein Tanklastzug ist verunglückt, hängt schräg im Graben und droht zu kippen.

Clermont: „Die erste Frage war natürlich: Ist der Hänger voll oder leer?“ Die Antwort beschleunigt den Puls der Männer: Der Hänger ist mit 30000 Litern Treibstoff beladen. Sofort werden Kräfte nachalarmiert, darunter ein Spezialwagen für gefährliche Stoffe und Güter, der aus Wesseling anrückt. Aus der kleinen technischen Hilfeleistung wird ein Acht-Stunden-Einsatz. Eine Katastrophe können die Wehrmänner verhindern.

Marathon-Einsätze wie dieser sind selten, Katzen, die in Fensteröffnungen steckenbleiben, auch. Häufigster Einsatzanlass sind ausgelöste Brandmeldeanlagen. Weit mehr als die Hälfte stellen sich im Nachhinein als Fehlalarm heraus, sagt Clermont. Mal war es Staub, der beim Einsatz einer Bohrmaschine entstanden ist, mal eine dampfende Kaffeemaschine, die taktisch unklug direkt unter einem Rauchmelder postiert war.

Oder — ein weiteres Beispiel aus der Praxis — die halbe Belegschaft eines Altenheimes, die in der Nähe eines Brandmelders Zigarettenpause machte. In letzterem Fall sind die Retter gleich mit dem großen Besteck angefahren, weil es um ein großes Objekt und im Zweifel um viele Menschenleben ging. Auch dieser Einsatz war zum Glück jedoch schnell beendet.

„Wir machen Dinge zusammen durch, die nicht alltäglich sind. Das schweißt zusammen“, sagt Clermont. Die Kameradschaft innerhalb der Truppe sei hervorragend, und das gelte nicht nur für die Aktiven. Spätestens mit 67 Jahren wechseln die Wehrleute in die Alters- und Ehrenabteilung, sind aber in die Gemeinschaft immer noch eingebunden. So auch das älteste Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Loverich-Floverich — im Alter von 92 Jahren.

Mehr von Aachener Zeitung