„Eberhard“ fegt über den Nordkreis: 300 Feuerwehrleute im Dauereinsatz

„Eberhard“ fegt über den Nordkreis : 300 Feuerwehrleute im Dauereinsatz

Dächer werden abgedeckt, Gerüste wanken, Bäume knicken um: Sturmtief Eberhard hält die Einsatzkräfte der Feuerwehren im Nordkreis bis in die Abendstunden in Atem. Am härtesten trifft es offenbar Alsdorf, wo das Stadtzentrum regelrecht lahmgelegt wird.

Es war kurz vor 16 Uhr, als man bei der Feuerwehr Alsdorf zu der Einsicht kam, dass es besser wäre, wenn sich niemand mehr im Freien aufhielte. Wenige Minuten später wurde auf Facebook die folgende Warnung rausgejagt: „Wir bitten die Bevölkerung, den Aufenthalt im Freien bis zum Abend zu meiden. Speziell der Aufenthalt unterhalb oder in direkter Nähe von Bäumen“ sei gefährlich, hieß es da. Parallel bat man die Radiosender und unsere Redaktion darum, die Warnung weiterzuverbreiten. Zwar hatte der Deutsche Wetterdienst die Feuerwehren frühzeitig auf Sturmtief „Eberhard“ hingewiesen, die Heftigkeit der Böen übertraf dann am Sonntag aber das, was erwartet worden war.

Denkmalplatz gesperrt

Nach vorläufigen Zahlen hat Sturmtief „Eberhard“ Alsdorf von den vier Nordkreiskommunen mit Abstand am stärksten getroffen. 75 Einsätze meldete der stellvertretende Feuerwehrsprecher Andreas Wolf am frühen Abend. In Herzogenrath waren es laut Sprecher Thomas Hendriks etwa zur selben Zeit 39. In Würselen hatte der stellvertretende Wehrleiter Ralf Jüsgens 26 Einsätze gezählt und der stellvetretende Wehrleiter von Baesweiler, Dirk Grein, 25. Nach vorläufiger Bilanz gab es im Nordkreis nirgendwo Verletzte. Die Masse an Einsätzen brachte die Feuerwehren aber dennoch zeitweise an ihre Grenzen, und das obwohl insgesamt an die 300 Einsatzkräfte unterwegs waren.

Auf der Autobahn 44 musste eine der Fahrspuren in Richtung Aachen vorübergehend gesperrt werden, weil Äste auf die Fahrbahn geweht worden waren. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Für massive Verkehrsbehinderungen sorgte „Eberhard“ ab dem Nachmittag am Alsdorfer Denkmalplatz, wo sich das Dach der Commerzbank zu lösen drohte. Der Verkehr im Stadtzentrum war über Stunden lahmgelegt. Auch ein Statiker des Technischen Hilfswerks war vor Ort.

„Zumindest trocken“

Schon am frühen Nachmittag hatte die Alsdorfer Feuerwehr damit begonnen, eine Liste zu führen, nach der die Einsätze abgearbeitet wurden. Es gingen schlicht zu viele Notrufe ein, um auf jeden einzelnen sofort reagieren zu können. „Eberhard“ deckte Dächer ab, brachte Baugerüste ins Wanken und knickte Bäume um. „Wir sind froh, dass es zumindest trocken ist“, sagte stellvertretender Feuerwehrsprecher Wolf. Problematisch war indes, dass „Eberhard“ sich immer wieder zu beruhigen schien, die nächste Böe dann aber um so heftiger ausfiel.

Auch wenn ihre Einsatzzahl niedriger war als die der Alsdorfer, waren auch die Würselener Kameraden weit entfernt davon, einen ruhigen Sonntag zu verleben. Im Gewerbegebiet Aachener Kreuz (St.-Jobster-Straße) hing eine Photovoltaikanlage von einem Firmendach herunter und musste gesichert werden. An einem Nebenbau des alten Krankenhauses in Bardenberg hatte sich ein Flachdach gelöst und wurde mit Sandsäcken beschwert, damit es sich nicht verabschiedete. Und auf der Autobahn 44 musste auf Höhe von Linden-Neusen eine der Fahrspuren in Richtung Aachen vorübergehend gesperrt werden, weil Äste auf die Fahrbahn geweht worden waren.

Im Würselener Gewerbegebiet wurde eine Photovoltaikanlage von einem Dach geweht und musste gesichert werden. Foto: dmp press (Ralf Roeger)/Ralf Roeger

Dabei handelte es sich offenbar um Holz, das der Landesbetrieb Straßenbau vor einigen Wochen zurückgeschnitten hat. Der Rückschnitt hatte eigentlich der Verkehrssicherheit dienen sollen. Allerdings hatten Teile des Rückschnitts am Sonntag noch immer zu Haufen aufgeschichtet am Fahrbahnrand gelegen, von wo aus die Orkanböen sie dann auf die A44 beförderte.

Aquana evakuiert

Für Aufsehen sorgte am Nachmittag auch die Meldung, das Würselener Freizeitbad Aquana sei evakuiert worden. „Das klingt dramatischer als es ist, trifft aber den Sachverhalt“, erklärte dazu Bürgermeister Arno Nelles. Nachdem sich eine Platte an der Dachabdeckung gelöst und auf das Gelände geweht worden war, wurden die Badegäste gebeten, nach Hause zu gehen. Als Entschädigung wurden Freikarten verteilt. Vor gut einem Jahr musste das Aquana schon einmal geschlossen werden, nachdem das Dach durch Sturmtief „Friederike“ beschädigt worden war.

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