Herzogenrath: Durchforstung: Naturfreunde schalten Umweltminister Remmel ein

Herzogenrath: Durchforstung: Naturfreunde schalten Umweltminister Remmel ein

Forstarbeiten auf und rund um die Halde Adolf erregen wieder die Gemüter. Die Naturfreunde, seit Mitte vergangenen Jahres vom Umweltministerium in Düsseldorf als Naturschutzverband anerkannt, haben jetzt sogar Landes-Umweltminister Johannes Remmel eingeschaltet.

Der Grund: Der im Stadtrat mehrheitlich abgesegnete Forstwirtschaftsplan für 2016 sieht auch eine Durchforstung von Teilen der Halde Adolf vor. Alles in allem rund 100 Festmeter sollen fallen. Dagegen laufen die Naturfreunde Sturm. Der Bereich der Halde Adolf sei laut Landschaftsplan II, seinerzeit vom Kreistag beschlossen, mit einem Verbot der forstlichen Nutzung belegt, so die Argumentation.

Zudem sei hier ein sogenannter geschützter Landschaftsbestandteil „Feuchtgebiet, aufgelassene Schlammteiche und Brachflächen“ ausgewiesen. In ihrer Stellungnahme zum Wirtschaftsplan hatten die Naturfreunde gefordert, forstliche Maßnahmen auf der Halde gänzlich zu unterlassen. Der Umwelt- und Planungsausschuss überließ die Entscheidung über den Teilbereich Halde dem Stadtrat, der schließlich mehrheitlich doch für die vom Gemeindeforstamt Aachen vorgeschlagenen Fällungen votierte.

Ausschlaggebend war eine rechtliche Prüfung des Schutzstatus der Halde seitens der Unteren Landschaftsbehörde (ULb) in Absprache mit der Oberen Landschaftsbehörde. Demnach dürfe die ULb gar keine forstfachlichen Festsetzungen bezüglich der Halde treffen, da es sich bei dieser um ein Landschaftsschutzgebiet handele — und eben nicht um ein Naturschutzgebiet oder einen geschützten Landschaftsbestandteil. Die vorgeschlagenen Durchforstungsarbeiten, so das Fazit, seien demnach rechtmäßig.

„Die 100 Festmeter sind — auf Vorschlag der Verwaltung — schon die Halbierung des ursprünglichen Plans“, weist Technische Beigeordneter Ragnar Migenda darauf hin, dass die Holzeinschlagmenge in Herzogenrath „generell deutlich unter dem liege, was geschlagen werden dürfte“. Mit breiter Mehrheit sei der Forstwirtschaftsplan von der Politik goutiert worden, mit ausdrücklichem Lob für die Arbeit von Gerd Krämer und Herbert Koch vom Gemeindeforstamt, das qua Vertrag für Rodas Wald zuständig ist. Migenda betont auch: „Der Einschlag auf der Halde dient nicht wirtschaftlichem Interesse. Ein Großteil bleibt liegen — zur Biotopmassen- und Bodenverbesserung.“ Was die Naturfreunde allerdings als unzulässige Beeinflussung der „hier angestrebten natürlichen Entwicklung“ einstufen.

Förster Herbert Koch erklärt auf Anfrage, wo Maßnahmen vorgesehen sind: So sollen — auch zur Verkehrssicherung — 0,5 Hektar Fichtenbestand weichen, „da, wo der Wind vor einem Jahr eine Schneise geschlagen hat“, am Haldenfuß entlang der Plitscharder Straße. Durchforstet wird zudem ein Ahornbestand, „zur Kräftigung der Einzelbäume und der Artenvielfalt“. Ausgelichtet werden soll auch das Birkenwäldchen am Höhenweg. Anfang der 70er Jahre war Stroh mit Birkensamen zur Haldenbefestigung aufgespritzt worden, „nun muss vereinzelt werden“, sagt Koch.

Ein „ausnahmsloses Verbot zur Durchforstung“ möge der Minister bis zur Klärung der strittigen Frage veranlassen, bitten die Naturfreunde. Viel Zeit für Durchforstungen bleibt aber ohnehin nicht mehr: Am 1. März beginnt die Vogelschutzzeit.

(bea)
Mehr von Aachener Zeitung