Nordkreis: Drahtesel rollen weiter voll im Trend

Nordkreis: Drahtesel rollen weiter voll im Trend

Radfahren ist längst viel mehr, als nur eine lockere Freizeitbeschäftigung. Für viele Menschen ist es mittlerweile das Transportmittel Nummer eins — auf dem Weg zur Arbeit und in der Freizeit. Ob Rennrad, Mountainbike, Hollandrad oder mehr und mehr das Pedelec — die Auswahl ist riesig und ebenso viele Möglichkeiten gibt es, das Rad zu nutzen.

Heute ist der „Europäische Tag des Fahrrads“, den es seit 1998 am 3. Juni gibt. Auch Leser haben im Rahmen der Umfrage unserer Zeitung zu dem Thema „Was bewegt Sie in...?“ auf das Thema Radfahren aufmerksam gemacht. Wie gut ist man denn im Nordkreis unterwegs?

Große Auswahl: Die Routen und Themenwege für Radtouristen und Freizeitradler im Nordkreis sind vielfältig und abwechslungsreich. Immer mehr Fahrradfahrer nutzen für ihre Ausflüge ein Pedelec, das das Radfahren durch ein Motor erleichtert. Foto: J. Küppers

Viele lassen auf dem Weg zur Arbeit das Auto stehen. Robin Sybertz von der Städteregion Aachen, Regionalmanager des Vereins Grünmetropole, freut sich über diese Entwicklung: „Immer mehr Berufspendler erschließen die Wege mit dem Rad.“ Um den Pendlern den Weg zur Arbeit zu erleichtern, plant die Städteregion Aachen einen Radschnellweg Euregio von Aachen nach Herzogenrath mit Abzweigen in Kerkrade und Heerlen. Vorbild für diesen Weg könnte eine Radschnellstrecke im niederländischen Nijmwegen sein.

Zur Streckenführung läuft aktuell eine Umfrage. Vom 8. bis zum 29. Juni können Bürger schriftlich oder online Vorschläge zur Route machen. Die werden anschließend ausgewertet und in eine vom Land geförderte Machbarkeitsstudie einbezogen. Jetzt sind die Bürger gefragt: Ab Montag, 8. Juni, haben sie die Möglichkeit, Anregungen zur Linienführung des geplanten Radschnellweges Euregio zu äußern. Diese können bis zum 29. Juni bei der Städteregion Aachen eingereicht werden. Einen Hinweis dazu gibt es online unter www.radschnellweg-euregio.de. Dort können Linienvorschläge und Kommentare eingetragen werden. Darüber hinaus gibt es auch in Herzogenrath Infoabende. Am Mittwoch, 10. Juni, sind Besucher um 19 Uhr in der Aula des Schulzentrums an der Bardenberger Straße willkommen, am Donnerstag, 11. Juni, um 19 Uhr im Alten Rathaus Kohlscheid, Kaiserstraße 50. Interessierte können Teilnahmeunterlagen mitnehmen.

Nicht nur Berufspendler, auch Sportler und Ausflügler sind im Laufe des Tages mit dem Rad unterwegs. Beispielsweise nutzen Radler Teile der Grünroute. Die insgesamt 370 Kilometer lange Strecke schlängelt sich von Düren ins belgische Hasselt auch durch die Nordkreis-Kommunen. „Die Grünroute ist mit der 3-Länder-Besonderheit einmalig“, sagt Sybertz. Dafür hat der Verein Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) die Strecke mit insgesamt drei Sternen ausgezeichnet. Touristenmagnet sei nach wie vor der Vennbahnradweg. Doch auch unbekanntere Strecken wie die Wasserburgenroute würden immer beliebter. „Die Strecken sind untereinander wunderbar vernetzt“, sagt Sybertz. Knackpunkt sei nach wie vor Aachen, weil die Stadt an ihrem eigenen System festhält.

Die Attraktivität der Radwege entlang der Überbleibsel des Bergbaus hat sich auch bei Touristen zunehmend herumgesprochen, die „von Aachen Sternfahrten unternehmen“.

Probleme gibt es aus Sicht der Städteregion noch mit dem E-Bike-Netzwerk. „Die Gastronomen machen da noch nicht mit, weil sich mit dem Angebot keine Gewinne erzielen lassen“, sagt Sybertz. Dass ein Angebot für E-Bikes auch ein Alleinstellungsmerkmal zum Konkurrenten sein kann, lockt die Wirte und Hoteliers offenbar nicht ausreichend an. „Wartung der Anlage und möglicherweise Personal stehen dem Mehrwert gegenüber“, sagt Sybertz.

Dass der Trend immer mehr zum Fahrrad mit Elektromotor geht, beobachtet auch der technische Referent des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Stephan Behrendt. Für den Alltagsgebrauch kann die Motorunterstützung oft eine Entlastung sein. „Die Pedelecs dienen dazu, das Auto zu ersetzen, weil man nicht mehr fürchterlich verschwitzt am Ziel ankommt“, sagt er. In hügeligem Gelände, sei das Pedelec beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit sehr praktisch oder für Eltern, die ihre Kinder im Fahrradanhänger zur Kita fahren müssten.

Kritisch sieht er im sportlichen Bereich Mountainbikes, die von Motoren unterstützt werden: „Durch den Motor kommen auch ungeübte Fahrer Berge hoch, haben dann aber zu wenig Erfahrung, um auf der anderen Seite wieder runter zu kommen“, sagt Behrendt. Oft überschätzten sie sich und es käme daher zu Unfällen.

Grundsätzlich wird die Ausrüstung immer besser und einfacher. Das sei zum Beispiel an geräuschloser LED-Beleuchtung, stabileren Fahrradreifen und modernen Gangschaltungen festzumachen. Letztere haben sich in den vergangenen Jahren verändert. „Es gibt Schaltungen mit einem Servo-Motor, die sich präziser schalten lassen.“ Das Prinzip sei vergleichbar mit einem Auto ohne Getriebe. Zudem gehe der Trend zu automatischen Gangschaltungen. Bei solchen Modellen, lässt sich auf Knopfdruck eine bestimmte Drehzahl auswählen, und die Schaltung wechselt stufenlos zwischen den verschiedenen Gängen hin und her. Die Belastung für den Fahrer sei so kontinuierlich die selbe. „Jetzt müssen sich nur noch die Fähigkeiten der Fahrer an die Qualität der Ausrüstung anpassen“, sagt er.

Das Angebot an Themenrouten und passenden Radwegen ist für Freizeitradler im Nordkreis sehr gut ausgebaut, sagt Stephan Behrendt. Nur die Situation für Zweirad-Berufspendler lässt momentan noch zu Wünschen übrig.