Herzogenrath/Würselen: Dr. Jochen Hegemann: „Die Diagnose Parkinson ist kein Todesurteil“

Herzogenrath/Würselen: Dr. Jochen Hegemann: „Die Diagnose Parkinson ist kein Todesurteil“

Beizeiten „auf Zeit spielen“, und das im positiven Sinne. Dies ist bei Parkinson ein wichtiger Aspekt, um mit und trotz dieser Erkrankung möglichst lange zurechtzukommen. Zum einen geht es darum, frühzeitig die Erkrankung zu erkennen.

Zum anderen gilt es, bei der Behandlung, für den Betroffenen viel Zeit herauszuholen, bevor es zu schwerwiegenderen Einschränkungen der Lebensqualität kommt, und ihm auch dann noch eine lange Lebenszeit zu bereiten.

Der Herzogenrather Neurologe und Nervenarzt Dr. Jochen Hegemann gehört zu den niedergelassenen Ärzten, die sich ganz in diesem Sinne mit individuell abgestimmten Therapieformen um Parkinson-Patienten kümmern. Hegemann ist einer der Referenten des Forums Medizin unserer Zeitung und des Rhein-Maas Klinikums, das heute um 19.30 Uhr im Alten Rathaus in Würselen beginnt.

„Wir berücksichtigen die Erwartungen und die Lebensumstände des Patienten bei der Festlegung der Behandlungsstrategie“, sagt Hegemann. „Was droht dem Patienten? Würde er seinen Job verlieren?“ Bei einem 50-Jährigen, der Koordinationsprobleme bei der Arbeit hat, aber seine Familie ernähren muss, sieht die Medikation anders aus, als beim Rentner, der durch Einschränkungen infolge von Parkinson existenziell bzw. wirtschaftlich nicht bedroht ist.

L-Dopa, auch Levodopa genannt, sollte nicht zu früh im Krankheitsverlauf verabreicht werden. Mit dem Medikament sind zwar recht schnell gute Wirkungen zu erzielen, ganz im Sinne eines Berufstätigen. Aber das Mittel eignet sich nicht uneingeschränkt zur alleinigen Langzeitbehandlung, sagt Hegemann. „Besser wäre es, nicht gleich die Brechstange herauszuholen und eine geringere Dosierung oder Alternativen zu wählen.“ Zum Beispiel Dopamin-Agonisten, also Mittel, die die Wirkung von Dopamin imitieren.

Wichtig ist auch, ein ausgewogenes Verhältnis von Wirkstoffdosierung und -dauer je nach Patient zu finden, betont er. Ist es sinnvoller, nur morgens eine Tablette zu nehmen, deren Wirkung aber über den Tag nachlässt? Ist es eher angebracht, morgens, mittags und abends das Medikament zuzuführen? Manche Parkinson-Patienten müssen alle zwei Stunden daran denken „nachzulegen“. „Diese Betroffenen leben praktisch mit der Uhr und spüren sogleich, wenn sie mal zu spät dran sind.“

Diagnose ist kein Todesurteil

Hegemann warnt vor übersteigerten Erwartungen. „Aus einen an Parkinson Erkrankten kann die Medizin keinen Gesunden mehr machen. Aber die Diagnose Parkinson ist besser als ihr Ruf und schon gar nicht ein Todesurteil“, sagt er. Bei den meisten Patienten, die zu ihm kommen, ist die Diagnose Parkinson schnell klar. Bei unklarem Befund kann ein Dat-Scan weiterhelfen, wobei ein radioaktiv markiertes Kontrastmittel zum Einsatz kommt.

In der schwereren Phase des Krankheitsverlaufs kommt es verstärkt zu nicht vorhersehbaren „Einsteifungen“ des Patienten. Der so Erstarrte muss dann in einer Klinik wie der Geriatrie des Rhein-Maas Klinikums medikamentös neu eingestellt und wieder mobilisiert werden, sagt der Neurologe. Anschließend übernimmt wieder der niedergelassene Arzt die Begleitung. Parkinson ist nicht dem Alter vorbehalten. „Ich betreue durchaus auch End-Vierziger.“

Welche Perspektiven hat ein Betroffener? „Papst Johannes Paul II. war bestimmt schon 20 bis 30 Jahre erkrankt, bevor er in die schwere Phase kam, die dann für jeden ersichtlich war“, sagt Hegemann.

„Wir können mittlerweile einen Patienten sehr gut und über viele Jahre behandeln.“ Auswertungen haben ergeben, dass statistisch 0,16 Prozent der Bevölkerung an Parkinson erkrankt. Das klingt nicht viel, aber die Zahlen steigen, was aber auch daran liegen mag, dass Parkinson sicherer und früher diagnostiziert werden kann.

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