Dominique Horwitz beim Kulturfestival der Städteregion

Kulturfestival X der Städteregion : Mit Dominique Horwitz in den Märchenwald

Spartanische Bühnenbeleuchtung in ansonsten absoluter Finsternis – Dominique Horwitz wählte für seinen musikalisch-literarischen Abend die perfekte Illusion. Der „Deutsche Wald“ ist als Ort der Sehnsucht, des Unergründlichen und der Gefahr vielleicht der elementarste Baustein in der deutschsprachigen Märchenlandschaft.

Der international bekannte Charakterdarsteller, Sänger und Schriftsteller Horwitz eröffnete zusammen mit seinen Kollegen Murat Parlak (Piano) und Heinrich Horwitz die 2019er-Ausgabe des Kulturfestivals X der Städteregion. In der Merksteiner Europaschule kombinierte das Künstlertrio klassische Sagen und Märchen mit musikalischen Einlagen. Das Publikum tauchte ab in die verwunschene und teils finsteren Welt der deutschen Märchen. Sowohl die Klassiker aus den Grimm‘schen Sammlungen als auch weniger geläufige Passagen aus der Epoche der romantischen Kunstmärchen bildeten das dramaturgische Gerüst.

Mit viel Beifall belohnt

Dominique Horwitz interpretierte das überlieferte Sprachgut im Duett mit Heinrich Horwitz. Als besonderes Merkmal der literarischen Rundreise lässt sich zweifelsfrei der mitunter schwarze Humor in den überlieferten Fantasieerzählungen nennen. Moralische Kontroversen und Dispute erzeugten eine tiefer gehende Ebene. Titel wie „Vom Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst“ oder „Marienkind“ spielten zwar abseits des (hoffentlich) allseits bekannten „Rotkäppchen-Kanons“, entfalteten jedoch umso mehr ihre zeitlos mahnende Wirkung.

Dominique Horwitz wechselte dabei fortwährend grandios zwischen der „großväterlichen Erzählweise“ und einer charakterbezogenen Interpretation – Antagonist und Protagonist erwachten förmlich zum Leben. Heinrich fügte sich als Gegenpart in die femininer geprägten Rollen ein, während Pianist Palak die humoristischen Gesangseinlagen der beiden untermalte. Es folgten mitreißende Cross-Overs durch die Musiklandschaft. Jazz- und Rock‘n‘Roll-Interpretationen des allbekannten „Ein Männlein steht im Walde“ sorgten nicht nur bei den Künstlern selbst für große Ausgelassenheit. Das Publikum dankte es mit minutenlangen Standing Ovations.

Die Städteregion ist dabei für Dominique Horwitz und seinen Pianisten Palak schon lange kein unbekanntes Pflaster mehr. Das Duo trat bereits zweimal gemeinsam in Baesweiler auf.

Horwitz betrat nach 2016 zum wiederholten Male die Bühne des Kulturfestivals in Herzogenrath. Die Künstler lobten „ein ganz warmherziges Publikum“, das es schaffe, die Märchenillusion perfekt zu reflektieren. Es sei einfach gewesen, in den vorzutragenden Stoff ab der ersten Minute selbst einzutauchen. Ein erneuter Auftritt in Herzogenrath sei von ihrer Seite aus wünschenswert.

(yl)
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