Herzogenrath: Dokumentation als „Propaganda für das Leben”

Herzogenrath: Dokumentation als „Propaganda für das Leben”

Mit einem Tabuthema hat das letzte Montagsgespräch in diesem Jahr die Zuhörer wachgerüttelt. Zu Gast im Pfarrzentrum St. Gertrud war der Berliner Filmemacher Fritz Poppenberg, der sich 2007 mit einem beeindruckenden Dokumentarfilm des Themas Abtreibung angenommen hat.

Der Film „Maria und ihre Kinder” stand im Mittelpunkt des Abends und bildete die Grundlage für die Diskussion. Die Dokumentation handelt von Maria Grundberger, einer jungen Hebamme, die für das Münchener Lebenszentrum vor einer Abtreibungsklinik Frauen anspricht, die sich in dem dramatischen Konflikt zwischen der Annahme und der Tötung ihres Kindes befinden.

„Gehsteigberatung”

Poppenberg, der selbst in jungen Jahren privat mit dem Thema Abtreibung in Berührung kam, begleitete anderthalb Jahre lang die Arbeit der „Gehsteigberatung”, die schon Hunderte von Kindern gerettet hat, obwohl sie dem Tod durch Abtreibung bereits geweiht waren. „Das Thema Abtreibung ist ein gesellschaftliches Tabu. Gerade in der Zeit des Advents, in der wir über die Geburt Christi nachdenken, ist das ein wichtiger Abend”, betonte Pfarrer Dr. Guido Rodheudt. Es gehe um ein Thema, das auf eine brisante Weise adventlich sei.

Das Konfliktthema, das in den Medien zumeist sehr einseitig beleuchtet werde, stellt Poppenberg von einer anderen Seite dar. Im Fokus stehen die Frauen mit ihren Ängsten, Nöten und Problemen, und die Kinder, denen das Licht der Sonne durch ihre Tötung verweigert wurde. Tabus wie die Tatsache, dass Kinder auch nach dem dritten Schwangerschaftsmonat abgetrieben beziehungsweise aus dem Geburtskanal geholt werden, kommen in dem 45-minütigen Film zur Sprache.

Und dann geht es um Maria Grundberger, die Ungeborene rettet, indem sie unbequeme Fragen stellt und zum Beispiel den amerikanischen Film „Der stumme Schrei” aus dem Jahr 1984 zeigt. Darin ist der Vorgang der Abtreibung zu sehen. „Ich habe noch nie erlebt, dass eine Mutter sich nach diesem Film noch gegen ihr Kind entschieden hätte”, sagt Grundberger, die Menschen bei der Entscheidung zwischen Leben und Tod unterstützen möchte. Auch die Rolle der Väter wird beleuchtet.

Grundberger geht auf das emotionale Chaos ein, in dem sich die Frauen befinden. Sie schenkt ihnen ein Embryo-Modell um ihnen zu zeigen, wie ihr Kind aussieht. Auch ehemalige „Abtreibungsärzte”, die inzwischen ihren Beruf aufgegeben haben, kommen zu Wort. „Es ist wunderbar, wie man mit einem simplen Gespräch Leben retten kann”, betont Grundberger. Sogar Vergewaltigungsopfer sprechen offen darüber, dass sie trotz des erlittenen Verbrechens „Ja” zum ungeborenen Kind sagen möchten. Nicht zuletzt macht der Film deutlich, dass Aufklärung Not tut, damit es gar nicht erst zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt.

Ein Mensch, der fehlt auf der Welt

Klar wird, dass viele Frauen nach einer Abtreibung über lange Zeit traumatisiert sind. „Da ist ein Mensch, der fehlt auf dieser Welt”, beschreibt Grundberger den Umstand, der bei vielen Frauen zu Depressionen, Sucht oder sogar Suizidversuchen führt.

„Das ist ein beeindruckend erschütternder Film, den uns das Fernsehen vorenthält und, der nicht überall gezeigt werden darf. Der Film unterstreicht, dass man das Thema von zwei Seiten sehen muss”, betonte Rodheudt. Über das Für und Wider zum Thema Abtreibung strengte sich nachher eine angeregte Diskussion an. „Mir war es ein Anliegen, die verschiedenen Dimensionen des Themas aufzuzeigen. Da geht es um eine individuelle Entscheidung, die schwere Konsequenzen hat - viele wissen nicht, was sie tun”, sagte Poppenberg, der die Dokumentation als „Propaganda für das Leben” bezeichnet.

Mehr von Aachener Zeitung