Nordkreis: Diebe treiben auf Friedhöfen ihr Unwesen

Nordkreis: Diebe treiben auf Friedhöfen ihr Unwesen

„Als ich nachmittags vor dem Grab meines Mannes stand, um neue Blumen zu bringen, war die Grablaterne verschwunden - einfach abgesägt.” Ihre Stimme zittert, als die ältere Dame aus Würselen erzählt, was passiert ist.

Fälle von Metalldiebstahl, wie diesem vom alten Weidener Friedhof, machen betroffen. In letzter Zeit häufen sie sich.

Mehr als ein finanzieller Verlust

Von unter 2000 Euro an Weihnachten 2008 bis zum gegenwärtigen Rekordwert von über 7000 Euro pro Tonne - der Kupferpreis zeigt stellvertretend, wie gefragt Metalle zur Zeit sind. Das weckt Begehrlichkeiten, nicht nur bei redlichen Menschen. „Mit dem Wert der Rohstoffe ziehen auch die Entwendungsdelikte in dem Sektor an”, sagt Sandra Schmitz, Pressesprecherin der Polizei in Aachen. Und weiter: „Es hat sich herumgesprochen, dass mit Edelmetallen ein schneller Euro zu verdienen ist.”

Kabel, Regenfallrohre, Baumaterial - was nicht niet- und nagelfest ist, das wird geklaut. Schmitz erklärt: „Im großen Maßstab handelt es sich um organisierte Kriminalität, oft Banden aus Osteuropa, die mit schwerem Gerät große Mengen abtransportieren können.” Auf die Grableuchten haben es eher Kleinkriminelle abgesehen. Dabei könne an Bereiche wie Beschaffungsdelikte von Drogenabhängigen gedacht werden.

Laut eines Würselener Bestattungsunternehmens liegt das Gewicht der Grableuchten meist zwischen 500 und 1000 Gramm. Sie sind aus Messing oder einer Bronzelegierung gefertigt. Im besten Fall kann ein Dieb also mit knapp zehn Euro beim Schrotthändler rechnen. Der Neupreis solcher Lampen beträgt jedoch bis zu 400 Euro. Der finanzielle Verlust Geschädigter kann also beträchtlich sein.

Schwerer wiegt jedoch der psychische Schaden, den die Täter anrichten. „Das Grab ist für die Hinterbliebenen ein heiliger Ort. Oftmals ist es für sie die letzte Verbindung zu den Toten”, weiß Pfarrer Rainer Gattys. Der Gemeindeleiter von St. Sebastian in Würselen sagt: „Mit dem Grabschmuck wollen Trauernde den Verstorbenen noch einmal etwas Gutes tun.” Ein Diebstahl direkt vom Grab Angehöriger trifft sie ganz persönlich. Ähnlich wie nach einem Wohnungseinbruch fühlen sich Geschädigte in ihrer Privatsphäre empfindlich gestört.

Mit großem Bedauern

„Wir nehmen die Diebstähle mit großem Bedauern zur Kenntnis”, sagt Bernd Schaffrath, Pressesprecher der Stadt Würselen. Viel mehr kann die Friedhofsverwaltung auch nicht tun. Denn was die Prävention angeht, da sind sich Polizei, Bestatter und die Kommunalen Dienstleistungsbetriebe einig, sieht es düster aus. Die Grableuchten werden meist durch einen oder mehrere Dübel und Schrauben an einem schweren Stein befestigt, der dann in der Erde eingegraben wird. Aber selbst durch ein kleines Betonfundament gesicherter Grabschmuck ist für Jemanden, der es darauf abgesehen hat, nicht wirklich ein Problem. Was nicht direkt eingesteckt werden kann wird mit der Metallsäge bearbeitet.

Der einzige Tipp, den Polizeisprecherin Sandra Schmitz geben kann: Keine losen Sachen auf das Grab stellen. Den Tätern muss es so schwer wie möglich gemacht werden. An Bewachung von Friedhöfen ist nicht zu denken, denn das kann und will auch niemand.