Würselen: Die zweite Chance für eine Gesamtschule

Würselen: Die zweite Chance für eine Gesamtschule

Ob die Gründung einer Gesamtschule in Würselen erneut auf den Stundenplan gesetzt werden soll, darüber entscheiden in den nächsten Tagen Eltern der Grundschulkinder der Jahrgangsstufen 1 bis 3.

Über 1000 Fragebögen werden jetzt verschickt. Dabei werden die Eltern nach ihrem Schulwahlverhalten im Übergang zur Sekundarstufe I befragt. Die Beteiligung ist eine Voraussetzung für das Genehmigungsverfahren. 2013 war bei einer Befragung Interesse an einer Gesamtschule bekundet worden. Tatsächlich gab es lediglich 77 Anmeldungen, 100 wären jedoch notwendig gewesen.

Das alte Schulgebäude an der Lehnstraße (oben) ist ein einem guten Zustund: Sowohl in das städtische Gymnasium an der Klosterstraße (links) als auch in die Realschule an der Tittelsstraße sind für den dauerhaften Ganztagsbetrieb nicht hergerichtet. Foto: Georg Pinzek

Varianten durchgerechnet

Das alte Schulgebäude an der Lehnstraße (oben) ist ein einem guten Zustund: Sowohl in das städtische Gymnasium an der Klosterstraße (links) als auch in die Realschule an der Tittelsstraße sind für den dauerhaften Ganztagsbetrieb nicht hergerichtet. Foto: Georg Pinzek

Bei einer Informationsveranstaltung im Alten Rathaus wurden jetzt aber nicht nur pädagogische Gesamtschul-Konzepte vorgestellt, sondern auch die Überlegungen, am Standort des Gymnasiums an der Klosterstraße und benachbarten auslaufenden Hauptschule an der Lehnstraße ein Schulzentrum zu etablieren.

War im ersten Anlauf zur Gründung einer Gesamtschule die Realschule an der Tittelsstraße im Gespräch, hat sich nun ein Arbeitskreis für ein Schulmodell ausgesprochen, bestehend aus Gymnasium und Gesamtschule. Dem Arbeitskreis gehörten neben Politikern aller Fraktionen Vertreter der Schulen, der Schulpflegschaften sowie der Stadtverwaltung an.

Über 30 Millionen Euro

Daraus resultierten Prüfaufträge, ob es nicht günstiger ist, zukünftig auch die Realschule einem Schulzentrum in der City anzugliedern. Sie könnte das Gebäude an der Lehnstraße in Beschlag nehmen. Ein Neubau in direkter Nachbarschaft ist allerdings zusätzlich erforderlich, um das Raumprogramm zu erfüllen. Sowohl Realschule als auch Gymnasium — und bei Bedarf eben auch die Gesamtschule — könnten die ebenfalls neu zu bauende Mensa nutzen, die für den Ganztagsbetrieb unerlässlich ist.

Das Architekturbüro Hahn und Ass. Architekten GmbH hat zwei Varianten durchgerechnet. Unter dem Strich kommt dabei heraus, dass für den Schulbetrieb an zwei Standorten langfristige Investitionen von 32,1 Millionen Euro nötig sind. Für Interimslösungen während der Bauzeiten fallen zudem zwei Millionen Euro an.

Berechnet wurden unter anderem die Kosten für den Mensabetrieb an zwei Standorten, Investitionen in dringend erforderliche Sanierungen und energetische Maßnahmen sowie in den Feuerschutz und die Barrierefreiheit. Ein Schulzentrum am Standort Kloster-/Lehnstraße schlägt demnach mit 30,4 Millionen Euro zu Buche, Kosten für Zwischenlösungen entstehen nicht.

Die Kosten für einen Neubau eines Schulzentrums auf der „grünen Wiese“ werden mit 45 Millionen Euro beziffert. Berechnet wurden die Kosten lediglich für den dauerhaften Ganztagsbetrieb von Gymnasium und Realschule. Die Kosten für eine mögliche Gesamtschule sind dabei nicht enthalten. Vorgestellt wurde die Gegenüberstellung bereits dem Schulausschuss und dem Ausschuss für Technik, Gebäude und Flächenmanagement. Eine grundsätzliche Entscheidung wurde kurz vor der Wahl aber nicht getroffen.

Die neuen Anmeldezahlen an Realschule und Gymnasium liegen nach Angaben von Pressesprecher Bernd Schaffrath noch nicht abschließend vor, Veränderungen sind durchaus noch möglich. Aktuell hat die Realschule 115, das Gymnasium 105 Anmeldungen. Zum Schuljahr 2014/2015 werden insgesamt 81 Schüler in die Jahrgangsstufe 5 des Heilig-Geist-Gymnasiums aufgenommen, davon 24 aus Würselen.