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Würselen: Die Waldpädagogik trägt reiche Früchte

Würselen : Die Waldpädagogik trägt reiche Früchte

Seit fünf Jahren lädt Roland Migende am Heiligen Abend zum Waldspaziergang am Forsthaus Schwarzenbruch ein - nun zum letzten Mal, denn im Februar 2004 geht er in den verdienten Ruhestand.

Dennoch - oder gerade deswegen - zeigte er sich motiviert, den zahlreich erschienenen Kindern sowie deren Eltern und Großeltern, den Wald noch einmal fachkundig näherzubringen. Neben der Vorstellung verschiedener Sträucher und Bäume muss Migende auf die verheerende Borkenkäferplage diesen Sommers zu sprechen kommen.

„Der Käfer gehört in den Wald. Ist der Baum allerdings vom Borkenkäfer befallen, hat er keine Überlebenschance mehr”, erläuterte Migende diesen Vorgang lebhaft durch die Beschreibung der Fraßgänge des Käfers.

Zur Bekämpfung des Borkenkäfers hat der Vogelschutz oberste Priorität. Privatleute sowie die Mitglieder der Waldjugend hängen aus diesem Grund zahlreiche Nistkästen auf.

Der beste Beleg

Spannend und anschaulich zeigt der Waldpädagoge Migende die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes auf. Zufällig begegnet er auf seinem Rundgang einem ehemaligen Mitglied „seiner” Waldjugend. Er ist unterwegs mit seinen beiden Kindern und einem Hund. Kurt Capellmann ist dem Wald treugeblieben und gibt nun seine Erfahrungen an die Familie weiter.

Dies ist für den Würselener Förster der beste Beweis dafür, dass die Arbeit mit den Jugendlichen letztendlich Früchte trägt. „In der Waldjugend kann so einiges bewegt werden. Wer die Natur einmal richtig kennen lernt, bleibt ihr für immer verbunden”, schildert Migende mit strahlenden Augen einer aufmerksamen Menge.

An der „Hasenschule” angelangt, dürfen die Kinder ihre „Herzenswünsche” aufschreiben und an die umstehenden Bäume hängen. Auffällig häufig wünschen sich die „Kleinen” Gesundheit für sich und ihre Nächsten, und Migende verdeutlicht allen, dass der Wald einen erheblichen Anteil dazu beitragen kann.

Natürlich wurde zum Abschluss dieses erholsamen Spaziergangs auch über die Zukunft des „Würselener Stadtwaldes” philosophiert, dabei zeigten sich alle etwas besorgt. Denn aus Kostengründen soll der Würselener, Eschweiler und Herzogenrather Wald voraussichtlich ab März nur noch von einem Forstbeamten betreut werden.

Die Luft tut so gut

„Herr Migende hat mich vor 14 Jahren zur Waldjugend gebracht, und wir alle konnten spüren, wie er den Wald zu einem Besucherparadies formte. Wenn er in den Ruhestand geht, kann dies wohl nicht aufrechterhalten werden”, schildert Volker Gego von der Waldjugend die Lage realistisch.

Und auch die Frau des scheidenden Försters, Heidrun Migende, weiß, dass der momentane Standard nicht bestehen bleibt. „Wir haben so viele Waldbesichtigungen privat organisiert. Dafür wird sich wohl erst mal keiner mehr finden.”

Dagmar Klinkhammer nahm mit ihren beiden Töchtern sogar den Weg aus Kerkrade in Kauf, um wie in den letzten Jahren den Waldspaziergang am Heiligen Abend zu genießen. „Die Luft im Wald tut so gut”, sagt die 11-jährige Ira Klinkhammer nach der Waldbesichtigung.

Ihre kleine Schwester Maike fügt hinzu: „Ich freue mich jetzt schon auf den Spaziergang im nächsten Jahr”. Hier muss die Mutter jedoch die Vorfreude ihrer Tochter ein wenig bremsen. „Ich bezweifle, dass im nächsten Jahr ein geführter Waldspaziergang am Heiligen Abend stattfinden wird. Jedenfalls nicht in Würselen.”