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Herzogenrath: Die Musik hält sie jung

Herzogenrath : Die Musik hält sie jung

Er hat keine Trauben von Assistentinnen um sich, keinen einzigen Beleuchter um sich und macht auch sonst wenig von sich her - und doch liefert Paul Fritsch eine gute Show ab.

Denn gar nicht mal so tief steckt in dem Merksteiner ein Schelm. Mit Charme und mehr als einem verschmitzten Lächeln führte der mehr als 80-Jährige durch das Konzert des „Jak.-Neuhardt-Ensembles” im Fördermaschinenhaus der einstigen Grube Adolf am frühen Samstagabend.

Mindestens ebenso prominent wie Thommy Gottschalk scheint er in seiner Heimat auf jeden Fall zu sein: Denn als Fritsch die - selbstverständlich rein rhetorisch gemeinte - Frage „Wer kennt mich nicht?" ans Publikum richtig, mag sich kein einziger Mensch melden.

Unterstützt vom Verein „Bergbaudenkmal Adolf”, präsentierte sich den Zuhörern eine ganz erstaunliche Band. Denn mit Fritsch lachen auch Bandleader Neuhardt (über 80) und Drummer Leo Bündgen (über 60) dem Jugendwahn der modernen Zeit ins Gesicht.

Zusammen mit Bassist Stephan Zielinski (über 50) und Akkordeonist Alfred Krauss (über 40) sind die Mitglieder der Formation so etwas wie die Swing-Boys aus dem Nordkreis. Sänger Rob Plymen und Geigerin Bärbel Ehlert sorgten dann wieder dafür, dass der Altersdurchschnitt dramatisch nach unten sank.

Flotte Rhythmen aller (Ton-)Arten sind ihnen nicht fremd. Und wenn dann Akkordeonist Alfred Krauss wieder die Finger über Klaviatur und Bassknöpfe fliegen ließ und seinem Instrument einen Reichtum an Farben, wie es ihn sonst nur auf der Orgel gibt, entlockt, waren alle Ohren wieder ordentlich durchgeputzt - freundlicher, als dass Techno und Hiphop vermögen.

Werbetrommel

Ansonsten und sowieso wurde das Programm ganz von der leichten Muse bestimmt: Schmelzende Operetten-Arien, dargeboten von dem niederländischen Gastkünstler Plymen, erfreuten das Herz. Der Swing-Fox „Singin in the Rain” ließ die Beine wippen; ein Csardas mit einem brillanten Solo von Bärbel Ehlers zauberte Gypsy-Jazz nach bester Django-Reinhardt-Tradition in den Raum.

Und bei der „Schmiede im Walde” entfaltete Conferencier Fritsch mit allerlei Hämmerchen und Vogelstimmen-Pfeifen seine melodischen Hexenkünste.

Als er dann doch mal aus dem Takt gerät, zeigt sich, dass der absolut gelassen hinter seiner Hammondorgel sitzende Bandleader Neuhardt alles andere als ein Autoritätsbolzen ist: Nur kurz reckt er mahnend die Faust empor - dann gehts schon weiter.

Werbezettel für das nächste Konzert am 26. September wurden in Merkstein schon verteilt. Denn das „Jak.-Neuhardt-Ensemble” hat hier seine treuen Fans - fast so wie die Rolling Stones.