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Würselen: Die „Missfits” ließen die Burg wackeln

Würselen : Die „Missfits” ließen die Burg wackeln

Auf die Tränendrüsen drückten sie nur einmal während ihres Auftritts. Als Gerburg Jahnke und Stephanie Überall sich nämlich bei den „Beatles” bedienten. Die beiden „Missfits” gingen balladesk und sanft mit dem Titel „Help” von der Bühne der Burg Wilhelmstein.

Nachdem das bundesweit erfolgreiche Duo gut zwei Stunden eine verschwenderische Pointenschlacht inszeniert hatte.

Bundesliga-Niveau

An beiden - ausverkauften - Tagen zogen die mit Trennungsabsichten letztmalig tourenden Oberhausenerinnen nochmals knapp 2000 Besucher an. Kabarett von Bundesliga-Niveau genossen die sich unablässig die Bäuche haltenden Zuschauer und Zuschauerinnen. Manchmal lästerten die Künstlerinnen knapp an Zoten vorbeischrammend, aber immer mit tieferem Sinn und höchster Treffsicherheit: So, wie die beiden Quasselstrippen den Alltag in seiner ganzen Form in 20 Jahren beschrieben haben.

Die Best-Of-Abschiedstournee der „Missfits” wurde begleitet von einer fünf Personen „des anderen Geschlechts” zählenden Band. Getreu ihrem Motto „Wennze weiß watte wills, musse machen datte hinkommz” rauschten die beiden durch ihr Programm, dass mit dem 5. Februar 2005 endgültig Vergangenheit sein soll. „Vielleicht werden wir nochmal als alte Schachteln gemeinsam auftreten”, äußerten die Comedy-Stars vor kurzem.

In die Vollen

Als „alte Schachteln” Lisbeth und Matta gingen Jahnke und Überall auch in die Vollen. Zum Beispiel mit ihrer Persiflage auf den Grönemeyer-Song „Kinder an die Macht”. Wobei das Substantiv Macht durch Wand ersetzt wurde. Ihre - gespielte - Abneigung gegen die Geburt hatten die Frauen vorher so formuliert: „Son Blag kommt raus, sieht Scheiße aus und kann nix. Nee, bloß nich!” Überhaupt Lisbeth und Matta! „Lisbeth, Du hast den schönsten Hintern der Welt.” Darauf kann die Gelobte nur antworten: „Ja, und der wächst noch.”

Nicht zimperlich sind die „Große Schwarze” und die „mobbelige Blonde” auch in der Schilderung, wie sie als alleinstehende Seniorinnen ihre Männer „klar” machen. „Heute Morgen war der Mackenscheid da. Hab ihn mit Sekt abgefüllt und anschließend flach gelegt”, gesteht Lisbeth. „Ja, das braucht der”, applaudiert Matta. „Ich aber auch”, kontert Lisbeth. Und das Publikum tobt.

Wie auch beim Einstiegskurs für Feminin-Sprache, bei dem Stephanie Überall mit einer Solonummer glänzt und alle „Er” durch „Sie” ersetzen lässt. Das Sprachkauderwelsch mündet am Ende in einem 900-köpfigen Chorgesang von „Bruder Jakob, schläfst Du noch”: Brüdsie Jäköb, schläfst Dü nöch. Und das im Kanon! Die Burg wackelt förmlich.

Nach drei Zugaben stürmen die Ladies von der Bühne und erfüllen noch lang Autogrammwünsche.