Herzogenrath: Die Fans von Ghana wollen nicht orakeln

Herzogenrath: Die Fans von Ghana wollen nicht orakeln

Auf die Frage, wie ihr denn das letzte Spiel der Mannschaft aus Ghana gefallen habe, antwortet Paulina Takyiwah mit einem Lachen. „Ich war müde und bin eingeschlafen“, sagt die sympathische 37-Jährige. Eigentlich mag sie Fußball und schaut auch gerne Partien ihrer ghanaischen Nationalelf.

Aber im Moment steht für sie wegen Umzugsstress in Sachen Taktik eher die Frage nach dem Griff in den richtigen Karton, und bei der Aufstellung steht eher das Thema „Möbelstandort“ auf dem Programm.

Paulina Takyiwah kommt aus Ghana, lebt seit 19 Jahren in Deutschland, hier ist auch ihre 13-jährige Tochter Angela zur Welt gekommen. Beide haben sich schon einmal ein paar Getränke kalt gestellt, dann wird wahrscheinlich mit der ganzen Familie das Spiel geschaut.

„Wahrscheinlich“ ist genau das richtige Wort, denn die Familie ist erst vor gut zwei Wochen in ihr neues Zuhause gezogen. Das erklärt auch die Müdigkeit von Paulina Takyiwah, die sich aber trotz des riesigen Berges von Arbeit, der noch vor ihr liegt, nicht den Mut nehmen lässt. Langsam, Schritt für Schritt will sie alles schaffen.

Und genauso sieht sie es ja auch mit der Arbeit auf dem Platz aus, der vor den Jungs aus Ghana liegt. „Fußball ist etwas, das kann man schlecht vorhersagen“, weiß Paulina, „da muss man abwarten, wie es ausgeht.“ In Sachen Sieg oder Niederlage für ein Team möchte sie sich nicht festlegen. „Bei mir ist das so fifty-fifty.“

Bei der Mutter ist also in Sachen Spielorakel oder Tipp nichts zu holen, vielleicht lässt Tochter Angela sich ja in die Karten gucken. „Ich freue mich mehr, wenn Ghana gewinnt“, sagt Angela. Schließlich ist Ghana die Heimat ihrer Eltern. Vom allgemeinen Hype um die Fußball-WM haben sie und ihre beste Freundin Svenja Stanitzki sich schon anstecken lassen.

„Ich bin nicht der Riesen-Fußballfan, aber wir gucken natürlich gerne“, lässt sich Svenja entlocken. Lieblingsspieler gibt es im Hause Takyiwah nicht, auch wenn die jungen Mädels beim Besuch unserer Zeitung einen Blick auf den laufenden Fernseher werfen. Da wird gerade darüber gesprochen, warum gerade die deutschen Fußballer so „hot“ sind. Aber wirklich interessant finden die beiden 13-Jährigen das nicht, vielmehr wollen sie genau wissen, dass auch gemeinsam Fußball geguckt wird.

Die richtige Deko ist dafür im Moment nicht so wichtig. Und weil die hauseigene Ghana-Flagge gerade unbekümmert in einem der vielen Umzugskartons auf den nächsten Einsatz wartet, kramt Mutter Paulina ein kleines Schweißband heraus, zieht es an und jubelt spontan für ihr Heimatland. Denn schließlich kommt es nicht darauf an, wie bunt einer geschmückt ist, der seinem Team zujubelt, wichtig ist nur die Unterstützung und das Jubeln, meint sie. Die Fahne soll bis zum Abend gefunden sein — und gehisst werden.