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Alsdorf: Diakonie Alsdorf: Stets ein „Würde-Bewahrer“ sein

Alsdorf : Diakonie Alsdorf: Stets ein „Würde-Bewahrer“ sein

Die Diakonie Alsdorf hat federführend die NRW-weite Aktion „Würde-Bewahrer“ mitentwickelt. René Prangs, Vereinsbetreuer der Diakonie Alsdorf, hat dabei mitgewirkt. Im Gespräch mit Anna Küsters erläutert er den neuartigen Begriff und stellt ihn als Gegenentwurf zum Vorurteil des „Entmündigers“ dar, dem die Mitarbeiter der Diakonie häufig ausgesetzt sind.

Sind Sie selbst schon mal mit dem Vorwurf des „Entmündigers“ konfrontiert worden?

René Prangs: Ja, das kommt öfters in Beratungsgesprächen vor. Die Betroffenen haben Angst, dass sie einen Betreuer erhalten, der ihnen alles wegnimmt. Das Wort „entmündigen“ ist immer noch im Volksmund verankert, egal welches Alter. Die Angehörigen denken dabei öfter genau umgekehrt. Sie werfen dem Betroffenen zum Beispiel vor, er würde in Unordnung leben und fordern von uns, diesbezüglich einzuschreiten — aber jeder Mensch hat auch ein gewisses Recht auf Verwahrlosung, und wie sein Zimmer aufgeräumt ist, bleibt ihm selbst überlassen.

Wie kam die Idee zur Aktion „Würde-Bewahrer“ der Diakonie zustande?

Prangs: Wir feiern dieses Jahr 25-jährige Einführung des Betreuungsrechtes. Das Betreuungsrecht hat damals das Vormundschaftsrecht abgelöst. Die Entmündigung wurde dabei komplett von der Agenda gestrichen. In dem Zusammenhang haben wir überlegt, wie wir den Beruf des Betreuers in der Öffentlichkeit besser darstellen können. Auf Landesebene gründete sich eine Arbeitsgruppe, und mit einer Werbeagentur zusammen wurde die Aktion „Würde-Bewahrer“ ins Leben gerufen. Der Fachverband der Diakonie hat uns dafür eine Geldsumme zur Verfügung gestellt.

Wer war noch an der Arbeitsgruppe beteiligt?

Prangs: Neben mir und unserer Fachverbandsleitung waren noch Vertreter der Diakonie aus Düsseldorf, Oberhausen, dem Kirchenkreis Kleve und aus Leverkusen dabei.

Was waren denn die Ergebnisse im Einzelnen?

Prangs: Zum einen ist der Titel „Würde-Bewahrer“ entstanden. Uns war wichtig, dass wir den Menschen dabei helfen, ihre Würde zu bewahren, weil sie oft zum Beispiel aufgrund von Doppelerkrankungen schon in ihrem öffentlichen Leben sehr eingeschränkt sind. Wir wollen herausstellen, dass wir gerade als Betreuer versuchen, die Würde der Klienten zu bewahren. Hat jemand zum Beispiel Probleme, seine Stromkosten zu decken, unterstützen wir ihn beim Gang zum Jobcenter. Wir sehen uns da in der Rolle des Türöffners. Zum anderen haben wir diese Marke des „Würde-Bewahrers“ dann auf Plakaten, Postkarten, Broschüren und so weiter dargestellt.

Ist die Aktion zeitlich beschränkt?

Prangs: Nein. Die Werbemittel und so weiter können fortlaufend verteilt werden.

Was hat sich durch die Änderung des Vormundschaftsrechts in das Betreuungsrecht vor 25 Jahren geändert?

Prangs: Früher war es so, dass der Klient noch komplett entmündigt wurde. Er durfte gar nichts mehr selbst regeln. Seit 25 Jahren gibt es diese Entmündigung nicht mehr: Die Menschen werden jetzt hauptsächlich beraten und begleitet im Rahmen der Aufgabenkreise, die vom Gericht angeordnet werden. Wir vertreten unsere Klienten dann in allen gerichtlichen und außergerichtlichen Angelegenheiten.