Herzogenrath: Deutschland-Tour im Auftrag des Fairplay

Herzogenrath: Deutschland-Tour im Auftrag des Fairplay

Wenn man mit Ralf Klohr spricht, merkt man gleich, dass er den Fußball liebt. Und das nicht, weil gerade mal wieder die EM die Schlagzeilen bestimmt. Er steckt viel Energie in seinen Sport. Doch ihm geht es dabei nicht um Siege, Pokale oder Torjägerkanonen.

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Klohr will den Fußball verbessern - und damit auch ein bisschen die Gesellschaft.

Alles begann damit, dass ihm klar wurde, „dass im Kinderfußball etwas schief läuft”. Zu viel Leistungsgedanke, zu viel Einflussnahme der Eltern und Trainer am Spielfeld verhindern in seinen Augen, dass die Kinder einfach nach Lust und Laune spielen können. Vielen fehle allerdings die Erkenntnis, dass Handlungsbedarf besteht. „Vereinsverantwortliche, Trainer und Eltern sehen nicht, dass etwas schief läuft. Sie sehen das als normal an”, sagt Klohr, dessen Club der SuS Herzogenrath ist. Sie alle wollten zwar das Beste für die Kinder, allerdings müssten sie dem Nachwuchs mehr Freiraum lassen. „Wenn man mit Kindern arbeitet, muss man sie darin unterstützen, was sie tun.” Also ihnen einfach die Möglichkeit zum Fußballspielen geben.

Klohr änderte etwas. Er gründete die Fairplay-Liga. Dabei spielen die Kinder ohne Schiedsrichter. Sie sollen sich selber einigen, ob ein Ball im Aus war, ob jemand unerlaubt mit der Hand spielte oder ob es bei einem Zweikampf ein Foul gab. Nur dann, wenn sich die Kinder nicht einigen können, sollen die Trainer eingreifen. Trainer gehören zudem in die Coachingzone. Und die Eltern müssen Abstand vom Spielfeld halten.

Der Fußballkreis Aachen führte das System zunächst auf freiwilliger Basis ein. 2007 startete ein Pilotprojekt mit zwölf Mannschaften. Mittlerweile spielen die Teams in den jüngeren Altersklassen durchweg im Fairplay-System. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Fußballverband Mittelrhein stieß Klohr auf eine Menge Gegenliebe.

Schirmherren der Fairplay-Liga sind Ex-Nationaltorhüterin Silke Rottenberg, der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel und Prof. Dr. Gunter Pilz, Fan- und Gewaltforscher und Berater des DFB- und der Bundesregierung in Sicherheits- und Präventionsfragen. Botschafter des Fairplay-Systems sind zudem Ex-Alemannia-Profi Reiner Plaßhenrich, Profi-Trainer Ewald Lienen, Ex-Bayern-Spieler Hansi Pflügler oder Josef Kelnberger, Journalist bei der Süddeutschen Zeitung.

Vorbehalte abbauen

Klohr reiste kürzlich quer durch Deutschland, um das Konzept vorzustellen. Bad Segeberg, Barsinghausen, Koblenz oder Hamburg waren Stationen. In Hamburg wird das Spielsystem beispielsweise nun umgehend eingeführt. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die mir zuhören, begriffen haben, dass man etwas tun muss. Aber sie haben Angst, es an die Basis zu bringen, weil sie Widerstand fürchten”, erklärt Klohr. Auf solchen Widerstand ist Klohr auch bei Jugendtrainern im Kreis Aachen gestoßen. Aber er blieb dran. Und sein Konzept ist erfolgreich.

Der Wettkampfgedanke, so meint Klohr, kommt für die kleinsten Kicker noch zu früh. „Die Kinder müssen erst mal Fußballspielen lernen und stabil werden für den Wettkampf.” In seinen Augen werden Kinderfußballturniere mehr und mehr zu „Erwachsenen-Events”. Klohr: „Die erfreuen sich an den Ergebnissen. Aber für die Kinder hat Anerkennung nichts mit Ergebnissen zu tun.”

Begleitet wird die Fairplay-Liga mittlerweile von Wissenschaftlern der Deutschen Sporthochschule in Köln und der Fachhochschule Remagen. Sie untersuchen psychologische Auswirkungen auf die Kinder und soziologische auf das Gruppenverhalten. Für Klohr sind auch solche Erkenntnisse wichtig, schließlich spiegelt der Fußball die Gesellschaft. Klohr: „Die Fairplay-Liga kann nicht die Welt retten. Wir können nur Rahmenbedingungen schaffen, damit der Druck aus dem Kindersport wieder herausgenommen wird.”

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