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Alsdorf: Der Wembley-Auftritt unvergessen

Alsdorf : Der Wembley-Auftritt unvergessen

Während Alsdorfs zurzeit berühmtester Kicker Torsten Frings in Portugal für die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich auf Torejagd geht, fand ein anderes Fußball-Urgestein, der Mariadorfer Hans-Peter Lehnhoff, endlich die Zeit, sich ins Gästebuch der Stadt einzutragen.

„Wir sind seit mehreren Jahren in Kontakt. Aber leider ließ der Zeitplan nie einen früheren Termin zu. Um so schöner ist es jetzt, dass Hans-Peter Lehnhoff extra aus Leverkusen gekommen ist, um uns hier im Rathaus zu besuchen”, freute sich Bürgermeister Wolfgang Schwake.

Zusammen mit seinem Freund und Förderer Gino D´Antuono war der ehemalige Fußball-Profi vom 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen ins Rathaus gekommen, um mit Schwake über Fußball, Vereinsarbeit und Auslandserfahrungen zu plaudern.

„Meine schönste Zeit hatte ich in Belgien beim FC Antwerpen”, gesteht der heute 41-jährige Lehnhoff, „da war alles viel lockerer als in der Bundesliga - aber auch etwas befremdlich.”

So fand Lehnhoff vor einem Liga-Spiel noch die Zeit, den Rasen zu mähen („Danach war ich allerdings total platt”), und ein paar Stunden vor dem Anpfiff gab es noch Pommes mit Wurst zur Kräftigung der Athleten.

„Zwar können wir Deutschen uns von der Mentalität der Belgier oder der Holländer noch eine Scheibe abschneiden. Aber bei Pommes vor dem Spiel habe ich nicht mitgemacht”, schmunzelt Lehnhoff im Nachhinein.

Aber auch ernste Themen beschäftigen den Ex-Profi, der mit deutschen Vereinen immer „nur” Zweiter wurde. Einmal holte er den „Pott” - in Belgien. Und anschließend spielte er in Wembley. „Das werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Unglaublich.”

Besorgt schaut Lehnhoff auf die Entwicklung im Amateurbereich. Da fehle ihm die Identität der jungen Spieler mit ihren Vereinen. „Da wird für 50 Euro auf die Hand gewechselt. Sportliche Perspektiven spielen selten eine Rolle”, ärgert sich der Spieler, der seinem Heimat-Verein Alemannia Mariadorf nach wie vor die Treue hält.

Gelegentlich spielt er sogar noch in der Alt-Herrenmannschaft des Traditionsvereins aus Alsdorf. „Ohne sportlich nach vorne zu kommen hätte ich jedenfalls nie den Verein gewechselt. Das hätte mir außerdem mein Vater verboten”, erzählt Lehnhoff. Und so etwas vermisst er heute: „Junge Spieler haben keine Idole mehr. Der Straßenfußball ist ausgestorben.”

Lehnhoff weiß, wovon er redet. In seinem Verein hat er viel mit jungen Spielern zu tun. Als Teammanager der Profi-Fußballer von Bayer hält er die Verbindung zwischen Vorstand, Mannschaft und Trainer, kennt die Sorgen, aber auch Hoffnungen gerade junger Spieler.

Denen möchte der zweifache Familienvater vermitteln, dass es auch noch etwas anderes neben dem Fußball gibt - auch wenn das in Zeiten der EM schwer nachvollziehbar scheint.

Zum Abschneiden der deutschen Mannschaft hat Lehnhoff eine klare Meinung: „Frankreich ist mein Favorit. Aber ich bin stolz über die Leistung der deutschen Mannschaft gegen Holland. Und dem Rudi habe ich versprochen, dass ich zum Halbfinale und Finale nach Portugal komme...”