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Alsdorf/Herzogenrath: Der EBV lässt die Verhandlungen platzen

Alsdorf/Herzogenrath : Der EBV lässt die Verhandlungen platzen

Der EBV hat die Geduld verloren. Für das Kohlscheider Unternehmen ist die Sache damit endgültig erledigt.

„Wir werden die Verhandlungen mit der Bürger- und Mietergemeinschaft Alsdorf-Busch mit sofortiger Wirkung beenden”, schrieb der Generalbevollmächtigte Hans-Dieter van Ermingen unmissverständlich dem Sprecher der Initiative, Günther Krämer.

Im Zusammenhang mit dem vom EBV geplanten Verkauf von Einfamilienhäusern in der Siedlung Busch wollte Krämer durchsetzen, dass eine erst noch zu gründende Genossenschaft die rund 200 in Rede stehenden Immobilien im Gesamtpaket übernimmt.

Mit dieser Idee war bei den Initiatoren die Hoffnung verbunden, dass die heutigen Mieter günstiger zum Eigentum an dem von ihnen bewohnten Haus kommen könnten, als wenn sie das Geschäft über den EBV abwickeln. Und so macht das Unternehmen keinen Hehl daraus, dass „die Bestimmtheit in dieser Aussage für uns unverständlich” sei. Dies gelte insbesondere deswegen, weil bislang „keine verbindliche Verhandlung über eventuelle Erwerbskonditionen” mit Krämer und seinen Partnern geführt worden seien.

Mietergemeinschaft

Deren Annahme, dass die Genossenschaft „besonders günstige Konditionen hinsichtlich eines Erwerbs aushandeln könnte, verstehen wir als Zielformulierung der Mietergemeinschaft”. Die Verhandlungsgrundlagen auf EBV-Seite seien auch der Initiative geläufig: „Ein wesentlicher Grundsatz hierbei ist, dass der Erwerb durch einen Einzelkäufer gleich gestellt werden muss mit dem Erwerb durch die Genossenschaft.”

Der EBV habe es allerdings nie an Klarheit darüber vermissen lassen, dass „eine Wertschöpfung zu Gunsten der Genossenschaft durch die bloße Weitervermittlung der Objekte weder gewollt noch in irgendeiner Form für uns akzeptabel”, unterstreicht van Ermingen mit aller Entschiedenheit.

Damit kein Missverständnis entsteht: Der EBV stellt nachdrücklich heraus, dass jeder seiner Mieter dies auch in Zukunft uneingeschränkt bleiben kann. Denn kein Bewohner sei gezwungen, das Haus kaufen.

Das Fazit des Generalbevollmächtigten: „Die Aussichten auf eine zielführende Verhandlung zum Verkauf der Immobilien an eine Genossenschaft wird von uns für aussichtslos gehalten. Wir sehen uns nicht mehr in der Lage, Verhandlungen fortzuführen, da sie nur Hoffnungen bei Ihnen erzeugen, dass der EBV von seinen Preisvorstellungen so viel nachgibt, dass die Übertragung wohl einer Schenkungsurkunde gleichkommt”, so van Ermingen.

Beim Verkauf von EBV-Häusern mit nicht allzu üppigen Grundstücken gibts eine Richtgröße, was den Preis angeht: Rund 60000 Euro werden im Durchschnitt pro Immobilie in Ansatz gebracht. Dass sich das Unternehmen von seinen Wohnobjekten trennt, ist im Grunde schon ein altes Thema im Einzugsbereich des früheren Bergbauunternehmens.

In Alsdorf laufen solche Verhandlungen derzeit zum Beispiel mit den Mietern in der Siedlung Neuweiler am nördlichen Stadtrand. Auch in Blumenrath wechseln „immer wieder” mal die Eigentümer. Und ebenso in Kellersberg ist dies seit rund 20 Jahren ein Thema, so EBV-Generalbevollmächtigter Hans-Dieter van Ermingen. „Jährlich werden etwa 150 Einfamilienhäuser aus unserem Portfolio privatisiert.”

Auch in anderen Städten des Nordkreises gibt es entsprechende Aktivitäten, wobei in Würselen der EBV-Bestand relativ klein ist. Im Herzogenrather Stadtteil Merkstein, wo es noch viele EBV-Häuser gibt, ist die Vermarktung der Immobilien derzeit noch kein großes Thema. Nächstes Jahr könnte dies aber in der Baesweiler „Kapellensiedlung” links und rechts der Kapellenstraße eines werden.

In allen Fällen gilt die Vorgabe: Verkauf nur an Mieter - außer wenn das Objekt leer steht, was allerdings relativ selten vorkommt. „Dabei handelt es sich aber nicht um einen Ausverkauf”, so van Ermingen, sondern um eine „Umschichtung” entsprechend dem politischen Willen zur „Kapitalbildung in den Händen der Mieter”.

Allerdings verhehlt er auch nicht, dass die Erlöse beim EBV-Mutterkonzern RAG in Essen „gern genommen” würden - allerdings jeweils nur zur Refinanzierung von Projekten in der Aachener Region, wenn sie die Renditeerwartungen der Gesellschafter erfüllen.