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Herzogenrath: Der Boden gibt viele Geheimnisse preis

Herzogenrath : Der Boden gibt viele Geheimnisse preis

Darauf hätte Zafer Görür gerne verzichtet. Ohnehin sitzt dem Bonner Archäologen und seinem Team der Firma ArchaeoNet die Zeit ganz gehörig im Nacken, denn die Verantwortlichen der Stadt scharren bereits mit den Hufen, wollen loslegen mit der Erschließung ihres neuen Gewerbegebietes Nordstern in Merkstein. Und dann das: „Wir sind regelrecht abgesoffen”, bringt der Altertumskundler die Lage knapp auf den Punkt.

Das hatte Görür also gerade noch gefehlt: In die Endphase der Bodenuntersuchungen im Schatten der mächtigen Bergehalde Anna-Noppenberg platzten die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage so richtig rein. Die Ausgrabungsflächen gleichen teilweise einer Seenplatte - wie geschaffen „für einen Ententeich”, hadert der Archäologe mit den erschwerten Arbeitsbedingungen.

Das Ganze sei nun eine regelrechte „Schlammschlacht” geworden, versucht er die widrigen Umstände dennoch nicht allzu schwer zu nehmen. Aber eben der Zeitdruck: Am Montag muss ArchaeoNet alles geräumt haben. Da wird eben in der letzten Phase noch einmal so richtig Gas gegeben - allen unangenehmen Begleitumständen zum Trotz.

Als die AZ den diplomierten Fachmann, der in enger Abstimmung mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalkunde arbeitet, kurz vor Abschluss der Erkundungsmaßnahme traf, hatte Görür gerade wieder mal einen kleinen interessanten Fund im letzten Untersuchungsfeld gemacht: Eine kleine braune Tonscherbe erblickte sozusagen wieder das Tageslicht. Von dem Rest der ehemaligen römischen Schale ist dort nichts mehr zu sehen. Auf dem kleinen Teilstück ist noch eine gut erhaltene figürliche Darstellung zu erkennen.

Auch dieses historische Zeugnis wird in der Bonner Werkstatt von ArchaeoNet sorgfältig gereinigt und dokumentiert. Alle Fundstücke kommen danach ins Depot des in der Bundesstadt ansässigen Rheinischen Landesmuseums, um die Aufarbeitung der Römerzeit in der Region ein weiteres Stück voranzubringen.

Mehr als diese Scherbe könnten dazu andere, deutlich spektakulärere Zeugnisse früherer Besiedlung beitragen, die Zafer Görür gleichfalls bergen konnte. So konnten weitere „Melonenperlen” geborgen werden. Und sogar vollkommen unversehrte Teller und Schüsseln aus Keramik konnten gesichert werden. Diese Teile wurden sofort gut weggepackt, dass sie nicht in die falschen Hände gelangen können. Ebenfalls etliche Münzen wurden aus dem Erdreich geklaubt. Allerdings ist das Metall meist schon so stark korrodiert, dass eine genaue Bestimmung dieser Funde extrem schwierig sein dürfte.

Im Rahmen der Untersuchungen, für deren Kosten die Stadt Herzogenrath aufkommen muss, haben die Archäologen auch neun römische Gräber entdeckt und freigelegt. Diese Brandbestattung datiert aus der Zeit zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert nach Christus. Eine genauere Einordnung bleibt den fälligen Detailuntersuchungen im Labor vorbehalten.

Außerdem wurden vier Metallöfen offengelegt. Diese aus Lehm geschaffenen Anlagen dienten der Verarbeitung „weicher” Materialien wie etwa Blei und Bronze für den Hausgebrauch auf der damaligen „Villa rustica”, des landwirtschaftlichen Guts.