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Alsdorf: Den Blick bewahrt für die kleinen Dinge

Alsdorf : Den Blick bewahrt für die kleinen Dinge

Er ist ein exzellenter Beobachter der kleinen, meist eher unscheinbaren Dinge des Alltags: Hubert Schöke streift oft mit seiner Leica von handfester, „analoger” Bauart - eine Digitalkamera nimmt der 69-Jährige nicht in die Hand - durch Alsdorfs Straßen.

Und stets ist er dabei auf der Suche nach dem besonderen, dem außergewöhnlichen Fotomotiv, das sonst kaum Beachtung findet. „Eine Stadt im Sucher” nennt der ehemalige Oberstudienrat am Gymnasium in Übach-Palenberg die jüngsten Ergebnisse seiner gefühlvollen Pirsch.

Burg und Weiher

Für seine Ausstellung in der Sparkasse am St.-Brieuc-Platz wählte der gebürtige Alsdorfer Hubert Schöke 48 Farbfotos aus, zusammengefasst unter mehreren Themenschwerpunkten. Das Besondere sind seine gelungenen, wahrlich eindrucksvollen Gegenüberstellungen.

Zum Beispiel die Bilder von Alsdorfs kulturellem Kleinod, der denkmalgeschützten Burg: Prächtig anzusehen, wie die blühenden Kastanienbäume für lebendige Konturen neben dem eher spröden Mauerwerk sorgen.

Darunter dann der harte Kontrast bei weiteren Fotos: Vor dem roten Mauerwerk im Hintergrund rückt Schöke ein Schild ins Zentrum seines Bildes: „Fußballspielen strengstens verboten”, ist darauf zu lesen. Ähnlich eine andere Aufnahme: Da steht ein einsamer grüner Papierkorb im Mittelpunkt.

Eher trostlos ist eine Bilderserie, überschrieben mit dem Dauerthema „Sauberer Weiher”. Dort, wo Generationen von Alsdorfern das Schwimmen gelernt hätten, wie Hubert Schöke erinnert, trübt seit Jahren Tristesse pur den einstigen Anziehungspunkt.

So ist etwa eine Rutschbahn zu sehen: Würden Kinder sie jetzt benutzen, liefen sie Gefahr, angesichts des abgesenkten Wasserspiegels hart auf Steinen aufzuschlagen.

Noch ein nettes Kontrastprogramm: natürlich-grüne Idylle im Kleekamp - und gleich daneben eine hässliche Dachlandschaft mit wellblechgedeckten Schuppen.

Auch auf dem neuen Anna-Gelände ist Schöke oft unterwegs. Besonders vielsagend auch hier seine Gegenüberstellungen. Zum Beispiel bei der Unterstation nahe dem Bahnübergang: Er drückte auf den Auslöser, kurz nachdem die Landesentwicklungsgesellschaft - mal wieder - Fenster repariert hatte. Und nur wenig später das Resultat neuer Zerstörungswut: Die Scheiben sind schon wieder eingeworfen...

Farbe blättert

Oder: Kontrast im gleichen Bild - links die Tür zu dem Teil des Fördermaschinenhauses des Hauptschachts, der noch nicht genutzt wird: Die Farbe blättert, nacktes Holz kommt durch. Daneben: der Eingang zu dem von der Energie- und Wasserversorgung (EWV) gemieteten Abschnitt: glänzendes Grau, gut in Schuss.

Wer neugierig geworden ist: Die Ausstellung ist noch bis Mittwoch, 28. Januar, während der Öffnungszeiten der Bank zu sehen.

Spricht man Hubert Schöke auf seine Fotos von der Alsdorfer Burg an, hat er gleich eine passende Story dazu parat. Mitte der siebziger Jahre wars: Stadtdirektor Klaus Pohlmann hatte gerade seinen Dienst im Rathaus angetreten.

Der Verwaltungschef habe, erinnert sich der frühere Sprachenlehrer Schöke, damals veranlasst, nahe dem Burggraben Kastanienbäume zu pflanzen, die im Frühjahr herrliche Blüten in einem ähnlichen Rot wie das denkmalgeschützte Gebäude präsentieren.

Er habe Pohlmann gleich darauf aufmerksam gemacht, dass die Bäume viel zu groß werden und die schöne Fassade bedecken. Doch der Stadtdirektor habe auf die städtischen Gärtner verwiesen, die ihm gesagt hätten, dass es eine „kleine Sorte” sei.

Am 20. November 2003 war es Alt-Bürgermeister Helmut Brandt, Vorsitzender des Burgvereins, der vor der Presse eher beiläufig darüber sinnierte, dass es an der Zeit sei, die Burg wieder „freizuschneiden” - weil die Bäume zu sehr den Blick auf die geschützten Mauern verstellen...