Nordkreis: Demonstrationsfahrt: Mit Polizeigeleit die Tour genossen

Nordkreis: Demonstrationsfahrt: Mit Polizeigeleit die Tour genossen

Den 35er-Schnitt haben sie dann am Ende doch nicht geschafft, die Teilnehmer der ersten Fahrraddemo in der Stadt Alsdorf. Doch die 47 Beteiligten hatten auch ohne die eher augenzwinkernd zu verstehende „Vorgabe“ der begleitenden Polizisten nach einem Durchschnittstempo ihren Spaß.

Dennoch hatte diese Demonstration auf zwei Rädern ohne Verbrennungsmotor ab und zum Denkmalplatz einen ernsten Hintergrund. Denn es ging auch darum, zu demonstrieren, wie radfreundlich die Stadt und die Umgebung sind. „Ich bin sehr positiv beeindruckt“, fasste Oliver Schmidt kurz nach dem Absteigen seine Eindrücke zusammen. Der Fahrradbeauftragte der Stadt Alsdorf freute sich über den großen Zuspruch, der zum Teil sicherlich auch auf das herrliche Radelwetter zurückzuführen war.

„Bodenzeitung“: Nach der Radtour durch Alsdorf hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Anregungen und Kritik zu formulieren. Foto: Markus Bienwald

So fand er aber nicht nur 47 Multiplikatoren, die eine Tour rund um Alsdorf mit Polizeigeleit durchweg als Wohltat gegenüber dem sonstigen Alltag auf zwei Rädern empfanden. Der ist nämlich alles andere als angenehm oder ungefährlich. „Ich bin selbst schon drei Mal auf dem Radweg angefahren worden“, erzählt Schmidt. „Einmal musste ich sogar ins Krankenhaus, weil ein Kraftfahrer achtlos aus einer Seitenstraße fuhr.“

Dieser Aspekt, die Rücksicht auf die Radler und das Miteinander unter den Verkehrsteilnehmern war an diesem sonnigen Vormittag ein heiß diskutiertes Thema. Die Radler hingegen stehen eigentlich immer hintenan, ist zu hören, viel zu oft werde dem straßengebundenen Kraftverkehr zu viel Fläche und zu viele Freiheiten eingeräumt.

Auch die Zustände der ausgewiesenen Radwege sind ein Diskussionspunkt. „Bei mir haben sich schon zig Bürger beschwert, auch bei der Verwaltung selbst“, weiß Schmidt, „über den Zustand der Radwege und teilweise auch, wie sie grundsätzlich angelegt sind“. Zum Teil seien die Radwege so schlecht, dass Radler nicht auf ihnen fahren wollen, unterstreicht der Radfachmann.

Joachim Hergesell von der Stadt Herzogenrath freut sich, dass Roda seit 2007 das offizielle Zeichen „Fahrradfreundliche Stadt“ trägt. Doch auch diese Auszeichnung müssen sich die Städte alle sieben Jahre neu verdienen, beispielsweise durch Planungen für die Zukunft. „Gemeinsam mit der Stadt Aachen, der Städteregion, der Stadt Heerlen, der Gemeinde Kerkrade und der Parkstad Limburg haben wir Anträge auf zwei Trassen für Radschnellwege gestellt“, freut sich Hergesell. Auch sonst werde viel für die Radler in Herzogenrath getan, beispielsweise für die aktuell boomenden Pedelecs und E-Bikes. „Es geht uns nicht nur um die Ertüchtigung der bestehenden Wege, sondern auch um neue Wege“, schließt er.

In Baesweiler sieht Radverkehrsbeauftragter David Frings ein verstärktes Augenmerk auf den Radverkehr. „Die Wege werden gut unterhalten, solange die finanziellen Möglichkeiten da sind und wir auch für die Straße zuständig sind“, sagt er. So wurde beispielsweise kürzlich die Strecke von Setterich nach Übach-Palenberg erneuert, um beispielsweise auch Menschen, die das Rad für den Berufsweg nutzen, besser zu unterstützen. Im Freizeitbereich sieht Frings vor allem die Wege zum und um den Carl-Alexander-Park als maßgeblich an.

Eine nicht offiziell benannte Route gibt es auch durch Würselen: Sie führt vom Würselener Wald bis nach Bardenberg, wie Sabine Hennig, Stadtplanerin in Würselen, verrät. „Dazu gibt es noch eine ganze Menge ausgewiesener Routen, die beispielsweise auch auf der Homepage der Stadt zu finden sind“, sagt sie. In Sachen Radwegeplanung und -unterhaltung sieht sie Würselen gut aufgestellt, „allerdings sind die Mittel durch die Haushaltssituation eingeschränkt“. Überregionale Beschlüsse, wie zum Beispiel für den Radschnellweg vom Norden Aachens nach Jülich, stehen nach ihrer Auskunft noch aus.

Aber auch ohne „Fiets-autobahn“ war die erste Raddemo in Alsdorf ein voller Erfolg. „Vielen Dank an Organisator Oliver Schmidt“, sagte zum Beispiel Teilnehmer Lars Zander, „es hat sehr viel Spaß gemacht“. Bemerkenswert seien auch die vielen Menschen am Wegesrand, die den Teilnehmern während der Fahrt vom Straßenrand aus zugewunken haben, schloss er. Damit steht einer Wiederholung mit vielleicht noch größerer Resonanz wohl kaum etwas im Wege, auch wenn dann der 35er-Schnitt sicherlich wieder nicht erreicht wird.