Alsdorf: Delegiertenkonferenz: IGBCE geht in den Verteilungskampf

Alsdorf: Delegiertenkonferenz: IGBCE geht in den Verteilungskampf

Selbstbewusst, selbstkritisch, selbstständig: Die Industriegewerkschaft Bergbau, Energie, Chemie (IGBCE) ist sich ihrer Stärke und ihrer Verpflichtungen bewusst. Anlässlich der Delegiertenkonferenz im Bezirk Alsdorf in der Stadthalle machten die Gewerkschafter klar, dass sie nicht schüchtern auftreten werden: „Wir sind zwar nicht die größte Gewerkschaft, aber die stärkste in Deutschland“, rief Peter Hausmann seinen Kameraden zu.

Hausmann, Mitglied des Bundesvorstandes der IGBCE, hatte in Alsdorf ein typisches Heimspiel. Das Referat des Hannoveraners zum Thema „Gute Arbeit — heute!“ wurde immer wieder von heftigem Applaus unterbrochen. Den spendeten 100 Delegierte und weitere Gäste. Hausmann, der sich am Ende ein kleines „Scharmützel“ mit WDR-Moderator Michael Brocker lieferte, betonte unter anderem, „die kleinen Leute haben unseren Wohlstand erarbeitet. Sie sind der Kern der Gesellschaft“.

Leidenschaftliche Diskussion: Peter Hausmann (oben links) aus dem Bundesvorstand der IGBCE und Moderator Michael Brocker. Die Verabschiedung der ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder des IGBCE Bezirks Alsdorf mit seinem Vorsitzenden Manfred Maresch. Foto: Sigi Malinowski

In der Ausrichtung aktueller Politik spiele dieser Kern aber eine zu kleine Rolle, kritisierte Peter Hausmann die politischen Parteien rundum. Denn nach seiner Auffassung „hören die Politiker ihnen nicht genau zu“. An die demokratischen Parteien gerichtet, formulierte der Hauptredner: „Hört ihnen zu, dann wird der Rechtspopulismus auch abnehmen“.

Hausmann und die IGBCE — der Bezirk Alsdorf hat 23200 Mitglieder — schworen sich darauf ein, „intensiv dafür kämpfen zu müssen, damit wir sehen wo das Geld, die Milliarden hingehen, die von der Industrie erwirtschaftet werden“. Es könne nicht sein, dass die größten Anteile unter den Vorständen verteilt würden. „Bei den Arbeitnehmern muss genügend in den Taschen landen, und zwar netto.“

Nicht zuletzt unterstrich Hausmann, „wir als IGBCE werden um Fortschritte kämpfen“. Er versprach, „im Kampf gegen Angst und Ausgrenzung werden wir noch stärker ein- und auftreten“. Ziele sind unter anderem eine gute Altersversorgung der Rentner, die Stärkung der Braunkohle und eine wirksame Bekämpfung des Rechtspopulismus in Deutschland.

Eingangs der Konferenz in der Stadthalle hatte der alte und neu gewählte Bezirksvorsitzende Manfred Maresch mit Michael Brocker, Peter Hausmann, dem Kasseler Professor Wolfgang Schröder, Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders und der stellvertretenden Landesbezirksleiterin Dr. Viola Denecke hochrangige Gäste und Referenten begrüßt.

Eine Vielzahl an Fragen aus dem Podium löste die Gesprächsrunde Brockers mit dem Fachmann Schröder zum Thema „Gewerkschaften im 21. Jahrhundert in Deutschland“ aus. Der Universitätsgelehrte hatte beklagt, dass es in Sachen Betriebsräte „seit Jahren eine gegenteilige Entwicklung gibt“. Er hatte festgestellt, „dass sich viele Betriebsräte zu Vertretern der Unternehmen“ entwickelt hätten. Außerdem, sagte Schröder, „sind die Gewerkschaften heute nicht mehr so sexy. Man hat zu wenig Aufmerksamkeit“.

Die Lösung? „Wir brauchen eine individuelle Neuorientierung und solidarische Lösungen.“ Außerdem müsse es eine Gesetzesänderung geben, dass „Betriebsratswahlen rechtlich verpflichtend sind“. Schröder: „Die Industrie hat durch Outsourcing an der Entstehung von sieben bis acht Millionen prekärer Beschäftigungsverhältnisse entscheidend mitgearbeitet“.

(mas)
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