Das Vermächtnis von Toni André an den Geschichtsverein

Umfangreiche Sammlung an Dokumenten : Der letzte Wunsch des Alsdorfers Toni André ist erfüllt

Der im Februar verstorbene Toni André war einer der bekanntesten Alsdorfer. Er hat seine Heimat geliebt, die Erinnerung an ihre Historie war ihm ein Anliegen. Seine umfangreiche Sammlung an Dokumenten ist nun an den Alsdorfer Geschichtsverein übergegangen.

„Jung, guck, dass alles in gute Hände kommt!“ Ein klarer Auftrag. Und Ralf André hat ihn nun erfüllt: Das Vermächtnis seines Vaters hat jetzt sogar an der ersten Adresse der Stadt eine neue Heimat gefunden – in der Burg Alsdorf. Im Archiv des Alsdorfer Geschichtsvereins wird Toni Andrés umfangreiche Sammlung an Fotos, Festschriften und Dokumenten über seine geliebte Heimatstadt bald auch der Öffentlichkeit zugänglich sein. Darunter natürlich auch die insgesamt 915 Gedichte, die er von 1981 an bis wenige Monate vor seinem Tod geschrieben hat. Der beliebte Heimatdichter, Festredner und Autor von zwei Mundartbüchern, zwei Bildbänden und einem Band mit Alsdorfer Geschichten, wurde 88 Jahre alt. Nach kurzer Krankheit ist er am 18. Februar dieses Jahres gestorben.

Jetzt stehen die Vertreter des Geschichtsvereins in seinem Arbeitszimmer, in dem alles noch so ist, wie er es hinterlassen hat. Gleich kommt Toni wieder rein, könnte man fast glauben. Und dann klappt er den Laptop auf – was sein Schreibwerkzeug angeht, ist er stets mit der Zeit gegangen – und legt los. Fasst eines der vielen Themen, die ihn bewegten, in seine unvergleichlichen Verse, teils ernst, teils humorvoll, aber immer treffend und voller Lebensweisheit. Regelmäßig sind seine Gedichte in unserer Zeitung veröffentlicht worden.

Den Umgang mit den Menschen hat Toni André geliebt, hatte trotz eigener Schicksalsschläge immer ein aufmunterndes Wort auf den Lippen. Seine Heimat und ihr Menschenschlag lagen ihm am Herzen. Ihnen widmete er seine Arbeit, Bewahren und Weitergeben hatte er sich zur Aufgabe gemacht. Was nicht nur in seinen Veröffentlichungen, Vorträgen, Festschriften und -reden zum Ausdruck kam, sondern auch bei Führungen mit Schulkindern, die seinen spannenden Erzählungen gebannt lauschten. Und ihm unter anderem ein wunderbares Geschenk machten – eine sorgsam gerahmte bunte Collage, die immer noch neben dem Schreibtisch an der Wand hängt. Zusammengesetzt aus einer Vielzahl kleiner Porträts. Kinder aus einer der Schulklassen haben Toni André so gemalt, wie sie ihn bei seinem munteren heimatkundlichen Vortrag erlebt hatten. „Ich erkenne ihn in jeder der kleinen Zeichnungen wieder“, sagt Sohn Ralf nicht ohne Rührung: „Das ist mir das liebste Bild von meinem Vater.“ Und wird deswegen natürlich nicht an den Geschichtsverein übergehen.

Der ganze Rest der penibel in Regalen einsortierten Bestände aber schon. „Und zwar in der gleichen Anordnung, wie Toni André sie angelegt hat“, sagt Archivar Eberhard Malecha. Denn es geht auch darum, den Menschen hinter der Sammlung zu würdigen, seine Art der Herangehensweise an die Dokumentation von Fakten und Fotos. Malecha kann es kaum erwarten, mit der Archivierung zu beginnen. Bis Weihnachten, so seine optimistische Schätzung bei der offiziellen Übergabe in Andrés Mariadorfer Arbeitszimmer, möchte er es geschafft haben. Nach gründlicherer Sichtung stellt er später im Gespräch mit unserer Zeitung fest: „Die Mühe liegt im Detail, geschätzt dürfte es Karneval mit dem Abschluss der Verzeichnung werden.“ Für ihn, so bekundet Malecha, sei mit dem Tod von Toni André eine wichtige Quelle für immer versiegt.

Viele Erinnerungen: Sohn Ralf André (l.) hat die Dokumentensammlung seines Vaters Toni jetzt an Eberhard Malecha (r.), Archivar des Alsdorfer Geschichtsvereins, übergeben. Foto: Beatrix Oprée

Und Rudolf Bast, Mitbegründer und heutiger Ehrenvorsitzender des Geschichtsvereins, der häufig bei Toni André zu Besuch war, schildert ihn als „Mariadorfer Säule“ des Vereins, er habe in dieser Hinsicht jede Frage beantworten können. Bast würdigt André überdies als „liebenswürdigen, zugewandten, offenen und hilfsbereiten“ Menschen – und bekennt augenzwinkernd, immer die Ordnung in dessen Arbeitszimmer bewundert zu haben.

Malecha schildert, dass einstige Arbeitskollegen und Kunden gleichermaßen gerne auch an den Postbeamten Toni André zurückdenken, der immer frohen Mutes gewesen sei und oft ein Liedchen gesungen habe.

So soll die Erinnerung an den beliebten Chronisten seiner Heimat hochgehalten werden, der stets auch optimistisch nach vorne blickte. Anlässlich seines ersten Todestages plant der Geschichtsverein im Kaminzimmer der Burg einen Jour fixe zu Toni André, mit Gedichtvorträgen und einer Ausstellung von Dokumenten.

Mit einer weiteren charmanten Idee wartet ein Verwandter von Toni André, Horst Schönfelder, auf: Alte Fotografien von Mariadorf aus der Sammlung André zu digitalisieren und in DIN A3 aufzuziehen, um mit ihnen die Schaufenster leerstehender Ladenlokale im Ortsteil zu bereichern. Sieben passende Immobilien habe er bereits ausgemacht, berichtet er. Damit die Passanten innehalten und einen Blick auf das Mariadorf von früher werfen können. Keine Frage: Auch das wäre ganz im Sinne von Toni André gewesen.

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