Baesweiler: Das Absurde und die Polemik des Alltags

Baesweiler : Das Absurde und die Polemik des Alltags

Dass mit „scharfer“ Munition geschossen werden würde, war angesichts des Namens abzusehen: „Hauptsache es knallt“ heißt das aktuelle Programm des Kölner Kabarettisten Robert Griess, mit dem er nun erstmals auch auf der Baesweiler Burg bei der beliebten Kultur-nach-8-Reihe auftrat.

Kölle, Deutschland und die große, weite Welt — nichts auf unserem schönen Planeten war sicher vor den Spitzen des rheinischen Kosmopoliten.

Angefangen bei Alltagspossen über die Deutsche Bahn, bis hin zu weltpolitischen Problemen à la Trump, Putin und Erdogan, blickte der sympathische Kölner zunächst durch die Brille des kleinen Mannes, um sich dann in unnachahmlicher Manier immer weiter in Rage zu reden. Das Absurde und die Polemik des Alltags waren der Zündstoff, um die großen Themen und Ängste der Menschen unnachgiebig mit Witz und Verstand zu bekämpfen.

Als Vertreter der Welthauptstadt der Toleranz testete Griess auch gleich sein Publikum. In traditioneller Robe verwies er auf den seit der Kölner Silvesternacht 2015/2016 plakativ gebrauchten Begriff des „Nafris“ und erklärte seinen Zuhörern die historischen Zusammenhänge. Zunächst einmal ist sei der Kölner offen allen Fremden gegenüber, der Neues und Fortschrittliches mit an den Rhein bringt.

Viele Lachsalven

Waren es die Preußen, die den Dom nach über 600 Jahren Bauzeit endlich fertigstellten, so ist es der Rosenmontag, der selbst in ausländischen Medienberichten vor allem durch seine ausgefeilte Flirt-Rituale von sich reden macht. Frei nach dem Motto: Mit der Freundin zum Rosenmontagszug? Ich gehe doch auch nicht mit einem Kasten Bier in die Kneipe...

Die Kölner Weltoffenheit habe durch den „Nafri“-Skandal zweifelsohne eine Delle erhalten, die das rheinischen Gemüt tief trifft. „Wenn in Kölle einer etwas verbockt — und es verbockt dort eigentlicher jeden Tag einer etwas — kann man dem Schelm aufgrund seines Dialektes überhaupt nicht böse sein“, erzählte Griess. Die propagierten Angst vor einer möglichen Islamisierung ist ihm ein Dorn im Auge, der sowohl von Pegida-Aktivisten („haben noch nie einen Ausländer gesehen“) als auch von reaktionären Politikern („Heimatfilmminister“ Seehofer) nur weiter getrieben wird.

Das Publikum in der Alten Scheune nahm die Mischung aus musikalisch-satirischen Musikbeiträgen und klassischem Kabarett gut an. Neben den vielen Lachsalven kam der ein oder andere auch schnell ins Grübeln, was es mit den aktuellen Entwicklungen auf sich hat. Für Marco Engels (Kulturamt der Stadt Baesweiler) war klar, dass Griess sicherlich nicht das letzte Mal in Baesweiler zu Gast gewesen ist.

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