Nordkreis: Caritas: Katholische Beratungsstelle bezieht neues Domizil

Nordkreis: Caritas: Katholische Beratungsstelle bezieht neues Domizil

Nach über 54 Jahren an der Schaufenberger Straße zieht die Katholische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas um. Der fertiggestellte Neubau am Willy-Brandt-Ring soll den Beratern vor allem mehr Platz verschaffen, dieser war am alten Standort knapp geworden.

Während man dort die Arbeit auf 240 Quadratkilometer verteilen musste, kann im neuen Gebäude auf 400 Quadratkilometer zurückgegriffen werden.

Ein weiterer großer Vorteil ist die in Zukunft gegebene Barrierefreiheit, die neben einem treppenlosen Aufgang in das Gebäude auch einen Aufzug innerhalb des Neubaus beinhaltet. Ebenso können ab sofort auch Gruppengespräche angeboten werden, was vorher aus Platzmangel nicht so einfach möglich war. Gefördert wurde dieser Neubau von der Stiftung Wohlfahrtspflege sowie von der Stiftung Mensch. Träger der Beratungsstelle ist der Verein zur Förderung der Caritasarbeit im Bistum Aachen.

Der neue Standort bietet eine gute Anbindung an den Busverkehr und an die Euregiobahn, was der Arbeit laut Claus-Ulrich Lamberty, Leiter der Beratungsstelle, sicherlich zu Gute kommen wird. Auch die Parkplatzsituation hat sich erheblich verbessert. Die Beratungsstelle, die den Betroffenen oft als erste Anlaufstelle dient, arbeitet eng mit Schulen, Ärzten, Kindertagesstätten und Jugendamt zusammen.

Dies ist auch nötig, da das Jugendamt aus der Sicht von Diplom-Sozialarbeiterin Margret Göttlicher oft „mit schwierigeren Fällen“ beschäftigt ist. Die für die Familien kostenlose Beratung der Caritas leitet Fälle nur zum Jugendamt weiter, wenn man selbst an Grenzen stößt. Über 20 Prozent der Aufträge der Beratungsstelle werden allerdings vom Jugendamt selbst gestellt. Seit 2007 wurden insgesamt elf Kooperationen mit Familienzentren gestartet. Dort stellt sich die Beratungsstelle aktiv vor, um auch außerhalb Präsenz zu zeigen.

Das Team setzt sich aus einem Psychologen, fünf Sozialarbeitern (4,5 Stellen) sowie drei Sekretärinnen zusammen. Das Aufgabenfeld ist sehr vielschichtig. Nicht nur allgemeine Fragen zu Erziehung und Entwicklung des Kindes werden beantwortet, auch bei traumatischen Erlebnissen und Trauer wird geholfen.

Des Weiteren kümmern sich die Berater um Opfer von sexuellem Missbrauch. Schon lange Thema sind Lese- und Rechtschreibstörungen. Familien, die neben der Kindeserziehung noch die Pflege der eigenen Eltern bewerkstelligen müssen, können auch auf Unterstützung bauen.

Das mittlerweile größte Arbeitsfeld ist das Thema Trennung und Scheidung. Über die Hälfte der Beratungen beschäftigen sich mittlerweile mit diesem Themengebiet. Ziel ist es dabei, die für die Kinder beste Lösung auszuarbeiten.

„Armut führt auch zu den Konflikten“, stellt Lamberty fest. Wenn die wirtschaftlichen Probleme in den Familien an erster Stelle stehen, würde darunter auch die familiäre Beziehung leiden. Das Problem gebe es seit dem Ende des Bergbaus in Alsdorf, sei aber nach wie vor aktuell.

Meist sind es die Eltern, die das Team der Beratungsstelle kontaktieren. „Die Eintrittskarte zu uns ist ein Kind bis 18 Jahre oder ein junger Mensch bis 27 Jahre“, sagt Lamberty zu der Personengruppe, die Beratung in Anspruch nehmen kann. Es sei laut Göttlicher immer unterschiedlich, ob eine kurzfristige oder längerfristige Unterstützung notwendig ist.

Aber auch Kinder und Jugendliche selbst können die Berater kontaktieren, wovon die Eltern bei entsprechendem Wunsch auch zunächst nichts erfahren müssen. Jedoch sei man bestrebt, diese früh mit einzubeziehen, um eine Lösung zu finden.

Rund 50 bis 55 Prozent aller Fälle kommen aus dem Stadtgebiet Alsdorf. Den nächstgroßen Anteil stellen Personen aus Baesweiler. Aber auch aus Eschweiler und Stolberg wenden sich Betroffene an das Team.

Zwar gibt es in Monschau und in Aachen weitere Beratungsstellen, dennoch wird die Hilfe aus der gesamten Städteregion wahrgenommen. Größere Entfernung zwischen Beratungsstelle und Wohnort gibt den Menschen eine gewisse Anonymität, sagt Lamberty.

2015 wurden genau 714 Beratungsfälle bearbeitet. Lamberty schätzt, dass dadurch rund 2000 bis 2500 Menschen geholfen wurde.

So gerne er mit seinem Team diese Arbeit macht, freut er sich über jeden abgeschlossenen Fall. „Wenn die Leute nicht mehr kommen, dann ist es gut gegangen“, sagt er dazu.

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