Herzogenrath: „Cari-Tag“: „Familie schaffen wir nur gemeinsam“

Herzogenrath: „Cari-Tag“: „Familie schaffen wir nur gemeinsam“

Eine Frau liegt auf dem Bett. Offensichtlich erschöpft, legt sie den Arm wie schützend über ihre Augen, weiß aber ganz genau, dass sie sich vor ihrem Stress in der Familie nicht schützen kann. Was ist das für ein Motiv?

Dieses Motiv aus der aktuellen Kampagne des Deutschen Caritasverbandes nahmen auch die Damen und Herren der Caritas-Einrichtungen in Herzogenrath, sowie die Vertreter von Rat und Verwaltung zum Anlass, sich beim ersten „Cari-Tag“ im Herzogenrather Nell-Breuning-Haus einmal intensiv über das Alltägliche in Familien auseinanderzusetzen. „Familie schaffen wir nur gemeinsam“, war die Überschrift, unter der eine Gesprächsrunde mit dem Hintergrund stattfand, generationsübergreifende Solidarität auf Anspruch und Wirklichkeit hin zu prüfen.

Viele sind überlastet

„Es gehört zu unserer Arbeit, auf die Punkte zu schauen, wo Familien unter Druck geraten“, sagte Bernhard Verholen, Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes für Aachen-Stadt und -Land dazu. Viele Menschen seien mit ihren vielen Aufgaben, die sie täglich im Familienverbund erledigen müssten, überlastet. Überstunden, Burnout, Arbeitslosigkeit, Scheidung und noch mehr belasteten Familien heutzutage viel mehr, als das früher der Fall war. „Es geht uns jedoch darum, Wertschätzung für Familien zu vermitteln und auf Belastungsgrenzen aufmerksam zu machen“, schloss Verholen. Er fragte offen, ob Familien und Einrichtungen in Herzogenrath „richtig unterwegs“ seien, ob Erwerbs- und Familienzeit gut zueinander passen und auch, wie es sich auswirkt, wenn Generationen füreinander Verantwortung übernehmen.

Anhand einer typischen Familiensituation wurde szenisch dargestellt, wie sehr sich beispielsweise für eine Frau mittleren Alters der Alltag in Richtung Familienstress entwickeln kann. So stellten Monika Jentzen-Stellmach von der Servicestelle für Familiengesundheit zugunsten sozial benachteiligter Kinder und Jessica Weigand vom Kompetenzfeld Familie der Caritas in einer kurzen Szene typische Alltagsprobleme in Familien nach. Der Mann arbeitet im Wechselschichtdienst, sie gibt sich mit ihm nur noch die Klinke in die Hand, gleichzeitig ist ihre Mutter im fortgeschrittenen Stadium der Demenz angekommen. Die Frau ist entnervt, schreit die Kinder an, was sie vorher nie getan hat, und leidet plötzlich an einer Neurodermitis.

Dieses Szenario kam den Teilnehmern an dieser Gesprächsrunde bekannt vor, sie kennen aus ihrem Berufsalltag viele Menschen in solchen Situationen. Da werden soziale Kontakte abgebrochen, insbesondere wenn in der Familie ein Pflegefall auftritt, da wird der Zeitpunkt, Hilfe zu holen, immer weiter weg geschoben.

In Sachen Kinderbetreuung fanden die Anwesenden aber viele gute Ansätze und große Fortschritte gegenüber der Zeit vor einigen Jahren. „Es ist vieles auf den Weg gebracht worden, es gibt aber noch eine ganze Menge Baustellen“, sagte beispielsweise der Stadtverordnete Bruno Barth. Die Erste Beigeordnete der Stadt Herzogenrath, Birgit Froese-Kindermann, lobte, dass die Pioniertaten bei den Elterninitiativen sehr gute, ehrenamtliche Arbeit abgeliefert hätten.

Dennoch blieben noch Wünsche offen, auch wenn beispielsweise eine Einrichtung wie die Familienfeuerwehr des Caritasverbandes eine große Hilfe darstelle, wenn plötzlich eine Mutter erkrankt oder ein pflegender Angehöriger einen dringenden Termin wahrnehmen muss.

„Ehrenamtliches Engagement ist wichtig, aber es wäre fatal, wenn man das als Geldspardose betrachten würde“, unterstrich auch Bernd Krott, Leiter des städtischen Jugendamtes. „In der Gesellschaft liegt noch einiges im Argen“, ergänzte auch der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Dr. Hans-Joachim Helbig.

(mabie)
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