Baesweiler: Buchsbaumzünsler frisst sich durch die Gärten

Baesweiler: Buchsbaumzünsler frisst sich durch die Gärten

Der gemeinsame Feind ist klein, grün und unter Blättchen kaum zu sehen. Viele Gartenfreunde sind derzeit auf der Jagd nach ihm: dem Buchsbaumzünsler. Doch der Kampf gegen diese gefräßige Raupe, die im Nu ganze Hecken verwüstet, könnte kaum noch zu gewinnen sein.

Helmut Herten, Vorsitzender des Obst-, Gartenbau- und Verschönerungsvereins Baesweiler, gibt sich im Wochenend-Interview ungewohnt skeptisch.

Gut getarnt: Der grüne Buchsbaumzünsler wird meist erst dann entdeckt, wenn die geschädigten Blätter braun werden.

Der Buchsbaum ist zum Kampfgebiet geworden. Wie steht die Lage?

Herten: Ach, die ist einfach katastrophal. Ich bin jüngst durch Setterich gefahren — wie viele Vorgärten der Zünsler allein dort vernichtet hat, das ist schon grausam. Man kann behaupten: Diese Raupe ist die Geißel der Gärten!

So schlimm?

Herten: Ja. So einen krassen Schädlingsbefall hatten wir noch nie, würde ich sagen. Der Weidenspinner macht zwar auch immer mal wieder große Probleme — aber bei einem Befall schiebt der Baum einfach eine weitere Generation Blätter nach, das kann der Buchsbaum nicht.

Wie konnte das Problem denn so massiv werden?

Herten: Ganz einfach: Weil hierzulande niemand von diesem Schädling wusste. Er wurde wohl erst 2007 aus China eingeschleppt, vermutlich auf von dort importierten Buchsbäumen. 2014 gab es in unserer Region die ersten Fälle — und schon jetzt hat der Zünsler sich auch hier enorm ausgebreitet.

Wird seine Verbreitung denn erfasst?

Herten: Ja. Aus den Raupen werden schließlich Falter — und im Internet gibt es auf Seiten über Schmetterlinge auch Übersichtskarten, wo der Zünsler aufgetaucht ist. Wenn man die sieht, wird einem Angst und Bange.

Heißt: Er ist schon überall?

Herten: Beinahe. Es mag noch ein paar abgelegene Dörfer geben, in die er nicht vorgedrungen ist. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Die Bedingungen waren leider optimal für die Verbreitung. Wir hatten zwei vergleichsweise milde Winter hintereinander. Für die Raupen ist das super.

Sie klingen resigniert.

Herten: Aus gutem Grund. Ich glaube nicht, dass man diese Raupe jemals ganz beseitigen kann. Pro Jahr schlüpfen drei Generationen. Da sind oft Eier, Raupen und Falter gleichzeitig im Buchsbaum. Die alle wegzubekommen, ist schwer. Und selbst wenn — kann aus der Nachbarschaft wieder ein Falter kommen und neue Eier legen. Jeder dieser Schmetterlinge kann sich wohl in einem Radius von 500 Metern verbreiten.

Also einfach aufgeben?

Herten: Nein, erstmal nicht. Man sollte alles versuchen, diese Viecher wegzubekommen, da darf man auch nicht zimperlich sein, sonst ist der befallene Baum vernichtet. Aber wenn viele Gartenbesitzer nichts unternehmen, bleiben mehr Tiere übrig, die sich verbreiten können. Dem Zünsler kann man im Grunde nur erfolgreich zu Leibe rücken, wenn alle etwas tun.

Und was ist zu tun?

Herten: Alles, das möglich ist. Zunächst mal sollte man versuchen, die Raupen von Hand abzupflücken. Zusätzlich kann man auch Technik bemühen. Ich selbst hatte mit einem Industriestaubsauger und einem schwach eingestellten Hochdruckreiniger gute Erfolge. Das klingt rabiat, ist aber nötig — die Alternative ist der Totalschaden. Wenn viele Raupen beseitigt sind, sollte man spritzen. Ich bin sicher kein Freund von Gift im Garten — aber hier sollte man davor nicht zurückschrecken. Um alle Blätter und Raupen mit der Spritze zu erwischen, muss man die Düse im Buchsbaum immer wieder drehen und möglichst viel Druck haben, damit sich alles gut verteilt. Die Raupe frisst das Gift dann mit den Blättern. Auch ein biologisches Mittel mit einem Bazillus funktioniert anscheinend ganz gut.

So viele Erfahrungswerte gibt es offenbar nicht.

Herten: Nein, dazu ist der Zünsler hier einfach noch zu frisch. Und Fressfeinde hat er nicht. Weil die Blätter des Buchsbaums, die er frisst, giftig sind, ist auch die Raupe giftig. Da gehen Vögel nicht ran.

Sollte man seine Buchsbäumchen dann nicht einfach rausreißen?

Herten: Das kann man machen. Aber was passiert dann? Die Raupen bleiben doch drin, die überleben wahrscheinlich sogar eine normale Kompostierung und ziehen dann als Falter weiter. Im Grunde müsste man die Bäume verbrennen — aber das ist ja nicht mehr gestattet. Hier sollte man Ausnahmegenehmigungen erteilen. Der aktuelle Befall wiegt aus meiner Sicht schwer genug, um das zu rechtfertigen.

Darf denn derjenige auf Rettung hoffen, der sich nicht von seinem Buchsbaum trennen will?

Herten: Sagen wir mal — der Baum an kann sich nach einem Befall erholen. Das habe ich an meinen Buchsbäumen gesehen. Die bilden wieder neue Blätter aus. Man kann den Buchsbaum komplett kahl scheren und warten, bis er wieder austreibt. Fragt sich nur, wie lange die Raupen fernbleiben.

Würden Sie noch neue Buchsbäume setzen?

Herten: Nein, auf keinen Fall. Es ist momentan auch gar nicht so leicht, welche zu bekommen. Ich habe schon in zwei Fachgeschäften gehört, dass sie keine verkaufen, weil auch die neuen Pflanzen bereits befallen sein können. Und dann fürchten die Ärger mit Kunden und bieten vorsorglich gar nichts an. In der Haut von Baumschulen, die sich auf Buchsbaum spezialisiert haben, möchte ich momentan nicht stecken.

Gibt es Alternativen zum Buchsbaum, die Sie empfehlen können?

Herten: Eiben sind geeignet, auch die kann man gut mit einem Schnitt in Form bringen. Oder Cotoneaster, die so genannte Zwergmispel. Deren Blättchen sind ähnlich wie beim Buchsbaum. Aber es dürfte für viele Gartenfreunde nur sehr schwer vorstellbar sein, sich von teilweise alten und gepflegten Buchsbäumen zu trennen. Mittlerweile ist der Zünsler wohl auch in England angekommen. Gerade dort gibt es in den teils historischen Gärten unheimlich viel Buchsbaum. Da finden die Raupen also eine Menge Nahrung. Es sieht wirklich ganz so aus, als ob sich diese Verbreitung nicht mehr eindämmen lässt.

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