Broichweiden: Handballer wehren sich gegen Verwaltungspläne

Interview : Broichweidens Vereine wollen nicht aufs Feld abgeschoben werden

Nach längeren Debatten sollte die Handballhochburg Broichweiden endlich eine angemessene Hallenstruktur und die Dorfgemeinschaft eine zentrale Begegnungs- und Veranstaltungsstätte am Markt bekommen.

Doch jetzt wartete die Stadtverwaltung mit einem anderen Vorschlag auf: auf einer Ackerfläche neben der ehemaligen Ziegelei Kappertz eine neue Sportstätte zu bauen. Unsere Zeitung sprach darüber mit Josef Kuck (Vorsitzender DJK Westwacht Weiden/Sprecher Weidener Vereinsgemeinschaft), Manfred Engelhoven (stellvertretender Westwacht-Vorsitzender) und Helmut Bergstein (1. Vorsitzender HC Weiden).

Herr Kuck, Sie vertreten die Broichweidener Vereinsgemeinschaft seit Jahren in ihrem Kampf um zukunftsfähige Sport- und Kulturstätten und waren eigentlich mit ihrem Konzept sehr erfolgreich unterwegs. Wie beurteilen die von Ihnen vertretenen Vereine den Vorstoß der Würselener Verwaltung zum Bau eines neuen Sportzentrums an der alten Ziegelei Kappertz am Kreisverkehr Lindener Straße?

Josef Kuck: Unser Broichweidener Konzept war so rund und schlüssig, unsere Einigkeit innerhalb der Vereinsgemeinschaft so groß, dass das Konzept mit allen unseren Ideen in den Sportstättenbeschluss des Rates der Stadt Würselen im August 2017 übernommen worden ist. Die Einstellung der dazu nötigen Gelder im Haushalt 2018 war da nur konsequent. Dieser Haushalt sichert das Konzept ab mit 1,05 Millionen Euro für den Kunstrasenplatz in Linden-Neusen, mit 950.000 Euro für die Ertüchtigung der alten Halle Parkstraße und mit 7,8 Millionen Euro für den Neubau einer Dreifachhalle. Als dann seitens der Verwaltung die „Idee Kappertz“ an uns herangetragen wurde, haben mein Vertreter Manfred Engelhoven und ich sie wohlwollend den Broichweidener Vereinsvertretern vorgetragen. Die Reaktionen waren allerdings mehr als eindeutig gegen den vorgeschlagenen neuen Standort. Die Vision von Weiden als „Schlafdorf“ wurde da nicht zu Unrecht schwarz gemalt, denn mit der Bebauung des Marktplatzes und des gesamten Sportgeländes an der Parkstraße würde dem Dorf seine Mitte, sein Herzstück genommen.

Herr Engelhoven, können Sie uns die sachlichen Gründe der Weidener Vereine gegen den „Standort Kappertz“ und für den Standort Parkstraße erläutern?

Manfred Engelhoven: Die Erarbeitung des Konzepts für den Standort Parkstraße hat die Broichweidener Vereine viel Herzblut und Arbeit gekostet. Auch die eine oder andere Kröte musste geschluckt werden. Aber: Die Vereine haben das Ergebnis solidarisch getragen, und noch nie hatten wir eine solche Geschlossenheit, die auch die Politik mächtig beeindruckt hat! Wenn jetzt von der Verwaltung der Standort Kappertz in die Öffentlichkeit getragen wird, obwohl sich die Vereine intern bereits deutlich dagegen positioniert haben, dann fühlen wir Vereinsvertreter uns nicht ernst genommen und dann wird der Versuch unternommen, uns in unserer Geschlossenheit auseinander zu dividieren. Ein sachlicher Grund für den Standort Parkstraße ist dessen fußläufige Erreichbarkeit für die annähernd 2000 Mitglieder von Westwacht, TV und Teutonia Weiden. Vor allem für Kinder, Jugendliche und Senioren ist es ein unschätzbarer Vorteil, ihrem Sport „im Dorf“ nachgehen zu können. Das gilt auch für die Kinder der katholischen Verbundschule und der OGS Schulstraße. Sie können jetzt die Sportstätten am Markt und an der Parkstraße sicher und ohne große Zeitverluste erreichen, nach Kappertz müssten sie mit Bussen gefahren werden. Wegen dieses „Sporttourismus“ und des damit verbundenen kürzeren Unterrichts soll aber am Gymnasium eine Dreifachhalle gebaut werden, so dass den Gymnasiasten die Wege von und zu außerschulischen Sportstätten erspart bleiben. Unseren kleinsten Schulkindern will die Verwaltung diese Wege zumuten. Und: Spart man künftig am Gymnasium Buskosten ein, muss man sie „nach Kappertz“ wieder ausgeben.

Welche weiteren Vorbehalte führen Sie an?

Engelhoven: Unsere kulturtreibenden Vereine würden aus dem Dorf gedrängt: dem Weidener Jungenspiel droht die Heimatlosigkeit, wenn der Markt- und Kirmesplatz bebaut wird und ein neuer Platz in unmittelbarer Nähe zu Linden-Neusen entsteht. Entfällt das Pfarrheim St. Lucia, hat Weiden keine Versammlungsstätte mehr; sie ist aber für die Karnevalsveranstaltungen der Hölze Päed wie auch für alle weiteren kulturellen Veranstaltungen am Standort Parkstraße „im Ort“ vorgesehen.

Herr Bergstein, mit dem Handball Club Weiden sorgen sie von der Regionalliga Nordrhein bis zu Kreisliga sportlich für Furore. Welche Ziele verfolgt der Club und weshalb ist dafür der Standort an der Parkstraße unerlässlich?

Helmut Bergstein: Wir sind als HC angetreten, um in Weiden hochklassigen Handballsport langfristig zu sichern und zu ermöglichen. Das ist sehr ambitioniert! Mit unseren vier Herren- und zwei Damenmannschaften sind wir in der laufenden Saison bislang sehr erfolgreich unterwegs. 400 Zuschauer wollen unsere Mannschaften bei Heimspielen sehen, wodurch wir uns in unseren Bemühungen um den Handballsport sehr bestärkt sehen. Ein anderer Aspekt aber ist mindestens genauso wichtig: Durch den Zusammenschluss der Handballabteilungen von Westwacht und TV zum HC Weiden wurden alte Rivalitäten begraben, ein neues „Wir-Gefühl“ stellt sich ein: Aktive, Funktionäre und Fans treffen sich an der Parkstraße und feiern die Erfolge unserer Mannschaften. Dieser soziale Zusammenhalt ist für unseren Ort enorm wichtig, eben weil die Menschen in ihm so sportorientiert sind. Für unsere sportlichen wie sozialen Ziele brauchen wir zeitgemäße Sportstätten in Weiden, nicht anderswo!

Herr Kuck, welche Strategie verfolgt ihre Vereinsgemeinschaft?

Kuck: Wir haben ein neues, noch besseres Konzept für die Parkstraße entwickelt, mit dem wir zunächst an die Politik herantreten, bevor wir es der Öffentlichkeit vorstellen. Unser Ziel ist seine zeitnahe Umsetzung gemäß dem Sportstättenbeschluss des Rates der Stadt.