Alsdorf: Broicher Siedlung: Sondermüll und Schluckspechte

Alsdorf: Broicher Siedlung: Sondermüll und Schluckspechte

Jede Medaille hat zwei Seiten, meint Josef Kelleter und geht voran - ein Stück hinein in den Verbindungsweg, der in der Broicher Siedlung von der Thorner- zur Osterfeldstraße führt. Hier sieht es ganz anders aus als beim „schön” breiten und vermeintlich einladenden Zugang auf der anderen Seite gegenüber Ehrenmal und Kinderspielplatz.

An jener Stelle hatte die Siedlergemeinschaft ihre Kritik an der Schließung des Weges durch die Stadt nach dem Verkauf von Teilflächen an zwei direkte Anlieger formuliert.

Kelleter ist einer der Käufer. Aus seiner Sicht hat er mit dem Kauf der Fläche nur auf nicht mehr hinnehmbare Zustände reagiert. Der öffentliche Weg habe schon lange seine ursprüngliche Bedeutung als Verbindung von Teilen der Siedlung verloren. Mit Blick auf den zugewachsenen und zerfurchten Boden fällt es schwer zu glauben, dass hier gerade ältere Menschen den Weg zum Lebensmittelladen wählen, wie die Siedlergemeinschaft meint. Nach Regen ist der Boden gefährlich ausgewaschen und aufgeweicht.

Kelleter berichtet von ganz anderen Nutzern. Besonders für Hundehalter scheint die hohle Gasse von magischer Anziehungskraft zu sein. Der Bequemlichkeit halber ließen viele Leute ihre Vierbeiner dort große und kleine Geschäfte erledigen. Gerade im Sommer mit „duftenden” Folgen. Zudem gerät der „unbekannte” Wanderer von einer Tretmine zur nächsten, sagt Kelleter.

Der schwer einsehbare Weg, der bislang von drei Straßenlaternen geziert war, welche die Stadt bereits abgebaut hat, lockte bis zu seiner Schließung aber noch andere Zeitgenossen an. Leere Flachmänner und leere Bierdosen zeugten von etliche Schluckspechten. Deshalb, so Kelleter, konnte der Grünschnitt, den die Stadt ein- bis zweimal pro Jahr vornehmen ließ, nur als teurer Sondermüll entsorgt werden. Plastik und Metall verrotten eben nicht.

Und da gab es auch noch schlimmen Vandalismus. Besonders heftig traf es die Familie Kelleter im November des vergangenen Jahres. Da wurde die hohe Thuja-Hecke, welche das Grundstück vom Weg abgrenzte, auf rund 30 Metern von Unbekannten abgefackelt. Die hoch schlagenden Flammen drohten gar, das Haus in Mitleidenschaft zu ziehen. Der Schaden betrug mehrere tausend Euro.

Kelleter überlegte lange, was er danach unternehmen sollte. Ein Zaun oder eine neue und nur langsam wachsende Hecke hätten das Grundproblem nicht wirklich behoben. So wurde der Mann bei der Stadt Alsdorf vorstellig. Schnell sei klar geworden, dass die Kommune nicht das Geld hat, den Weg nachhaltig zu pflegen oder mit Barrieren etwa gegen Geländefahrt übende Mofas und Roller abzusichern. Stichwort Verkehrssicherungspflicht!

Die Idee des Verkaufs der Wegefläche an direkte Anlieger wurde „geboren”. Kelleter stellte einen entsprechenden Antrag. Die Stadt bot die in Frage kommenden Flächen zur Übernahme an, zwei Betroffene griffen zu. Der Hauptausschuss folgte dem Vorschlag der Verwaltung. Ein Verfahren, das im übrigen auch in anderen Ortslagen praktiziert worden sei, wie es bei der Stadt hieß.

Kelleter, der seit Jahren Mitglied der Siedlergemeinschaft ist, kann die Kritik dieser Vereinigung an der Vorgehensweise der Kommune nicht nachvollziehen. „Ich kann die Stadt Alsdorf sehr gut verstehen. Die hat das kleinere Übel gewählt”, sagt er.

Selbst wenn die Siedlergemeinschaft die Flächen gekauft hätte, um den Weg offen zu halten, wäre neben den unmittelbar damit verbundenen Kosten noch erheblicher Aufwand hinzugekommen, um den Weg zu pflegen und darauf zu achten, dass dort kein Schindluder getrieben wird.

„Auch mir wäre es lieber gewesen, wenn alles beim Alten geblieben wäre - mit der schönen großen Thuja-Hecke und den dort nistenden Vögeln”, meint Josef Kelleter. Sein Garten, den er jetzt in die alte Wegefläche hinein vergrößert, reichte ihm eigentlich.

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