Nordkreis: Brandschutzmaßnahmen: Mammutprojekt bald vollendet

Nordkreis: Brandschutzmaßnahmen: Mammutprojekt bald vollendet

Der Baustopp am Flughafen Berlin-Brandenburg im Jahr 2005 nach gravierenden Mängeln im Brandschutz hatte weitreichendere Folgen, als man gemeinhin annehmen mag. „Im Grunde haben wir in dem Jahr damit angefangen, regelmäßig wiederkehrende Überprüfungen an unseren Gebäuden durchzuführen“, sagt Iris Tomczak-Pestel, Technische Dezernentin der Stadt Baesweiler.

Und 2007 habe man damit begonnen, Brandschutzkonzepte in Auftrag zu geben. „Für 23 von 25 bis 30 Gebäuden ist das umgesetzt“, so Tomczak-Pestel. 300.000 Euro seien seitdem jährlich pauschal in den Haushalt für Brandschutzmaßnahmen eingestellt. „Oft wird nicht nur erledigt, was notwendig ist, sondern auch vorausschauend gehandelt. Inzwischen sind wir gut aufgestellt.“

In den Grundschulen Beggendorf und Oidtweiler seien die Anlagen zur Notfall-Alarmierung erneuert worden — Kostenpunkt je 9000 Euro — ansonsten seien es viele kleinere Arbeiten, die durchs Jahr erledigt würden.

Die Vorschriften ändern sich ständig: Mal sind es — wie zuletzt — nur die Piktogramme, die größer gemacht oder beleuchtet werden müssen, mal müssen komplette Umbauten vorgenommen werden. Was die Ausgestaltung der Flucht- und Rettungswege in öffentlichen Gebäuden anbelangt, könnte man fast meinen: Sobald ein Umbau abgeschlossen ist, gibt es schon wieder eine neue Gesetzeslage. Eine Sisyphusarbeit.

Aber ganz so schlimm ist es dann doch nicht, wie Kathrin Koppe, Technische Geschäftsführerin der GSG Grund- und Stadtentwicklungs GmbH versichert. Unter ihrer Aufsicht, in enger Absprache mit der Stadt und der Brandschutzdienststelle der örtlichen Feuerwehr, befinden sich in Alsdorf gerade ein paar Großprojekte in und an altem Bestand kurz vor der Fertigstellung.

„Brandschutz ist immer ein Thema bei uns“, sagt Kathrin Koppe. Zum Beispiel bei der U3-Betreuung: Da sich Babys und Kleinkinder nicht selbst in Sicherheit bringen können, dürfen U3-Gruppen nur im Erdgeschoss mit direktem Ausgang ins Freie eingerichtet werden. Bei älteren Gebäuden, die Bestandsschutz haben, wird es in dem Punkt schon mal schwierig. „Wir bemühen uns, alles so schnell wie möglich umzusetzen, was in einer neuen Richtlinie gefordert ist“, sagt Koppe.

Die größte der drei im aktuellen Sachstandsbericht der GSG Stadtentwicklung beschriebenen Maßnahmen steht kurz vor der Vollendung. Im Jahr 2010 begann die Brandschutzsanierung der Gustav-Heinemann-Gesamtschule; im Herbst dieses Jahres wird das rund 3,7 Millionen Euro schwere Vorhaben abgeschlossen sein. Alle Gebäudeteile wurden auf neuesten Stand gebracht. „Das Teuerste, mit ungefähr die Hälfte der Kosten, war die Erneuerung der Elektroinstallationen“, so Andreas Gesell von der GSG Stadtentwicklung.

Inzwischen ist man in der Turnhalle angelangt, hier werden unter anderem Lüftungsbau- und Dachdeckerarbeiten durchgeführt. Am auffälligsten ist sicherlich ein Treppenturm, der als Fluchtweg angebaut wurde. So müssen Schüler bei Feuer nicht über die Aula ins Freie fliehen. Sie haben einen direkten Weg über den Flur nach draußen.

An der Grundschule Schaufenberg stehen in den Sommerferien ebenfalls aufwendige Arbeiten an: Klassenraumtüren werden erneuert, Ausgänge verbreitert, eine Brandmeldeanlage installiert. Kostenpunkt: 412.000 Euro. Voraussichtliche Fertigstellung: November 2016. Die alte Bausubstanz des Kastaniengebäudes, in dem sich unter anderem das Sekretariat befindet, stellt die größten Herausforderungen. Eine neue Außentür für den breiter angelegten Ausgang ist schon eingesetzt, die Fluchtwege sind neu markiert.

Auch am Rathaus standen Elektroinstallationen, Raumabtrennungen und Türerneuerungen an. Zusammen mit weiteren Sanierungen und Gesamtkosten von 659.000 Euro sollen im Juli alle Arbeiten beendet sein.

Bei der Stadt Würselen halten sich die Ausgaben in dem Bereich derzeit im Rahmen: Rund 23.000 Euro werden für die Erneuerung der Akkus der Notbeleuchtung im Alten und Neuen Rathaus, in Gymnasium, Realschule und Grundschule Bardenberg ausgegeben.

Fehlender zweiter Rettungsweg führt in Pannesheide zu teurem Provisorium

Vor Ende der Sommerferien 2015 hatte der Brandschutz in der Grundschule Pannesheide nachgerüstet werden müssen. Bei einer der alle sechs Jahre wiederkehrenden Überprüfungen — zusammen mit einem externen Brandschutzbeauftragten — waren Abweichungen von den aktuellen Brandschutzauflagen offenbar geworden: Die zweiten Rettungswege fehlten.

Die Verwaltung reagierte prompt und ließ Außengerüste sowie eine provisorische Metalltreppe anbauen, errichtete zudem Podeste, um die entsprechenden Ausstiege durch Fenster zu ermöglichen.

Mit monatlich rund 4500 Euro Mietkosten schlägt dieses Provisorium seit August 2015 zu Buche. Ein externes Brandschutzgutachten wurde für die Schule geschrieben, die große Koalition beantragte in Folge, die brandschutztechnischen Maßnahmen „grundsätzlich an dem Genehmigungszustand aus den Jahren 1995/96 auszurichten“, dabei die neuen Schulbestandteile wie offene Ganztagsschule, Übermittagsbetreuung sowie Schulsozialarbeit zu berücksichtigen.

Drei Varianten hat die Verwaltung auf Grundlage des Gutachtens für den mehrfach erweiterten Schulkomplex erarbeitet. Bei einer eigens anberaumten Sondersitzung votierte der Bau- und Verkehrsausschuss jetzt einstimmig für die weitestgehende Version, die dem auf reformpädagogischen Grundsätzen basierenden Lernkonzept der Schule mit jahrgangsübergreifendem Unterricht am nächsten kommt.

Damit muss die Gebäudenutzung nicht auf den ursprünglichen Genehmigungszustand zurückgeführt werden, denn bestimmte Sonderformen des Unterrichts sollen weiter möglich sein. Von Maßnahmen ausgenommen ist jedoch zunächst der Neubau, dessen großzügiges Foyer auch als Lernraum genutzt worden war. Das wird vorerst untersagt bleiben, da das Foyer als Treppenhaus und damit Fluchtweg gilt.

Ob rückwärtig eine einläufige Treppe als zweiter Rettungsweg angebaut wird, sollen Beratungen im Zuge des im Herbst vorliegenden Schulentwicklungsplans erbringen. Der Altbau und sein Anbau indes werden nun mit je einer Rettungsplattform ausgestattet, damit die Feuerwehr andocken kann. Das erste Obergeschoss erhält eine fest installierte Treppe in den Hof. Die Rauch- und Wärmeabluft soll mittig im Treppenhaus erfolgen. Und auch die zurzeit geschlossene Turnhalle erhält eine Außentreppe, so dass sie wieder betrieben werden kann. Die Politik zeigte sich unisono hochzufrieden, dass die „Hängepartie“ für die Schule nunmehr beendet werde.

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