Nordkreis: Boten einer intakten Umwelt

Nordkreis: Boten einer intakten Umwelt

Mit dem Frühlingswetter beginnt auch wieder das Gesumme in der Natur: Dafür sorgen gemütlich brummende Hummeln, geschäftige Honigbienen und ihre unscheinbareren Verwandten, die Wildbienen.

Letztere bilden keine Völker - wie die Honigbienen -, sondern sind meist einzeln oder in kleinen Gruppen unterwegs auf der Suche nach Nahrung und Nistplätzen. Beides zu finden, wird für Wildbienen immer schwieriger, weshalb viele der in Deutschland vorkommenden über 500 Arten selten oder sogar vom Aussterben bedroht sind. Das liegt daran, dass diese Bienen ausgesprochene Spezialisten sind, die zum Teil nur auf eine einzige Pflanze oder einen speziellen Nistplatz, Mauerritzen, morsches Holz oder sandige Stellen im Boden, fixiert sind. Finden sie diese Bedingungen nicht mehr, ist die Art bedroht.

Sie sind daher auf Toleranz und Hilfe von Seiten des Menschen angewiesen, wirbt etwa der Bienenzuchtverein Bardenberg-Alsdorf für die wilden Bienen. Beobachtet man in diesen Tagen im Garten oder am Haus Bienen, so ist das kein Grund zur Panik. „Ein Wildbienennest am Haus verursacht keine Schäden, und man muss auch nicht besorgt sein, dass die Bienen im Laufe der Zeit lästig werden”, erklärt Imker Philipp Elsässer aus Kohlscheid. Wildbienen seien völlig harmlos und gingen jedem Konflikt aus dem Weg. Im Gegenteil, sie seien ausgesprochen spannend zu beobachten und zudem sehr wichtig für die Natur, erklärt der Experte.

„Hotel” in der Baumscheibe

Wildbienen und Hummeln bestäuben viele Obst- und Beerensorten in unseren Gärten. Sie übernehmen die Bestäubung von Feldgehölzen, die im Herbst Nahrung für die heimische Vogelwelt bieten. „Wer Wildbienen bei sich im Garten oder am Haus beobachten kann, der darf sich glücklich schätzen: Als empfindliche Tiere sind sie ein willkommener Hinweis auf eine weitgehend intakte Umwelt”, so Philipp Elsässer.

Lebenshilfe für die Wildbienen können Garten- und Hausbesitzer leisten, indem sie ein sonniges Eckchen im Garten unberührt lassen und Wildkräuter ausblühen lassen. Außerdem sollte man nicht jede kleine Ritze am Haus abdichten und einen morschen Ast nicht gleich entfernen. Damit vermeidet man auch, dass Wildbienen vor lauter Druck, eine Nisthöhle zu finden, ihre Eier in Schlüssellöchern oder im Stopper der Rollläden ablegten.

Ein zusätzliches künstliches Angebot können „Wildbienen-Hotels” sein. Das sind dickere Baumscheiben (Hartholz), in die Löcher von vier bis neun Millimeter Durchmesser und einer Tiefe von bis zu zehn Zentimetern gebohrt werden. Darüber angebrachtes Drahtgeflecht hält Meisen und Spechte fern. Hängt man die Baumscheibe an einer trockenen und sonnigen Stelle auf und gibt es in der Nähe eine Nahrungsstelle, ziehen schon bald die ersten Bienen ein, so der Tipp von Fachmann Elsässer.

Nach dem Einzug legen die Bienen - angefangen vom Grund des Loches - jeweils ein Ei, versorgen es mit einem Vorrat an Pollen und Honig und verschließen die Kammer mit Lehm-Mörtel. Dann wird ein Ei in die jeweils nächste Kammer gelegt. Bald nach der Ei-Ablage sterben die Elterntiere eines natürlichen Todes. Der Bienennachwuchs schlüpft im kommenden Frühjahr. Es heißt also: Geduld haben und das „Bienen-Hotel” hängen lassen, auch wenn sich vermeintlich nichts mehr tut.

Infos zu den wilden Verwandten der Honigbienen sowie Tipps zum Umgang und Schutz der seltenen Insekten, gibt der Bienenzuchtverein Bardenberg-Alsdorf.

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