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Wien/Würselen: Boots-Tragödie: Psychologen im Einsatz

Wien/Würselen : Boots-Tragödie: Psychologen im Einsatz

Hubert Wirtz bittet um Verständnis: „Ich bin mit den Nerven am Ende”, erklärt der Würselener Busreise-Unternehmer gegenüber unserer Zeitung.

Am Montagabend sind die ersten Teilnehmer der Reisegruppe, die das schreckliche Unglück in Hinterbrühl miterlebten, bereits nach Hause zurückgekehrt. Seit Montagabend sind auch die anderen Reiseteilnehmer wieder bei ihren Familien. Wirtz: „Die Betroffenheit ist groß.” Die Reisenden wurden im Wirtz-Bus von Psychologen betreut. Für die Rückreise wurde aus Sicherheitsgründen der Busfahrer ausgetauscht, da ihn das Unglück zu sehr belastete.

Defekt am Boot?

Ein Defekt am Unglücksboot ist vermutlich die Ursache für das Unglück in der Seegrotte Hinterbrühl, bei dem in Niederösterreich fünf Menschen ertranken. Es könnte Probleme mit einem der drei Schwimmkörper des Bootes gegeben haben, sagte Ermittlungsleiter Franz Polzer am Dienstag. Für ein Fehlverhalten der Passagiere oder des Bootsführers gebe es dagegen keine Hinweise.

Polzer gab zudem das Ergebnis der Obduktion bekannt. Danach sind die fünf Opfer - vier Deutsche und eine Frau aus Raeren - ertrunken. Die vier Frauen und ein Mann im Alter zwischen 59 und 77 Jahren wiesen keine größeren Verletzungen auf. Erste Vernehmungen ließen inzwischen ein genaues Bild vom Unglückshergang entstehen: Bevor das Boot in Sekundenschnelle kenterte und die Menschen ins kalte Wasser geschleudert wurden, gab es nach Aussagen aller 24 Überlebenden keinerlei außergewöhnlichen Vorkommnisse.

Unter Wasser gefangen

Die Passagiere saßen ruhig auf beiden Seiten. In der letzten Linkskurve kippte das Boot plötzlich nach rechts. Auf dieser Seite saßen auch die fünf Ausflügler, die später im eiskalten Wasser ertranken. Tragischer Umstand: Sie waren durch die seitlichen Bootsabsperrungen, die eigentlich zur Sicherheit der Bootsinsassen angebracht sind, unter Wasser gefangen. Außerdem haben sich wahrscheinlich in der Paniksituation die übrigen Passagiere am Rumpf festgehalten und das Boot so zusätzlich nach unten gedrückt.

Das mit einem 300-Watt-Elektromotor ausgestattete Boot, das maximal eine Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde schafft, wurde laut Polzer erst vor knapp einem Jahr überprüft. Auch die zulässige Nutzlast von 2,5 Tonnen war nicht überschritten.

Drei Pfarrer, psychologische Helfer der Wiener „Akutbetreuung” und zehn Notärzte waren am Montag zur Stelle, um die deutschen und belgischen Urlauber zu trösten. „Als wir ihnen behutsam beibrachten, dass fünf Angehörige oder Freunde die Tragödie nicht überlebt hatten, brachen viele zusammen”, berichtet Bürgermeister Benno Moldan.

„Die Katastrophe ist nach wenigen Sekunden vorbei, doch die Betroffenen haben oft jahrelang mit den psychischen Folgen des Erlebten zu tun”, sagt Stefan Rudas, Leiter des psychosozialen Dienstes in Wien.