Alsdorf: Blau-Weiß Alsdorf verliert Jugendabteilung

Alsdorf: Blau-Weiß Alsdorf verliert Jugendabteilung

Die Nerven liegen blank bei den Fußballern des Traditionsvereins SV Blau-Weiß Alsdorf. Eine Szene am Rande des Jugendtrainings ist beispielhaft. Lauthals wird gestritten zwischen dem Jugendgeschäftsführer Christian Josef Ziemons und Vorstandsmitglied des Hauptvereins, Willi Beckers.

Vor den Augen der Kinder, die sich zahlreich auf dem Sportplatz am Göbbelsstadion aufhalten. Worum es im Disput geht? Belanglos, denn es ist nur einer von vielen, wie Ziemons sagt.

Die Kluft zwischen Hauptverein und Jugendabteilung ist längst groß, gewachsen in den vergangenen Jahren - und wohl unüberwindbar: Am vergangenen Sonntag haben Jugendvorstand, -trainer und einige Eltern als Konsequenz daraus die Abspaltung vom Hauptverein und Neugründung eines Vereins beschlossen und besieglt: Als JSV Alsdorf werden die etwa 300 Kinder und Jugendlichen in 21 Mannschaften von Bambini bis A-Jugend ab der kommenden Saison in den Spielbetrieb gehen.

„Der Hauptvorstand hat uns so lange Steine in den Weg bei unserer Jugendarbeit gelegt, dass ein anderer Entschluss gar nicht mehr möglich war”, begründet Jugendleiter Norbert Kazmierzak. Sogar einen Rechtsanwalt habe der Vorstand um den Vorsitzenden Günter Beckers mehrfach eingeschaltet, um Einfluss auf die Abteilung zu nehmen, die sich nach den Verordnungen des Landessportbundes satzungsgemäß als selbstständig betrachtet. Selbstständig eben auch in der Kassenführung, wie Kazmierzak betont.

Der Gipfel, so der Jugendleiter, sei die Kontoauflösung durch Vorsitzenden Beckers bei der Sparkasse gewesen, und das, ohne die dafür notwendigen drei von fünf Unterschriften aus dem Vorstand erhalten zu haben. Immerhin: ein Konto über 11.886,93 Euro, zum Großteil aus den Mitgliedsbeiträgen der Kinder und Jugendlichen für 2010.

„Von diesem Geld werden Schiedsrichter bezahlt, Jugendtrainer erhalten davon eine Aufwandsentschädigung und die Kosten für Ausrüstung, Bälle et cetera werden davon bestritten”, sagt Norbert Kazmierzak. Vor diesem Hintergrund konnten aber die Aufwandsentschädigungen - insgesamt etwas über 5000 Euro - seit Oktober 2009 nicht mehr ausgezahlt werden. „Wir wollen nicht mehr länger die Melkkuh des Hauptvereins sein”, sagt Kazmierzak.

Der Hauptverein hält dagegen und bestreitet die Kontoauflösung nicht: „Wir sind ein Verein, haben eine Kasse und haben das Recht zu erfahren, was mit dem Geld geschieht. Diese Informationen blieben aus. Die Konsequenz war die Kontoauflösung”, verteidigt Günter Beckers diesen Schritt.

Die Aufforderung an die Jugendabteilung zur Darlegung der Ausgaben, mit der auch die Tilgung der ausstehenden Kosten verbunden wäre, sei bis dato nicht beim Vereinsvorsitzenden eingegangen. Und auch einen Haushaltsplan, den jeder Trainer für sein Team mit allen anfallenden Kosten aufstellen sollte, sei trotz Aufforderung nie eingegangen, bekräftigt Michael Maul, zweiter Vorsitzender des Hauptvereins.

Überrascht zeigten sich beide über die Information, dass die Jugendabteilung sich vom Hauptverein abgespalten und neu gegründet habe: „Da wird etwas auf dem Rücken der Kinder ausgetragen”, wertet Maul dieses Vorgehen, von einem „Erpressungversuch” spricht gar Günter Beckers.

Michael Maul sieht in dieser misslichen Situation jedoch auch durchaus Positives: „Ich habe vor zwei Jahren das Amt übernommen mit der Intention Strukturen in den Verein zu bringen. Unsere Jugendabteilung lösen wir nicht auf. Wir machen weiter, aber mit mehr Niveau.” Bleibt die Platzfrage: Wo wird der neue JSV zukünftig trainieren und spielen? Ein Antrag an den Bürgermeister hat der neue JSV-Vorstand bereits gestellt. Doch, so lassen Beckers und Maul durchblicken, auf die Plätze am Göbbelsstadion wollen sie nicht verzichten. Weiteres Ungemach droht also.

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