1. Lokales
  2. Nordkreis

Alsdorf: Billard-Ass: Janine Schwan fiebert der Euro entgegen

Alsdorf : Billard-Ass: Janine Schwan fiebert der Euro entgegen

Eigentlich müsste Janine Schwan ein ganz großer Star in Deutschland sein. Ihre Erfolge sprechen für sich: zwei WM-Teilnahmen, vierfache Europameisterin sowie 22-fache Deutsche Meisterin. Doch hierzulande kennen sie nur die wenigsten.

„Billard ist in Deutschland halt nur eine Randerscheinung”, sagt die gebürtige Alsdorferin über ihre Sportart. „Sogar Kreisliga-Fußballer genießen hier mehr Aufmerksamkeit.” Trotzdem ist die 27-Jährige mit Begeisterung bei der Sache, auch wenn der Druck durch die vielen Erfolge größer geworden ist.

„Ein riesiges Ereignis”

Das nächste große Event steht in ein paar Wochen an. In Willingen (Sauerland) finden Anfang August die Billard-Europameisterschaften statt, für die sie erneut in den Kader berufen wurde. In den Disziplinen 8er-Ball, 9er-Ball und 14/1 geht sie an den Start. „Das wird ein riesiges Ereignis, weil der Europaverband in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert”, sagt Schwan voller Vorfreude.

Neben den Herren- und Damenteams wird diesmal auch die Jugend ihre Europameister ausspielen. Fernsehteams und mehrere Medienvertreter haben sich bereits angekündigt. „Das ist sehr wichtig für uns”, sagt Schwan, „ich hoffe, dass dadurch das öffentliche Interesse für den Billardsport gesteigert werden kann.”

Ihre sportlichen Ziele gibt die Hobby-Fußballerin indes eher bescheiden aus. Nach einem fünften Platz im vergangenen Jahr will sie es diesmal bis aufs Treppchen schaffen. Doch die Vorzeichen stehen momentan mehr schlecht als recht. Wegen eines Abszesses konnte sie im Vorfeld nur wenig trainieren. Zudem brach sie sich zwei Finger, als sie bei einem Fußballspiel den Ball fangen wollte. „Ich bin erst seit zwei Wochen körperlich fit”, sagt sie. So bleibt ihr nur wenig Zeit, um sich für die am 6. August beginnende EM in Form zu bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie bis zum Turnierstart regelmäßig in Köln arbeiten muss. „Außerdem bin ich eher trainingsfaul”, schmunzelt die Sozialpädagogik-Studentin, die zurzeit an ihrer Diplomarbeit schreibt.

Überraschend glückte in der vergangenen Woche die Generalprobe in Hannover. Mit ihrem Vereinskollegen Alexander Dümling sicherte sie sich den fünften Platz bei den Mixed-Deutschen Meisterschaften. „Das war spielerisch schon ganz okay, besonders wenn man bedenkt, dass ich vorher nur einmal trainiert habe”, sagt Schwan, die dadurch etwas zuversichtlicher nach Willingen reisen kann.

Seit fünf Jahren spielt sie nun für den hiesigen Billard-Club. Zwischenzeitlich lochte das große Talent für Fulda ein. „Die haben mich abgeworben”, sagt Janine nicht ohne Stolz. Trotzdem kehrte sie nach drei Monaten schnell wieder heim. „Hier kann ich so sein, wie ich bin. In Alsdorf kennen mich halt die Leute”, lächelt Schwan, die sich selbst als „aufgedreht verrückt” beschreibt.

Dass sie sich überhaupt für den Billardsport begeistern kann, hat sie ihrem Vater Dieter sowie ihrem Bruder Daniel zu verdanken. „Die beiden haben mich immer mitgenommen, wenn sie selbst gespielt haben”, erinnert sich Janine an ihre frühe Jugend.

Geschichte geschrieben

Als Achtjährige nahm sie dann zum ersten Mal den Queue in die Hand. Fortan spielte sie regelmäßig in der Grundschule Begau, wo ein Billardtisch zur Verfügung stand. Schnell zeigte sich ihr außergewöhnliches Talent, und so ging sie als erste Jugend-Europameisterin im 8er-Ball in die Geschichte ein. „Darauf bin ich besonders stolz. Jetzt bin ich für immer in der Historie aufgeführt.”

Damit sie bei der kommenden EM ähnlich erfolgreich agieren kann, versucht die Rechtshänderin noch ihre mentale Schwäche in den Griff zu bekommen. „Billard ist halt eine Kopfsache, und mein Kopf hindert mich oft an einem gutem Spiel”, weiß Schwan, dass sie sich in den entscheidenden Momenten besser konzentrieren muss.

Sollte es bei der EM nicht zum großen Wurf reichen, steht im April 2009 das nächste Großereignis auf dem Programm. In Taipeh findet die WM statt. Schwan wird nach 2007 und 2008 zum dritten Mal nach Taiwan reisen. Mittlerweile weiß sie auch, was sie vor Ort erwartet: „Billard ist dort die Sportart Nummer eins. Das ist der absolute Wahnsinn, wie viele Menschen sich in Taiwan dafür begeistern.” In Taipeh wird sie wieder im Fokus stehen. Zahlreiche Autogrammwünsche müssen erfüllt werden. „Das ist einfach nur genial”, schwärmt sie. Dass sie überhaupt nach Taiwan fliegen kann, verdankt sie ihren Sponsoren.

Die Firmen Billard Beckmann und das Hai-Waschcenter unterstützen die 27-Jährige. „Ohne die beiden könnte ich dort nicht teilnehmen. Als Studentin kann ich das Geld dafür nicht aufbringen”, freut sich Schwan über die großzügige Unterstützung und hofft, dass sich weitere Sponsoren finden.

Doch zunächst steht die EM auf dem Programm. Dort will sie ihre Erfolgsbilanz weiter hochschrauben, auch wenn ihr auch dann der Ruhm nicht zuteil wird, der ihr eigentlich gebührt.