1. Lokales
  2. Nordkreis

Würselen: Bezaubert, verblüfft, bisweilen schockiert

Würselen : Bezaubert, verblüfft, bisweilen schockiert

„Im Takt von Apfel und Amsel” wurden im Alten Rathaus auf äußerst anspruchsvollem Niveau zum vierten Mal die Pforten für die „Tage der Poesie” aufgestoßen.

Geboten wurde ein facettenreicher und subtiler Streifzug durch unterschiedliche poetische Landschaften. Musikalische Lesarten von lyrischer Dichtung wurden den interessierten, manchmal auch verzauberten Zuhörern - unter ihnen auch Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums - mit Esprit und Einfühlungsvermögen serviert.

Keine Frage: Jedem der vier Künstler, die sich auf das Wagnis musikalischer Lesarten von Dichtung eingelassen hatte, hätte ein eigener Abend gebührt. Dem starken Quartett entbot der Initiator und Organisator der Veranstaltungsreihe, Christoph Leisten, ein herzliches Willkommen.

Johanna Schmidt (Violine) ist eine vielseitige Musikerin, die sich seit Jahren schon mit diversen Projekten beschäftigt. Gemeinsam mit der virtuosen Geigerin kam die Pianistin Lydia Hilgers auf die Idee, Gedichte zu vertonen und damit der Lyrik neue Dimensionen zu eröffnen, wofür an diesem Abend eine Reihe von ausgefallenen und exzellenten Kostproben geboten wurden.

Hinzu gesellte sich die versierte Jazz-Sängerin Sabine Kühlich, die mit ihrer bestechenden Stimme den lyrischen Worten einen ausdrucksstarken Klang verlieh. Sie sorgten in höchsten und tiefsten Tönen dafür, dass die sprachlichen Bilder des in Vaals lebenden Lyrikers Jürgen Nendza musikalisch Gestalt annahmen.

Wechselbeziehung

Wie Sprache und Musik dabei in verschiedenartige Wechselbeziehung traten, war bezaubernd, verblüffend, aufrüttelnd und bisweilen auch schockierend. Dabei wurde das gesprochene Wort nicht nur musikalisch unterlegt, sondern auch durch die gesetzten Noten interpretiert.

Dann hatte der Zuhörer das Gefühl, dass die Beziehung sich umgekehrt vollzog, als ob der Lyriker den Tönen seine Worte unterlegt gehabt hätte. Schließlich gingen beide auch eine Symbiose ein, in der Musik und Poesie weniger miteinander korrespondierten, als miteinander zu einer klangvollen Einheit verschmolzen.

Hohe Ansprüche wurde bei diesen musikalischen Lesarten an die Zuhörer gestellt. Die Fantasie wurde nicht nur angeregt, sondern herausgefordert.

Da wundert es nicht, dass die Zuhörer erst einmal tief durchatmen mussten, ehe der längst fällige Beifall - wenn überhaupt! - gespendet wurde. Es war für sie nicht ganz leicht, im Augenblick des künstlerischen Erlebens einen Zugang zu den Worten und zur Musik zu finden.

Dennoch war es ein sinnlicher Abend voll Musik und Poesie, an dem der eine oder andere Besucher auch Glücksgefühle entwickeln konnte. Schließlich gehört der Lyriker Jürgen Nendza, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, inzwischen zu den erstrangigen Autoren im deutschsprachigen Raum.

Die „Tage der Poesie” durften wieder ein literarisches Highlight für sich verbuchen!