Würselen - Bestohlener Künstler Albert Sous: „Das war ein Krimi am eigenen Leib“

Bestohlener Künstler Albert Sous: „Das war ein Krimi am eigenen Leib“

Von: Eckhard Hoog
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Immer noch fassungslos, wie ihm das passieren konnte: Der Würselener Künstler Albert Sous ist von einer dreisten Bande in seinem Haus bestohlen worden. Rund 50 Schmuckstücke im sechsstelligen Euro-Wert ließen die Täter mitgehen. Foto: Andreas Herrmann
Phantombild Künstler Würselen
Mit diesem Phantombild des Haupttäters sucht die Polizei nach der Diebesbande. Foto: Polizei

Würselen. „Im Nachhinein denke ich, wir waren wie in einem Film – und haben einfach mitgespielt. Das war ein Krimi am eigenen Leib.“ Albert Sous und seine Frau Susi können es bis heute nicht fassen, wie ihnen das passieren konnte: Da kamen ein paar Männer mal eben wie zufällig an ihrem Haus in Würselen vorbei, lobten in höchsten Tönen das Ambiente, die schönen Laternen und die wunderbaren Figuren aus Edelstahl, die das Grundstück säumen.

Stunden später waren die drei plötzlich weg, um nicht zusagen: abgehauen. Und mit ihnen kostbarer Schmuck, hochwertige Goldschmiedearbeiten von musealer Qualität. Alles in allem im Wert eines sechsstelligen Euro-Betrags. Prächtige Beute – aber damit nicht genug: Die Täter versuchten eine knappe Woche später, auf ziemlich dreiste Weise, auch noch den vermeintlichen Rest zu holen. Und das hätte echt gefährlich werden können...

„Vater“ des Kugelbrunnens

Wer kennt ihn nicht in unserer Region, den Würselener Bildhauer und Goldschmied Albert Sous? Soeben hat er das 40. Jubiläum seines Kugelbrunnens auf der Adalbertstraße in Aachen gefeiert, gerade sitzt der 82-Jährige an den letzten Seiten seiner Memoiren, die in Kürze veröffentlicht werden sollen. Und nun dies: „Das war die Hinterlassenschaft für unsere Kinder“, sagt er.

Ein großer Teil seiner Sammlung eigener, von ihm selbst gefertigter Goldschmuckstücke, darunter jener Halsreif, für den er 1987 den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfallen bekam – einfach weg. Arbeiten, die er selbst als Kunstwerke betrachtet und auch weithin als solche anerkannt sind. Alles unverkäuflich. Dazu Stücke, die in den Verkauf hätten kommen können, aber zurzeit keineswegs dafür vorgesehen waren.

„Wir waren ein offenes Haus“

Wie konnte es dazu kommen? Albert Sous hat es uns in allen Einzelheiten geschildert – und bedauert seine Vertrauensseligkeit. „Wir waren immer ein offenes Haus“, sagt er – stets gewohnt, Besucher einzulassen, die sich für seine Kunst interessieren. Allein das außergewöhnliche Anwesen in Würselen mit dem von einer Flaschenkuppel überwölbten, runden Edelstahlbau ist weithin bekannt und immer wieder Ziel nicht nur von Freunden und Bekannten.

Sondern eben auch jener beiden Männer an diesem 7. November: Albert Sous steht gerade vor seinem Haus auf der Straße, als ihn ein auffällig korpulenter Mann auf die Laterne und das Edelstahlpferdchen auf seinem Grundstück hin anspricht. „Kennen Sie den Künstler, der das gemacht hat?“, fragt er Sous. „Kann der das für uns noch einmal nachmachen?“ Offenbar kennt der Mann den Würselener Bildhauer gar nicht und ist nur zufällig vorbeigekommen – oder tut nur so. Sous: „Jedenfalls wollte er das glauben machen.“ „Dieser Künstler macht nichts nach“, erklärt er unmissverständlich.

Doch der Mann lässt nicht locker, zeigt sich überaus begeistert von allem. Ob er die schönen Dinge nicht einmal näher in Augenschein nehmen könne, fragt er, nachdem Sous sich als Urheber offenbart hat. Der aber, schwer beschäftigt mit seiner Autobiografie, lehnt ab. „Kommen Sie im nächsten Jahr wieder, dann habe ich mehr Zeit“, rät er dem „Dicken“. Sous heute, zerknirscht: „So kann man den ja wohl nur nennen.“ Dessen Begleiter hält Sous für so etwas wie einen Assistenten. „Beide machten einen sehr gut situierten Eindruck.“

Einen Tag später, 10.30 Uhr, klingelt es an der Tür. Der „Dicke“ ist wieder da, diesmal mit zwei Begleitern. „Das waren unheimlich nette Leute“, erinnern sich beide, Susi und Albert Sous. Man trinkt Kaffee miteinander, kommt sich auch persönlich ein wenig näher. „Wir hatten nicht den geringsten Verdacht und überhaupt kein Misstrauen.“ Das Ehepaar, wie immer offen für jedermann, erfüllt den Wunsch ihrer Besucher und führt sie auf dem Anwesen herum.

„Das waren Berge von Begeisterung, die uns nur so entgegenströmten“, erzählt Sous. Die drei Besucher sind offenbar im Nu Fans seiner Arbeiten geworden und wollen immer mehr sehen – schließlich auch den Schmuck. „Das wäre was für meine Frau“, schwärmt der „Dicke“. „Endlich könnte sie einmal ein richtiges Schmuckstück bekommen.“ Und so geht Albert Sous in den Keller, um den Tresor zu öffnen, in dem die Kostbarkeiten für gewöhnlich schlummern und das sichere Behältnis allenfalls für eine Ausstellung verlassen. Oben präsentiert er seinem Gast die Preziosen auf dem Tisch. Der „Dicke“ fällt fast um vor Begeisterung.

Währenddessen interessieren sich die beiden Begleiter für ein schwergewichtiges Kupferrelief, das bei den Sous‘ an der Wand im ehemaligen Schwimmbad hängt, das längst als Wohn- und Ausstellungsraum genutzt wird. „Die machten sich überhaupt immer an Sachen zu schaffen, die nicht ohne Weiteres wegzutransportieren sind“, erkennt Sous im Nachhinein.

Jedenfalls sind sie auffällig beschäftigt und abwesend. Der „Dicke“ erklärt plötzlich, dass gleich seine Frau mit einem Lkw anrücken werde, um das Relief abzutransportieren. Man solle doch schon mal die Gartentür öffnen . . . In dem Moment ist bislang noch überhaupt nicht die Rede davon, dass Sous das Kupferstück überhaupt verkaufen wolle. Und so geht er in den Keller, um mal zu sehen, was die zwei dort so treiben.

Währenddessen liegen die Preziosen noch vor dem „Dicken“ auf dem Tisch. Susi sagt zu ihm auch noch lachend: „Passen Sie auf den Schmuck auf“ und geht gleichfalls in den Keller, um nach ihrem Mann zu sehen. Als der wieder raufkommt – ist der „Dicke“ weg. Und womit? Na, klar!

Die beiden Begleiter – der „Dicke“ nannte sie „Cousins“ – sind unterdessen auch verschwunden, hintenrum, über das geöffnete Gartentor. Rund 50 Goldstücke – futsch.

Sous schafft sich umgehend eine neue Schließanlage und Kameras auf dem Grundstück an. Vier Tage später stehen zwei Polizisten vor der Tür – in Uniform, mit der Pistole an der Hüfte. „Kripo Aachen. Lassen Sie uns rein, Sie brauchen keine Angst zu haben.“ Sie überbringen Sous die frohe Botschaft: „Der Haupttäter ist gefasst!“ Der „Dicke“ soll das Oberhaupt einer zwölfköpfigen Bande sein.

Und tatsächlich halten die Polizisten Sous ein DINA4-Blatt mit dem Abbild des Täters vor die Nase. Sous: „Das war er tatsächlich!“ Sous soll sich am Sonntag für eine Gegenüberstellung bereithalten. Die beiden befragen ihn, wie er nach dem Diebstahl reagiert habe – da war doch was mit einem Tresor. Allein: „Wir haben alles in den Safe nach Aachen gebracht“, erklärt Sous. Die Beamten rücken ab.

Am Sonntag: kein Anruf der Polizei. Montag klingelt Sous bei der Aachener Kripo an. Die weiß nichts von einer Festnahme eines Verdächtigen. – Falsche Polizisten versuchten offenbar, den Rest abzuholen, der sich aber wieder im Tresor in Aachen befand. Wenn noch etwas da gewesen wäre, hätte das womöglich ins Auge gehen können...

Eine Spur von den Tätern gibt es bislang nicht, erklärt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei. Sous selbst hat immerhin einen konkreten Verdacht, woher sie stammen könnten. Er kennt den Slang: „So spricht man in Mönchengladbach und Viersen“, sagt er. Außerdem hatte der Bully ein Mönchengladbacher Kennzeichen.

Albert Sous macht sich indessen keine Illusionen über den Verbleibt seines Schmucks: „Die werden alles einschmelzen und an einen Goldhändler verhökern.“

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