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Würselen: Bester Lohn ist das Lachen der Kinder

Würselen : Bester Lohn ist das Lachen der Kinder

„Warum ziehen nicht einfach alle Menschen von Ruanda nach Deutschland, dann würde es ihnen besser gehen?”, fragt sich Paul.

„Das ist gar nicht so einfach möglich”, erklärt Adelheid Fröhlich, Direktorin der katholischen Sebastianusgrundschule. Aber als Siebenjähriger denkt man halt praktisch.

Paul und seine Mitschüler kennen die Armut der Leute und besonders der Kinder, die es in dem zentralafrikanischen Land gibt. Seit acht Jahren beteiligt sich die Grundschule an der Ruanda-Hilfe, die Franz Baumann vor über 30 Jahren ins Leben gerufen hat.

„In diesem Jahr haben wir das höchste Spendenergebnis überhaupt: 3476 Euro”, erklärt Fröhlich stolz. Eine Summe, die sich sehen lassen kann und mit der die Ruanda-Hilfe drei Waisenhäuser der Benebikira-Schwestern unterstützt.

„Das Land Ruanda ist ungefähr so groß wie Belgien. Dort gibt es aber 6 Millionen Einwohner”, weiß Niklas (10 Jahre) ganz genau. „Dort herrscht eine große Armut. Die Leute verdienen nur rund einen Euro am Tag”, berichtet die neunjährige Annalena. Eine Familie besteht meistens aus acht oder mehr Kindern.

Und auch die Kleinsten müssen schon früh mit anpacken. „Viele Mädchen und Jungen arbeiten auf den Feldern mit. Dort verscheuchen sie die Vögel, die an die Saat wollen. Diese Kinder nennt man deshalb auch Vogelkinder”, sagt Niklas.

„Und außerdem müssen die Kinder mehrmals am Tag zu einem Brunnen gehen, um Wasser zu holen. Das tragen sie dann in großen Kanistern auf ihrem Kopf. Die wiegen 20 Kilogramm”, erzählt Pia (9 Jahre). „Wir haben das auch einmal ausprobiert, das hat aber nicht so gut funktioniert”, fügt Paul hinzu.

Zu 90 Prozent leben die Menschen in Ruanda von der Landwirtschaft. Die meisten haben nur einen kleinen Grundbesitz, so groß wie bei uns ein Schrebergarten. Die politische Situation im „Land der 1000 Hügel” hat sich mittlerweile beruhigt.

Nach den schrecklichen Massakern Anfang der 90er Jahre, denen über eine halbe Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind, ist die Situation zur Zeit relativ stabil. „Alles ist komplett militärisch überwacht. Sogar im tiefsten Dschungel trifft man auf Soldaten”, erinnert sich Baumann an seinen Besuch im vergangenen Jahr.

Gesammelt haben die Jungen und Mädchen der Schule ihre Spenden zu Hause bei ihren Eltern, bei Verwandten und Nachbarn. „Ich habe meiner Mutter erklärt, warum wir das Geld brauchen. Da hat sie direkt gespendet”, erzählt Jakob (7 Jahre). „Auch ich habe meinen Eltern davon berichtet. Und ich habe noch was von meinem Taschengeld gespendet”, sagt Annalena.

Von so viel Engagement und Einsatz ist Franz Baumann sichtlich begeistert: „Das Thema Ruanda bewegt die Kinder sehr. Wir versuchen ihnen immer möglichst viel über das Land und das Leben der Menschen dort beizubringen. Denn nur, wenn man einigermaßen im Bilde ist, dann hilft man auch.”

„Unserer Schulkinder identifizieren und solidarisieren sich sehr stark mit den Kindern in Afrika”, freut sich Fröhlich. Das um so mehr, da die Grundschule sich nur an dieser einen Spendenaktion beteiligt.

Der größte Lohn für Franz Baumann, der betont, dass jeder Cent direkt nach Ruanda geht, ist das Lachen der Kinder: „Wenn wir die Waisenhäuser besuchen, empfängt man uns immer mit einem fröhlichen Tanz. Das ist wirklich sehr bewegend.” Den nächsten Besuch in Ruanda hat Baumann für Ende des Jahres geplant.