Alsdorf: Berufsschule und St.-Josef-Heim: Falscher Hase trifft Popkultur

Alsdorf: Berufsschule und St.-Josef-Heim: Falscher Hase trifft Popkultur

Gelernt ist gelernt. Wenn Karl Jankowski zum Sparschäler greift, dann fliegen die Kartoffelschalen nur so. Er macht das schließlich nicht erst seit Kurzem. Eine enthüllte Knolle nach der anderen wirft der 75-Jährige in die Schüssel mit Wasser.

„Kochen hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht”, sagt er. In jüngster Zeit findet er es besonders unterhaltsam, denn die Senioren des St.-Josef-Heims in Alsdorf-Busch stehen seit einigen Wochen gemeinsam mit Schülern des Alsdorfer Berufskollegs am Herd.

Die Kooperation des Seniorenheims und der Berufsfachschule für Pflege und Gesundheit ist eine runde Sache. Denn beide Seiten profitieren nicht bloß deshalb davon, weil die zubereiteten Menus richtig lecker sind. „Für die Schüler ist es sehr hilfreich, bereits während ihrer Ausbildung in die Praxis hineinzuschnuppern”, sagt Fachlehrer Michael Perlhefter.

Zumal viele von ihnen anschließend in der Altenpflege tätig sein werden. Und die Senioren? Die freuen sich darüber, beim Kochen einmal wieder vertraute Handgriffe tun zu können. Zu schnippeln, zu hacken, in Töpfen zu rühren.

Und dabei noch gut unterhalten zu werden, denn generationsübergreifende Gespräche gehören unbedingt zu den munteren Kochtreffen, die einmal wöchentlich stattfinden. „Da ist richtig Leben drin”, sagt Karl Jankowski und schaut dabei zu seinen jugendlichen Tischnachbarn.

Während die Senioren von den Teenagern auf den neuesten Stand in Sachen Popkultur gebracht werden, revanchieren sie sich ihrerseits mit vielen Anekdoten aus einer Zeit lange, lange vor dem Internet. „So bekommen die Jugendlichen ganz rasch ein Gespür für den Umgang mit älteren Menschen”, nennt Lehrer Michael Perlhefter einen Vorzug dieses Projektes.

Generationsübergreifend sind übrigens auch die Dinge, die auf den Teller kommen. So haben die Jugendlichen den Senioren bereits Dinge wie Döner oder chinesische Rezepte schmackhaft gemacht. Andererseits stand auch schon mal „Falscher Hase” auf dem Speiseplan. „Davon hatte ich vorher nie was gehört”, sagt die 18-jährige Anja Alexnat - aber geschmeckt hat ihr die Mixtur aus Hackfleisch, Brötchen, Speck und saurer Sahne dann doch.

Sie ist ganz allgemein auf den Geschmack an diesem Projekt gekommen. „Zu Beginn waren wir deutlich nervöser als die Senioren”, erinnert sie sich. „Die haben schließlich so viel Lebenserfahrung. Wir wussten ja nicht, ob die uns überhaupt ernst nehmen.” Diese Befürchtung war unbegründet, wie sich schnell zeigte.

Mittlerweile haben die Treffen schon eine Art Eventcharakter. Auch gemeinsame Spiele stehen auf dem Programm. Sehr zur Freude des Seniorenheim-Leiters Heinz-Jürgen Kaußen. „Man spürt richtig, wie die alten Menschen aufblühen, die werden aktiv, schulen ihre Motorik.” Und haben einfach reichlich Spaß dabei.

Mehr von Aachener Zeitung