Nordkreis: Beruf des Schwimmmeisters: Viel mehr als nur am Beckenrand stehen

Nordkreis: Beruf des Schwimmmeisters: Viel mehr als nur am Beckenrand stehen

Es ist warm und laut im Keller des Freizeitbads Baesweiler. Es dröhnt regelrecht. Denn während die Badegäste oben gemütlich ihre Bahnen ziehen, wird durch die stattliche Anlage unter ihnen das Wasser permanent gereinigt und aufbereitet. Und Katharina Gehlen kann die Maschinen kontrollieren, die Chlor- und pH-Werte ablesen und einstellen, um die Wasserqualität sicherzustellen.

Gehlen ist 23 Jahre alt und absolviert eine Ausbildung zur Schwimmmeisterin. „Streng genommen zum Gesellen des Schwimmmeisters. Für den Meister muss noch eine gesonderte Lehre gemacht werden.“

Rund 26.000 „Fachangestellte für Bäderbetriebe“, so der korrekte Ausbildungstitel, arbeiten laut Angaben des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister (BDS) in rund 6500 Schwimmbädern in Deutschland.

Unverzichtbar

BDS-Präsident Peter Harzheim fürchtet um die Zukunft des Berufs. „Uns gehen die Fachkräfte aus“, sagt er. Das Problem sei das falsche Bild, das viele von der Arbeit hätten, aber auch das Gehalt. Harzheim: „Die etwa 2300 Euro brutto können der Familienplanung schon in die Quere kommen.“ Auf Fachkräfte könne man aber nicht verzichten. Oft werde die Aufsicht am Beckenrand durch Rettungsschwimmer des DLRG verstärkt — „das sind fähige gute Helfer“, sagt Harzheim. Aber zum Schwimmmeister gehöre eben noch mehr. „Ich finde auch, dass unsere Gäste es verdient haben, dass eine ausgebildete Fachkraft vor Ort ist.“

Auch Katharina Gehlen ist aufgefallen, dass in ihrer Klasse derzeit nur zwölf junge Menschen ausgebildet werden. Ihre Schule in Köln soll auch die Region mit ausgebildeten Fachkräften für Bäderbetriebe versorgen. „Das sind viel zu wenige Auszubildende“, sagt Gehlen. Insofern habe sie sich einen Job mit Perspektive ausgesucht. „Man muss natürlich gute Noten schreiben, damit man einen guten Arbeitsplatz bekommt.“ Dann könne man auch besser verdienen — in einem öffentlichen oder in einem privaten Bad zu arbeiten, mache beim Gehalt einen „relevanten Unterschied“, weiß Gehlen. Aber im Einkommen sieht sie weniger den Grund, dass es bei den Schwimmmeistern Nachwuchsprobleme gibt: „Ich glaube, viele wissen nicht mal, dass dies ein richtiger Ausbildungsberuf ist.“

Oft wird den Schwimmmeistern unterstellt, ihr Job bestehe nur daraus, am Beckenrand zu sitzen und nach den schwimmenden Gästen zu gucken. Das ist aber bei weitem nicht so: Katharina Gehlen ist deswegen auch stolz auf ihre Arbeit. Sie weiß aus eigener Anschauung: „Es gehört viel mehr dazu, als den meisten bewusst ist. Der Beruf ist nämlich sehr vielseitig.“ So kann die junge Frau mittlerweile Erste Hilfe leisten, sie ist Animateurin bei Kindergeburtstagen und Kursen, Trainerin bei Fitnesskursen und sie kümmert sich zudem mit um die Instandhaltungen der Technischen Anlagen.

In der Schule lerne sie viel über chemische Reaktionen, Aufbau und Besonderheiten eines Bades und dessen Technik, rechtliche Hintergründe und darüber hinaus auch noch Eventmanagement. „Vor allem aber die richtige Technik beim Schwimmen, Tauchen und Springen — und nicht zuletzt natürlich: Leben retten!“

Gehlen lernt in der Berufsschule auch, verschiedene Krankheitsbilder zu erkennen und wie man darauf reagiert. Sie muss sofort sehen, wenn jemand gesundheitliche Probleme, etwa einen Sonnenstich, hat. Und muss ihn gleich auch richtig behandeln können. Es komme hin und wieder durchaus vor, dass es einem Gast nicht gut geht, dann sind die Fachangestellten gefordert.

„Vor der Technik hatte ich aber am meisten Respekt“, sagt Gehlen. Das Wasser, das über den Beckenrand fließt, wird in eine Filteranlage geleitet und dort gereinigt. Größere Rückstände werden ausgesiebt, kleinere und auch flüssige Verunreinigungen werden mit einem Flockungsmittel entfernt, ebenso kommt Frischwasser dazu und erst dann das Chlor. „Pro Gast muss 30 Liter Frischwasser zugeführt werden.“ Die Geräte müssen regelmäßig kontrolliert werden, damit sich die Schwimmer stets in sauberem Wasser bewegen können.

Auch handwerkliche Begabung darf nicht fehlen: „Wenn im Bad etwas kaputt geht, eine Spindtür beispielsweise, dann versuchen die Angestellten, sie erst einmal selbst zu reparieren.“ Diese Vielfalt macht‘s: Katharina Gehlen kann sich eigentlich nicht mehr vorstellen, woanders zu arbeiten.

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