Baesweiler: Bernd Kockerols ist seit über drei Jahrzenten der St. Martin

Baesweiler: Bernd Kockerols ist seit über drei Jahrzenten der St. Martin

Laternen sind gebastelt, die Lieder eingeübt und tausende Kinder im Nordkreis freuen sich auf die Martinszüge. Immer mit dabei: St. Martin, hoch zu Ross, gekleidet in einem roten Mantel. Bernd Kockerols aus Oidtweiler stellt diese Figur seit 1981 dar. Wie im Ort ein Martinsabend abläuft, was ihm die Kinder für Fragen stellen und was er vom Vorschlag der Linkspartei NRW hält, statt St. Martin ein konfessionsloses „Sonne, Mond und Sterne”-Fest zu feiern, hat er erzählt.

Wie kam es dazu, dass Sie die Rolle des St. Martin übernahmen?

Kockerols: In Oidtweiler ist es so, dass jedes Jahr jeder Verein reihum jemanden stellen musste, der das übernahm. Nie wollte jemand so richtig. Ich war im Junggesellenverein und als wir an der Reihe waren, fiel die Wahl auf mich. Dabei ist es geblieben.

Bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor?

Kockerols: Nicht wirklich. Wir haben das leider nie mit dem Mantelteilen gemacht und eine Rede gibt es auch nicht.

Unterwegs sind Sie mit einem Pferd.

Kockerols: Ja, aber da das Pferd nur Schritt geht, braucht man vorher keine Reitstunden. Ich reite erst im Zug vorne weg, später bin ich manchmal in die Mitte, damit die Kinder auch etwas sehen können. Man muss natürlich vorsichtig sein. Darum achte ich immer auf genügend Abstand. Aber das Pferd — das wird von Hermann-Josef Winkens gestellt — ist ein erfahrenes Tier.

Wie läuft ein Martinsabend in Oidtweiler ab?

Kockerols: Organisiert wird das vom Ortsring mit Hilfe der Feuerwehr und der Blaskapelle Oidtweiler. Wir gehen von der Eschweiler Straße bis zur Bahnhofstraße, da kommt der katholische Kindergarten dazu. Weiter geht es bis zum DRK-Kindergarten und noch etwas durch den Ort bis zur Turnhalle. Dort ist dann das Feuer.

Und anschließend?

Kockerols: Gibt es Brezeln. Die verteile ich — zumindest dann, wenn die Eltern warten. Ich würde gerne jedem Kind selbst die Brezel schenken, aber manche Eltern sind zu schnell, haben es eilig, und dann bekommen die Kinder das Gebäck von einem Feuerwehrmann.

Wie ist dieser persönliche Kontakt mit den Kindern?

Kockerols: Das ist das Tollste an dem Tag. Viele wollen wissen, wo das Pferd steht, einige malen mir auch schon mal ein Bild. Manche sind schüchtern und warten, bis alle Brezeln verteilt sind und kommen dann wieder, um mir ihre Frage zu stellen.

Apropos Kinder: Sie selbst sind Vater von zwei Kindern. Wussten die damals, dass Sie der St. Martin sind?

Kockerols: Bei meinen Nichten hat man noch versucht, ihnen zu erzählen, dass nicht ich das bin, aber das hat nicht lange geklappt. Bei unseren Kindern haben wir das nicht gemacht. Sie bekamen auch mit, dass ich mir den roten Mantel anzog. So hatten sie zwar nicht dieses Erlebnis, den St. Martin zu treffen, aber vielleicht waren sie dafür ein bisschen stolz darauf, dass ihr Papa das machte.

War das St. Martinsfest, das Sie als Kind feierten, anders als das Fest heute?

Kockerols: Es war nicht anders aber sehr viel kleiner, überschaubarer. Ich finde es toll, dass so viele Leute hier mitmachen und ich schätze, dass um die 100 Leute mithelfen. Viele stehen vor ihrer Haustür, wenn der Martinszug vorbei geht. Schön, dass ein Ort so dazu steht.

Die Linkspartei NRW hat mit ihrem Vorschlag, den St. Martin als zentrale Figur abzuschaffen und ein konfessionsloses „Sonne, Mond und Sterne“-Fest zu feiern, eine Diskussion ausgelöst. Wie bewerten Sie diese Idee?

Kockerols: Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Ich finde das Martinsfest nicht anstößig. Vor allem hinterfragen nicht die Kinder das Fest, sondern die Eltern. Wenn wir jetzt alles in die Waagschale werfen, geht zu viel verloren. Das finde ich sehr schade. Alles andere sollte man natürlich tolerieren, aber das Eigene darf nicht verloren gehen. Die Kinder bereiten sich auf das Fest vor und haben viel Spaß daran, davon bin ich überzeugt. Man sieht an der großen Teilnehmerzahl, dass das Fest eine große Akzeptanz hat. Warum gibt es dann so eine Diskussion?

Welche Tugenden möchten Sie als St. Martin den Kindern weitergeben?

Kockerols: Der Oberbegriff ist das Teilen. Ich finde es schön, dass durch ein Fest der Begriff in den Mittelpunkt gelegt wird. Die Gemeinschaft und Teilen — ich finde, das gehört zusammen. Das geht jeden an, und wenn eine Diskussion durch ein Fest angestoßen wird, ist das gut. Hier klagen viele auf hohem Niveau, wenn man sieht, was sonst auf der Welt für Armut herrscht. Ich weiß, dass ich als St.- Martin nicht die Welt verändern kann, aber es ist mir ein Anliegen.

Können Sie sich in dem Zusammenhang an ein Beispiel erinnern?

Kockerols: Wir hatten in einem Jahr zu wenig Brezeln. Da mussten wir dann tatsächlich einige in der Mitte durchschneiden. Das war für die Kinder eine Herausforderung aber es hat gut geklappt.

Was meinen Sie — wie lange machen Sie noch den St. Martin?

Kockerols: Wenn es unbedingt mal jemand machen will, dann würde ich das abgeben. Aber sonst... Ich sage immer: „So lange ich noch aufs Pferd komme, mache ich weiter.“ Aber das denke ich eher nicht. Ich mache das jetzt im 32. Jahr — vielleicht mache ich noch die 40 voll.