Beratungsstelle Anker in Alsdorf zieht Bilanz 2019

Beratungsstelle : Anker bleibt in Alsdorf bei familiären Fragen aktiv

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter den Verantwortlichen des Alsdorfer Beratungszentrums der Diakonie in der Otto-Wels-Straße.

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter den Verantwortlichen des Alsdorfer Beratungszentrums der Diakonie in der Otto-Wels-Straße. Während die untergeordnete Fachstelle „Sexuelle Gewalt“ geschlossen und in das Angebot der Caritas sowie der Städteregion (Kohlscheid) überführt wurde, feilte man an einer Konzeptänderung in Alsdorf.

Die „Anlauf- und Beratungsstelle für Kinder, Eltern und Ratsuchende“, kurz „Anker“, hat den Wandel gut überstanden. Unlängst stellte Einrichtungsleiterin Renate Wallraff unserer Zeitung das modifizierte Angebot der Diakonie in Alsdorf vor. „Der Anker bleibt der Stadt natürlich weiterhin erhalten“ – Wallraff erteilte etwaigen anderslautenden Gerüchten eine klare Absage.

Kapazitätsgründe und Umstrukturierungen seien ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen. Auf „taube Ohren“ werden Hilfesuchende in Alsdorf selbstverständlich nicht stoßen. Über die eng gestrickten Kontakte sei eine reibungslose und schnelle Weitervermittlung zu jeder Zeit gewährleistet. Der „Anker“ wird seinen Arbeitsschwerpunkt in der Bekämpfung von physischer und psychischer Gewalt sowie Verwahrlosung von Minderjährigen setzen. Das überarbeitete und ausdifferenzierte Konzept solle laut Wallraff schnellstmöglich bekannt gemacht werden – eine Einbeziehung der Alsdorfer Bildungseinrichtungen zur „Werbung und Akquise“ ist geplant. „Wir sind speziell für Alsdorf da“, erläuterte Wallraff.

Der optimale Fall einer präventiv genutzten Beratung seitens der Eltern kommt laut den beiden Sozialarbeiterinnen Claudia Jansen und Monique Kannewurf leider nur selten vor. „Oft wenden sich Betroffene erst an uns, wenn es fünf vor zwölf ist“, erzählte uns Jansen. Die zweifache Mutter ist seit März 2018 beim „Anker“ dabei und war von September bis zum Jahreswechsel alleine für den Fachbereich verantwortlich. Ihre Kollegin Kannewurf stieß zum 1. Januar hinzu. Sowohl Eltern als auch Kinder sollen in den Räumen im Alsdorfer Zentrum ein sicheres Umfeld finden. Erst wenn eine Vertrauensbasis hergestellt ist, sei eine Kollaboration mit den Eltern möglich.

Häufige Fälle drehen sich um familiäre Streitigkeiten – besonders im Trennungsfall. Die Umgangsregelung sei laut den Sozialarbeiterinnen ein risikobehaftetes Feld. Viele Kinder leiden unter den Unstimmigkeiten, eine Ehe- oder Lebensberatung könne der „Anker“ jedoch nicht anbieten. Paare müssen in diesem Falle andere Angebote nutzen. Den „moralischen Zeigefinger“ will das Team nicht zeigen, ein lösungsorientierter Ansatz sei der Schlüssel zu einem langfristigen Erfolg. Enge Vernetzungen zu spezialisierten Beratungsstellen bilden auch hier die Grundlage für ein weitreichendes Hilfeangebot. Die Eltern zeigten sich in den meisten Fällen als sehr kooperativ, erläuterte Kannewurf.

Selbst bei gerichtlich angeordneter Inanspruchnahme der Beratung würden die zunächst „unfreiwillig“ kommenden Personen schnell auftauen. Viele fassen in kurzer Zeit Vertrauen und nutzen das Betreuungsprogramm über einen längeren Zeitraum. Auch mit dem Jugendamt verbindet das Beratungszentrum eine enge Kooperation. Teilweise werden Fälle von dort an den „Anker“ vermittelt. Da es sich bei diesem um einen freien Wohlfahrtsverband handelt, ist eine Abgrenzung zum Amt gewährleistet. Vielen würde auch eine unterschwellige Angst genommen.

Es gibt für die Beratungsangebote keine zeitliche Begrenzung. Probleme können detailliert und ohne Zeitdruck an der Wurzel gepackt werden. Eine separate Flüchtlingsberatung gibt es zur Zeit nicht, allerdings fungiert das in der Luisenpassage beheimatete „Café KIWI“ der Diakonie als Treffpunkt verschiedenster Kulturen. Eine niederschwellige Kontaktaufnahme und Terminvermittlung in zwangloser Atmosphäre würden den Gästen helfen, sich bei Problemen professionelle Hilfe zu holen.

Wallraff betonte, dass die Beratungen in Erziehungsfragen den Eltern gegenüber neutral geführt werden. Weder Vater noch Mutter sollen bevorteilt werden, vielmehr wird gemeinsam herausgearbeitet, welche Lösung die beste für das Kindeswohl ist. Für gewöhnlich werden zu Beginn der Beratung drei bis fünf Termine angesetzt. Die Unsicherheiten von Eltern betreffen beispielsweise Taschengeld, Handy, Social Media oder die zeitliche Begrenzung des Ausgangs. Besonders das Themenfeld der Social Media nehme einen stetig größer werdenden Teil ein. Wichtig für Eltern sei es, klare Grenzen zu ziehen.

Die „Anlauf- und Beratungsstelle für Kinder, Eltern und Ratsuchende“ der Diakonie, kurz „ANKER“, befindet sich in der Otto-Wels-Straße 2b, 52477 Alsdorf, 02404/94950. Das Angebot ist auf Alsdorf beschränkt. Internet: www.anker-alsdorf.de. Telefonische Erreichbarkeit: montags bis freitags von 9 Uhr bis 16 Uhr. Termine gibt es nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten.

(yl)
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