Herzogenrath: Beim Staffellauf nach Plérin drei Tage und Nächte lang unterwegs

Herzogenrath : Beim Staffellauf nach Plérin drei Tage und Nächte lang unterwegs

Pünktlich zum geplanten Startschuss um 8.30 Uhr öffnete der Himmel am Donnerstag seine Schleusen und setzte den Ferdinand-Schmetz-Platz mit einem kräftigen Schauer unter Wasser. Ein schlechtes Omen wollten die Sportler der DJK Siegfried Jung aber nicht erkennen.

Als sich wenige Minuten später die Sonne wieder ihren Weg zurück durch die Wolken suchte, konnte dann endlich der Startschuss zu einem Sportevent der besonderen Art abgegeben werden.

Vor 27 Jahren hatte sich zum ersten Mal eine DJK-Delegation zu Fuß in die Bretagne aufgemacht. Die Stadt Plérin — Partnerstadt von Herzogenrath — sollte binnen drei Tagen erreicht werden. Was damals grandios klappte, soll nun endlich wiederholt werden.

Als Heike Herma sich zusammen mit Astrid Schoenen und Christiane Meer Ende 2016 ins Goldene Buch der Stadt eintragen durften — die drei Sportlerinnen hatten die Deutsche Meisterschaft in der Damen-Staffel errungen — wurde aus einem Smalltalk mit Bürgermeister Christoph von den Driesch schnell ein handfestes Vorhaben.

Sechs-Stunden-Rhythmus

Gut ein Jahr haben die Vereinsverantwortlichen um den Vorsitzenden Dr. Rainer Herma mit den intensiven Vorbereitungen verbracht. Einige „Veteranen“ von damals sind immer noch aktiv bei der DJK und standen mit Rat und Tat zur Seite. „Wie damals werden die Läufer in drei Gruppen eingeteilt, die sich im Sechs-Stunden-Rhythmus abwechseln“, verriet Herma. Der Staffelstab werde jeweils weitergegeben.

Die 880 Kilometer lange Strecke ist im Vorfeld bis in den letzten Winkel analysiert und unterteilt worden. Beide Läufergruppen, die jeweils nicht im Einsatz sind, werden von den vereinseigenen Begleitfahrzeugen zum nächsten Übergabepunkt gefahren. Hotels an der Strecke dienen als Schlafort in den jeweils 12 Stunden andauernden Ruhezeiten.

Wichtige Erfahrungen von damals

„Wir konnten natürlich auf die wichtigen Erfahrungen von damals zurückgreifen. In der Planung gab es dadurch weniger Fragezeichen“, erläuterte Läuferin und Mitorganisatorin Gisela Schulz. Der Begleittross wird außerdem für die perfekte Versorgung der Sportler zur Verfügung stehen. Kraftriegel, isotonische Getränke oder Blasenpflaster — ähnlich wie bei der Tour de France wird für jedes nur erdenkliche Problem in Sekundenschnelle eine Lösung gefunden. Sollte einem Läufer dann doch einmal die Puste ausgehen, wird er von den Fahrzeugen aufgenommen.

Der Sechs-Stunden-Rhythmus ist laut Organisator Robert Zanders nicht zufällig gewählt worden: „Da die Staffel durchgehend getragen wird, wollten wir verhindern, dass ein Team ausschließlich in der Nacht laufen muss.“ Zwischen 8000 und 10.000 Euro beläuft sich der Gesamtaufwand für die Tour — ehrenamtliches Engagement nicht mitgerechnet. Während die Läufer einen Eigenanteil für ihre Teilnahme bezahlten, unterstützt sowohl die Stadt Herzogenrath als auch das Partnerschaftskomitee das Projekt finanziell.

Laut Vorsitzendem Herma waren die Läufer von der Idee sofort begeistert, das Gesamtteam von 50 Läufern binnen weniger Tage zusammengestellt. Schwieriger gestaltete sich die Sponsorensuche. „Letztendlich haben wir auch in diesem Bereich gute Lösungen gefunden, so dass wir die finanzielle Belastung ohne Probleme tragen können“, erklärte Zanders.

Durch ganz Frankreich

Den leicht verzögerten Startschuss gab der Bürgermeister im Beisein von Reinhard Granz, dem Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees, sowie den Vertretern des Stadtsportverbands Ludwig Bergstein und Gerd Szymczak. Die Nachwuchsgruppe der DJK stellte sich dem ersten Streckenabschnitt durch die steilen Anstiege der belgischen Ardennen.

Der Plan sah die Ablösung durch die „älteren Semester“ der DJK am Donnerstagnachmittag vor. Und die erste Nachtschicht wartete dann auf die mittlere Generation der DJK, die außerdem von zwei Läufern der DJK Elmar Kohlscheid unterstützt wird. Diese „erste Runde“ markiert die Bewältigung der belgischen und französischen Ardennen.

Am Sonntag ist die geplante Ankunft im bretonischen Plérin. Die letzte Laufgruppe wird vom örtlichen Radsportverein sowie den Läufern der LPA Plérin abgeholt und sicher in die Gefilde der Stadt gebracht.

In ihren leuchtend gelben Trikots läuft die DJK-Delegation dann noch drei Kilometer gemeinsam mit den Freunden aus Plérin dem Rathaus und den beiden Bürgermeistern von den Driesch und Ronald Kergouan (Senator der Stadt Plérin) entgegen. In der Bretagne erwartet die Gäste ein buntes Rahmenprogramm, ehe man sich am Dienstag wieder auf den Weg in die Heimat macht.

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