Neustrukturierung: Bebauungsplan für die Vetrotex-Brache

Neustrukturierung: Bebauungsplan für die Vetrotex-Brache

Er ist 15 bis 18 Zentimeter groß, wiegt 25 bis 55 Gramm und war Vogel des Jahres 1993: der Flussregenpfeifer. Laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz gilt er in NRW als „mittelhäufiger Brutvogel“. Ausgerechnet auf dem ehemaligen Vetrotex-Gelände hat er sich offenbar angesiedelt, wie sich jetzt im Zuge des Bebauungsplanverfahrens herausgestellt hat.

Was aber den weiteren Prozess nicht stören soll, vielmehr soll das geschützte Federvieh anderswo eine neue Heimat bekommen, entsprechende Maßnahmen sollen mit der Naturschutzbehörde abgeklärt werden. Sicherheitshalber hat dies der Umwelt- und Planungsausschuss in Ergänzung zum Offenlagebeschluss in seiner jüngsten Sitzung noch ergänzend festgelegt. In Abstimmung mit der Städteregion soll eine Ausgleichsfläche für den Flussregenpfeifer gefunden werden. Ansonsten herrschte durchweg Freude darüber, dass die Industriebrache bald wieder komplett mit neuem Leben gefüllt ist — in Form einer „wohngebietsverträglichen, gewerblichen Neustrukturierung“. Dr. Manfred Fleckenstein (SPD): „Wir sind froh darüber, dass es soweit ist.“

Der Flussregenpfeifer: Im Juni war auf der Vetrotex-Brache ein Paar mit Jungtieren beobachtet worden, das Revierverhalten zeigte und von den Jungen ablenken wollte. Da die Jungtiere noch nicht flugfähig waren, so der Umweltbericht, sei von einer Brut im Plangebiet auszugehen. Foto: Colourbox

Von Anfragen „überrannt“

Längst als Wohngebiet bebaut ist der ehemalige Betriebsparkplatz im Zuge des Bebauungsplans Dahlemer Straße. Und Bautätigkeit herrscht auch schon auf der 15 322 Quadratmeter großen Teilfläche 1 des angestrebten „Innovations- und Gewerbeparks“, der Streifen entlang der Bicherouxstraße, der nach Paragraph 34 Baugesetzbuch und in Übereinstimmung mit einer eigens dafür erarbeiteten Gestaltungsrichtlinie bebaut wird.

Für die rund doppelt so große Teilfläche 2 im hinteren Bereich geht jetzt der Bebauungsplan in die Offenlage (ab Dienstag, 18. September, Planungsamt, Rathaus, 3. Etage). Stefan Becker (CDU) freute sich, dass Herzogenrath als Wirtschaftsstandort so attraktiv ist und von Anfragen „überrannt“ werde.

Belange des Naturschutzes interessierten nichtsdestotrotz: So fragte Katharina Herzner (Grüne) nicht nur nach besagtem Flussregenpfeifer, sondern wollte auch wissen, ob die Naturschutzverbände einbezogen worden seien, ob der „Grenzgraben“ im nördlichen Teil des Plangebiets, dessen Öffnung in Rede gestanden habe, nun tatsächlich doch verrohrt bleibe und wie es mit der zu erwartenden Verkehrsbelastung an der Kreuzung Bicheroux-/Dammstraße aussehe, die auch jetzt schon „eine der unangenehmsten“ in der Stadt sei. Tatsächlich zunächst verrohrt bleiben solle der Grenzgraben, bestätigte der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, „prinzipiell“ aber bestehe die Möglichkeit einer Öffnung.

Dazu aber stehe noch eine Reihe an Untersuchungen aus — vor allem, so gab er zu bedenken, die Ermittlung der Kosten, die beträchtlich sein dürften: Denn im hinteren Teil verlaufe der verrohrte Bereich tief und wäre nur aufwändig anzuheben. Die Untere Wasserbehörde und der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) hätten die Öffnung im Übrigen nicht gefordert. Die Naturschutzverbände, so Migenda weiter, würden über das übliche Verfahren zentral beteiligt. Was die Verkehrsentwicklung angehe, so werde derzeit eine Untersuchung fertiggestellt. Generell, so Migenda, habe er nach aktuellem Stand keine Hinweise auf eine Verschlechterung der Situation für die Fußgänger im besagten Kreuzungsbereich; eine Verschlechterung sei auch nicht im Sinne der Verwaltung.

Ausgleichsflächen

Irritationen gab es bei Bruno Barth (UBL) noch in Sachen Ausgleichsmaßnahmen: Denn die seien im Bereich Halde Adolf vorgesehen, wo es aber auch einen Teilbereich gebe, der zur Bebauung vorgesehen sei. Ob sich dies nicht beiße? Tut es nicht, stellte Manuela Heß, Amtsleiterin Stadtplanung und Verkehr, klar: „Die Flächen überlappen sich nicht.“ Stefan Becker zeigte sich mit dem Verweis darauf, dass ja auch noch eine zweite Ausgleichsfläche vorgeschlagen sei, zwischen Herzogenrath und Alsdorf, vertrauensvoll, dass hier richtig gehandelt werde.

Auf den ersten Blick mag der Laie überlegen, was im Zuge der Bebauung einer Industriebrache alles an wegfallender Natur auszugleichen sei? „Das darf man nicht unterschätzen“, sagt Ragnar Migenda auf Nachfrage und verweist auf den ökologischen Wert von Magerflächen, der vorliegende Umweltbericht spricht hier von „Schotterflächen mit lichtem Gras- und Krautaufwuchs“. Auf denen übrigens auch die „Blauflüglige Ödlandschrecke“ nachgewiesen wurde. Zudem, so Miganda, gehe es auch um den Grünzug über dem verrohrten „Grenzgraben“.

Mehr von Aachener Zeitung