Bauzeiten für Landesstraße 50n nicht einzuhalten

Gestaltungswunsch bringt Zeitplan durcheinander : Der Kreisverkehr bleibt vorerst Stückwerk

Das Wörtchen „eigentlich“ kommt recht harmlos daher, birgt aber viele Überraschungen. So auch bei dem im Bau befindlichen Kreisverkehr in Setterich. Er soll die Kreuzung von Landesstraße 225, Adenauerring und alter Bundesstraße 57 ersetzen sowie die Anbindung der neuen Umgehungsstraße L50n gewährleisten.

Denn die Arbeiten an dem Projekt werden nicht – wie „eigentlich“ geplant und fest vereinbart – Ende September abgeschlossen. Vielmehr muss die ausführende Firma an dem bislang nur zur Hälfte fertigen Kreisverkehr bis Januar 2020 eine Zwangspause einlegen.

Die Lücke, also die fehlende andere Hälfte Richtung L225, soll bis dahin noch auf die Schnelle ein Provisorium schließen, das im Zeitraum vom 1. bis 10. Oktober angelegt wird. Deshalb muss die L225 dort gesperrt werden, wie Klaus Erdorf vom Bauträger Straßen.NRW auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. Wie das?

„Eigentlich“ alles klar

Seit 2003 ist an dem Projekt gefeilt worden. Letztlich wurde in einem Planfeststellungsbeschluss „eigentlich“ alles haarklein vorbereitet, wie Peter Höppener, Geschäftsführer des von dem Projekt unmittelbar tangierten Gartenfachmarkts sagt, was auch von Straßen.NRW bestätigt wird. Höppener ist praktisch Vertragspartner des Landesbetriebs. Und die Kooperation besteht aus Geben und Nehmen.

Der Geschäftsmann ermöglichte, dass während der bisherigen Bauarbeiten der Fuß- und Radweg parallel zur alten Bundesstraße über den Kundenparkplatz geführt wird. Im Gegenzug nimmt Straßen.NRW Rücksicht auf die Belange des Gartencenters und hat feste „Bauzeitenfenster“ vereinbart, um das für Höppener wichtige Frühjahrsgeschäft und das Weihnachtsgeschäft – der entsprechende Fachmarkt wird bereits am 3. Oktober eröffnet – nicht zu beeinträchtigen.

„Für ein Unternehmen mit extremen saisonalen Umsatzschwankungen im Jahresverlauf ist es ‚kriegsentscheidend’, wann die unvermeidbare Beeinträchtigung des Kundenverkehrs stattfindet. Dies hat die Bezirksregierung eingesehen und die zeitliche Abstimmung zur Auflage gemacht“, erläuterte Höppener. Die Vereinbarung ist im Interesse „meiner ausnahmslos ganzjährig beschäftigten Mitarbeiter und unserer Kunden getroffen worden“, betonte er.

Und worauf ist die Verzögerung beim Bau des Kreisverkehrs zurückzuführen? Des Rätsels Lösung hat Straßen.NRW-Projektleiter Klaus Erdorf parat. Demnach meldete sich nach Baubeginn die Städteregion Aachen zu Wort und ordnete im Sinne der Barrierefreiheit ein Angleichen des Niveaus von Fuß- und Radweg im Bereich des Kreisverkehrs an. Deshalb musste nachträglich der Kreisverkehr etwas angehoben werden – mit gravierenden Auswirkungen.

Städteregion: Sicherheit wichtig

Das Entwässerungskonzept war dahin. Neue Abläufe mussten eingeplant und gebaut werden, bis zum Hauptsammler in vier Meter Tiefe. Versorgungsleitungen für Gas und Strom mussten umgelegt werden. Die in den Kreisverkehr einfahrenden Wagen müssen nun eine kleine Schwelle überfahren. Das alles erforderte mehr Zeit, als „eigentlich“ eingeplant war.

Und als Kettenreaktion wird auch die L50n nicht mehr in diesem Jahr in Betrieb genommen werden. Es macht laut Erdorf keinen Sinn, die Umgehungsstraße im Herbst in Betrieb zu öffnen, bevor der Kreisverkehr im Verlauf des ersten Quartals 2020 zu Ende gebaut worden ist. Der noch fehlende Lärmschutzwall am Adenauerring wird deshalb ebenfalls erst Anfang 2020 angelegt, ebenso wird die Anbindung der L50n an die bestehende L50 auf Höhe des Umspannwerks ausgeführt.

Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens sagte, die Stadt sei von der neuen Entwicklung erst vor wenigen Wochen informiert worden. Von der vertraglichen Verpflichtung gegenüber Höppener habe man nichts gewusst. „Wir können da nichts zur Beschleunigung unternehmen, weil das nicht unsere Baustelle ist“, bedauert er.

Der Sprecher der Städteregion Aachen, Detlef Funken, sagte, dass sich in der Tat seine Behörde in Person des Radverkehrsbeauftragten zuletzt unter den Aspekten Sicherheit und Barriefreiheit bei der Gestaltung des Kreisverkehrs eingebracht habe. Warum dies erst recht spät geschah, konnte Funken in der Kürze der Zeit noch nicht klären, will dies aber so schnell wie möglich als Information nachliefern. Funken warb indes für den Gedanken, dass Fragen der Sicherheit gerade für Fußgänger und Radfahrer angesichts schlimmer Unfälle nicht unterbewertet werden sollten – auch wenn dies zu Verzögerungen führen sollte.

Das erscheint nachvollziehbar – „eigentlich“...

Mehr von Aachener Zeitung