Herzogenrath: Bau des neuen Stadtteils verzögert sich weiter

Herzogenrath: Bau des neuen Stadtteils verzögert sich weiter

Ein Baubeginn im Spätsommer 2018 war noch im Oktober vergangenen Jahres als zwar ehrgeizig, aber dennoch im Bereich des Möglichen gehandelt worden.

Daraus wird nun definitiv nichts, spätestens seit der jüngsten Sondersitzung des Umwelt- und Planungsausschusses ist auch öffentlich, dass es eine weitere Verzögerung bei der Umsetzung des unter der Ägide der Grundstückentwicklung Herzogenrath GmbH (GEG) stehenden größten Bauvorhabens der Stadt auf dem rund 14 Hektar großen Plangebiet am südlichen Rand Merksteins geben wird.

Zwar sind im Ausschuss sowohl die noch notwendige Änderung des Flächennutzungsplans als auch der Bebauungsplan III/31 „An der Herrenstraß“ einstimmig abgesegnet worden. Doch auf die bewusst platzierte Nachfrage von Stefan Becker (CDU/Mitglied der GEG-Gesellschafterversammlung) wurde auch offenbar, was Politik, Stadt und GEG schon vor den Sommerferien abgenickt haben: Für die nun anstehende Ausführungsplanung des Vorhabens, das rund 300 Wohneinheiten — Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser — umfasst, gibt es zurzeit kein Ingenieurbüro.

Vor den Ferien sei „der Vertrag des Ingenieurbüros aufgekündigt“ worden, so Becker, der GEG-Geschäftsführer Markus Schlösser zwecks weitergehender Erläuterungen im Ausschuss auf die Verwaltungsbank bat. Die Kündigung sei durch den „Auftragnehmer“ erfolgt, wie Schlösser — ebenfalls verklausuliert — darlegte, das sei überraschend gekommen und habe die GEG „hart getroffen“. Aufgrund der Hochkonjunktur auf dem Bausektor würden sich Angebote für diese neu zu vergebende Aufgabe „in Grenzen halten“.

Vier Angebote lägen zwar zwischenzeitlich vor, allesamt „preislich unattraktiv“, aber für eines von ihnen werde man sich entscheiden. Über die weitere Zeitschiene lasse sich noch nicht viel sagen, wahrscheinlich erst Anfang des Jahres, so Schlössers Schätzung, könne mit den Planungen begonnen werden. Vor Februar/März sei wohl keine Vermarktung möglich.

Im Klartext: Bei besagtem „Ingenieurbüro“ handelt es sich um das städtische Tiefbauamt. Warum der Vertrag im Juli aus dem Rathaus heraus aufgekündigt wurde, erläutert der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda auf Nachfrage unserer Zeitung: Selbstverständlich, so führt er aus, erledige die Stadt derartige Ausführungsplanungen „am liebsten“ selbst.

Termindruck durch Förderfristen

Des „garantiert guten“ Ergebnisses, der kurzen Dienstwege und nicht zuletzt der willkommenen Einnahme als Auftragnehmerin wegen. Und auch für die GEG sei diese Konstellation unter anderem aufgrund der „eingespielten guten Zusammenarbeit“ von Vorteil. „Aber wir haben die Reißleine ziehen müssen“, so Migenda weiter mit Blick auf die momentane Fülle planerischer Aufgaben. Zu nennen sind da — neben Maßnahmen im Zuge des Konjunkturpakets 2 — der Bebauungsplan Langenberg samt Verkehrskonzept, dazu die Überplanung der Knotenpunkte Roermonder Straße-Dornkaul respektive Kaiserstraße sowie das Wohnbaugebiet Kämpchenstraße, Teil B.

Dazu kommen verkehrstechnische Anpassungen im Bereich des Supermarktes an der Kirchrather Straße, wo die Baugenehmigung für einen neuen Drogeriemarkt erteilt worden ist. Zudem Maßnahmen auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz sowie die Wurmpromenade im Zuge des „Integrierten Handlungskonzepts“ Innenstadt. Und nicht zuletzt die Zuwegung für das neue Hallenbad auf Höhe Forensberg, das Verkehrskonzept an der Bicherouxstraße, wo im Zuge des Bebauungsplans I/56 zur „wirtschaftlichen Revitalisierung, Schaffung neuer Arbeitsplätze und Vermeidung städtebaulicher Missstände eine wohngebietsverträgliche, gewerbliche Neustrukturierung“ des ehemaligen Vetrotex-Geländes erfolgen soll (der Offenlagebeschluss ist in der Sondersitzung des Ausschusses ebenfalls erfolgt).

Auf die Frage unserer Zeitung, ob der personelle Engpass nicht eher absehbar gewesen sei, verweist Migenda auf die bereits aufgestockte Zahl an Ingenieuren (vier plus ein Verkehrsingenieur) und eine „absolute Spitzenbelastung“, wie es sie zumindest in seiner Amtszeit noch nicht gegeben habe. Und die auch auf kurzfristig entstandenen Termindruck zurückgehe, der sich durch die Fristen diverser Förderprogramme ergeben habe. Dass unterstützend externe Büros engagiert werden, sei überdies nichts Ungewöhnliches, so Migenda mit dem Hinweis, dass Ingenieure auch in der freien Wirtschaft derzeit „Mangelware“ seien.

Das Tiefbauamt hatte das Baugebiet Herrenstraß von Anfang an begleitet, auch die Entwurfsplanung erstellt. Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe der Erschließungsarbeiten stehen nun aus. „Eine sehr unbefriedigende Situation“, drängte Stefan Becker, das Ganze schnellstmöglich abzuwickeln. Und richtete den Blick gar auf die EZB und den Leitzins: Falls der zwischenzeitlich erhöht würde, wäre dies für Bauwillige teuer ...

Beigeordneter Migenda legte unserer Zeitung unterdessen dar, dass zu Markus Schlössers Zeitschätzung in Sachen Vermarktungsbeginn „das letzte Wort noch nicht gesprochen sei“.

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