Bahnbrücke über die Kleikstraße soll von Künstler bemalt werden

Bahnbrücke über der Kleikstraße : Altes Provisorium mutiert zum „Kunstwerk“

Jahrzehntelang war die alte Bahnbrücke über Kleik- und Glasstraße in Herzogenrath einfach nur ein Ärgernis – laut und unansehnlich. Lärmschutzmaßnahmen brachten vor Jahren eine Verbesserung, jetzt soll das Provisorium aus den 1950ern auch noch optisch aufgewertet und damit zum „Kunstwerk“ werden.

Eine Umbuchung war der Grund für die jüngste Dringlichkeitsentscheidung im Rathaus. Es ging um 95.000 Euro für die gestalterische Aufwertung der Bahnbrücke Kleikstraße, eine Maßnahme im Zuge des sogenannten Integrierten Handlungskonzepts (InHK) für die Innenstadt. Der Posten war im Haushaltsplan konsumtiv veranschlagt, unter dem Produkt „Unterhaltung, Neubau von Straßen, Straßenbeleuchtung“.

Das Berliner Büro „Creative Stadt“ soll mit Planungs- und Ausführungsleistungen beauftragt werden, das in Trompe-l’oeil-Technik bundesweit bereits beeindruckende Arbeiten vor allem zur Verschönerung eintöniger Fassaden geschaffen hat. In Herzogenrath geht es darum, den düsteren Bereich unter der Bahnbrücke zu erhellen, zum einen, um optisch den „Charakter eines Angstraums zu nehmen“, und zum anderen, um eine Verknüpfung der oberen mit der unteren „Kleik“ zu schaffen. Illusionistische Wandbilder sollen dazu beitragen.

Nach Auffassung der örtlichen Rechnungsprüfung ist eine solche Gestaltungsmaßnahme investiv als „städtisches Kunstwerk“ zu buchen. Weshalb ein Ratsbeschluss über außerplanmäßige Ausgaben nötig wurde, um die im Mai in nichtöffentlicher Sondersitzung des Umwelt- und Planungsausschusses beschlossene Beauftragung besagten Büros überhaupt zu ermöglichen.

Die Dringlichkeit des Entscheids begründet die Verwaltung mit dem späten Eingang des Bewilligungsbescheids im November 2018, wodurch ein hoher Zeitdruck bei der Umsetzung der vorgesehenen Fördermaßnahmen bestehe. Die Brückenmaßnahme ist in voller Höhe als zuwendungsfähig eingestuft worden, was bedeutet, dass von den veranschlagten 95.000 Euro 70 Prozent über Städtebaumittel refinanziert werden. Die für die Stadt verbleibende Restsumme (28.650 Euro) soll über Minderausgaben bei der Platzgestaltung Kleik-/Uferstraße/Wurmpromenade gedeckt werden.

Zudem bedürfe das Brückenprojekt einer aufwendigen Vorplanung, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda auch gegenüber unserer Zeitung darlegt. Zum einen muss die Deutsche Bahn die Substanz des nach dem Krieg zunächst als Provisorium errichteten Brückenbauwerks jederzeit auf etwaige Schäden hin überprüfen können. Das heißt, dass etwa eine Verkleidung nicht in Frage kommt. Zum anderen, so Migenda, trete durch das massive Fundament Feuchtigkeit aus, müssten die verwendeten Farben demnach atmungsaktiv sein.

Das Berliner Büro verfüge in dieser Hinsicht über große Erfahrung. Sobald konkrete Lösungsansätze vorliegen, werde wieder der Fachausschuss befasst und im Anschluss die Bürgerschaft zwecks Motivfindung. Die Brücke ist auch Bestandteil des Beleuchtungskonzepts, das die City ins rechte Licht rücken soll. Umweltfreundlich, mit LED, die insektenschonend installiert werden, wie Migenda betont. Ergänzend wird der Betonkomplex unter der Brücke abgerissen, zugunsten von Wohnbebauung, einer Freifläche und eventuell einem Café.

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