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Wer will Bürgermeister Dr. Willi Linkens in Baesweiler beerben?

Karten noch nicht aufgedeckt : Schattenspiele um Spitzenkandidaten in Baesweiler

Seit Jahrzehnten ging es bei Kommunalwahlen in Baesweiler praktisch nur um die Frage, wie viel Prozentpunkte „Dauerbrenner“ Dr. Willi Linkens bei der Wiederwahl als Bürgermeister einfährt und wie stark die CDU-Mehrheit im Stadtrat davon profitiert. Nun aber werden die Karten neu gemischt, denn „des Volkes Willi“ will mit Blick auf sein Alter nicht mehr antreten.

Auch der einzige Gegenkandidat bei der Bürgermeisterwahl im September 2015, SPD-Mann Dr. Karl Josef Strank, wird nicht erneut als Spitzenkandidat zur Verfügung stehen, wie er auf Nachfrage sagt. Strank holte seinerzeit 17,4 Prozent, Linkens triumphierte mit 82,5 Prozent. „Ich habe meinen Beitrag in der damaligen Situation geleistet“, sagt jetzt Strank, ganz Parteisoldat, zurückblickend. „Aber wir werden natürlich wieder einen eigenen Kandidaten aufbieten.“

SPD „outet“ sich am 17. November

Das bestätigt SPD-Ortsvereinsvorsitzender Tobias Römgens. „Im Vorstand haben wir uns bereits auf eine Person geeinigt und werden unsere Empfehlung bei der Mitgliederversammlung am Sonntag, 17. November, im Pfarrhein Oidtweiler offiziell vorstellen.“ Beginn der Versammlung ist um 15 Uhr. In die Karten will sich Römgens bis dahin nicht schauen lassen, auch nicht sagen, ob es Bube oder Dame ist. Er schiebt aber auf die Frage, ob denn eine Verwaltungsfachkraft mit Stallgeruch von außen geholt wird, nach: „Es kommt niemand von außerhalb, es ist jemand aus Baesweiler“. Die Nominierung ist für eine weitere Versammlung Anfang nächsten Jahres vorgesehen, wenn auch die Kandidatenliste für die Ratswahl aufgestellt wird.

Ganz andere Sorgen als die Aufstellung eines eigenen Bürgermeisterkandidaten haben die Grünen, wie Fraktionschef Rolf Beckers sagt. „Wir würden uns freuen, wenn sich in Baesweiler aus den Reihen derer, die uns wählen, auch welche aufmachen und sich engagieren.“ Es seien zwar zuletzt „zwei bis drei Neumitglieder“ hinzugekommen, aber die Bereitschaft, bei der Parteiarbeit mitzumachen und für die Kommunalwahlen anzutreten, sei ausbaufähig. „Um demokratische Prozesse aufrechtzuerhalten, muss man Eigeninitiative aufbringen“, sagt er. Themen gebe es genug, die man beackern könnte. So werde man wohl erst im Februar Klarheit darüber gewinnen, wie es um die Kandidatenaufstellung bestellt ist.

Auch die Linkspartei ist noch in der Selbstfindungsphase. Bei der Mitgliederversammlung des Kreisverbands am 12. November in Aachen steht für alle angeschlossenen Ortsverbände das Thema Bürgermeisterkandidatur auf der Tagesordnung. Soll man selber einen Kandidaten aufstellen oder gemeinsam mit anderen kleineren Parteien eine Alternative zu den großen aufstellen?, nennt die Baesweiler Ratsfrau Marika Jungblut zwei Möglichkeiten. Bei der letzten Bürgermeisterwahl gegen Linkens habe das keinen Sinn gemacht. Aber jetzt? Die Linken in Baesweiler wollen sich Anfang 2020 positionieren

Die FDP in Baesweiler will laut Vorsitzendem Tim Herkens erst Anfang 2020 ihr Team für die Kommunalwahlen aufstellen. Man werde wohl keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufbieten. Aber darüber müssten erst noch die Gremien entscheiden.

Und die Partei des bisherigen Platzhirsches, die CDU? In der Gerüchteküche brodelt es heftig. Die Rede ist zum Beispiel von einem leitenden Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Auf diese Weise würde es einen Verwaltungschef aus den Reihen der städtischen Bediensteten geben, der den Laden kennt und umgekehrt. Aber wie steht es um die Außenwirkung, eben um das Bild des Bürgermeisters? Ist der Verwaltungsfachmann bürgernah genug? Andere wollen wohl eine Frau zur Favoritin erheben, die auf andere Weise im Umfeld des aktuellen Amtsinhabers „angesiedelt“ sein soll. Sie könnte vielleicht besser vom Nimbus namens Linkens schöpfen. Auch eine taktisch interessante Überlegung. Unterm Strich wäre es ja interessant, wenn die CDU-Mitglieder in Baesweiler zwischen zwei Kandidaten wählen könnten. Stimmt das?

CDU will bald für Klarheit sorgen

Natürlich habe man konkrete Vorstellungen und einen Zeitplan, heißt es aus engeren Parteikreisen. Stellvertretender CDU-Vorsitzender Thomas Geller will sich jedoch weder an Spekulationen beteiligen, noch sie beenden. „Man wird sehen“, sagt er – und das recht bald. Der Parteivorstand werde seinen Vorschlag in diesem Jahr vorstellen.

Die Ausgangssituation für die zeitgleich im nächsten Jahr stattfindenden Stadtratswahl in Baesweiler sieht die CDU bei fast einer Zweidrittelmehrheit. Vor fünf Jahren errang sie 62 Prozent und gewann 23 Sitze im Stadtparlament. Die SPD kam auf 23,6 Prozent, was ihr 9 Mandate einbrachte, die Grünen auf sieben Prozent (drei Sitze), die FDP auf 2,9 (1) und die Linkspartei auf 4,5 Prozent (2).